DIHK kritisiert Bologna-Umsetzung
Nach der Bologna-Hochschulreform sollten Studenten besser auf den Beruf vorbereitet sein. Wirtschaftsverbände zeigen sich unzufrieden mit den Ergebnissen.
Nach der Bologna-Hochschulreform sollten Studenten besser auf den Beruf vorbereitet sein. Wirtschaftsverbände zeigen sich unzufrieden mit den Ergebnissen.
Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), hat die Umsetzung der Bachelor-/Master-Reform an deutschen Hochschulen kritisiert. Die Absolventen seien vielfach nur schlecht auf das Arbeitsleben vorbereitet: "Die Inhalte eines Studiums müssen den Anforderungen des Arbeitsmarktes entsprechen."
Anlass der Kritik ist die heutige Bologna-Konferenz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Berlin.
Der DIHK verweist auf eine Blitzumfrage bei mittelständischen Unternehmen im April 2010. Demnach vermissen 61 Prozent der Unternehmen praktische Erfahrungen bei den heutigen Hochschulabsolventen. Die Anwendung der Theorie im späteren Beruf überfordere viele Studierende, so der DIHK-Präsident.
Driftmann schlägt vor, Praxisphasen direkt in das Studium zu integrieren und Praktiker aus den Unternehmen zu Vorträgen in die Hochschule einzuladen. Außerdem fordert Driftmann: "Die Anzahl der Studienanfänger in den technischen und naturwissenschaftlichen Fächern muss erhöht und die Durchlässigkeit zwischen der beruflichen und der hochschulischen Bildung weiter verbessert werden."
Ingenieure wollen deutsches Diplom
Der Verband Beratender Ingenieure VBI fordert derweil Korrekturen bei der Ingenieursausbildung. Deutschland müsse aufpassen, dass es wichtige Qualitätsmerkmale im internationalen Wettbewerb nicht verliert, so VBI-Vizepräsident Joachim Knüpfer. "Daher müssen in Deutschland ausgebildete Ingenieure auch wieder das sein dürfen, was sie sind: Diplomingenieure."
Der deutsche Hochschulbetrieb habe zu voreilig auf den Titel Diplomingenieur verzichtet, heißt es von Seiten des VBI. "Es muss wieder gängige Praxis werden, die Qualität der Ausbildung mit einer international anerkannten Marke nach außen zu zeigen", so Knüpfer. Bachelor-Studiengänge könnten nur mit sieben statt mit sechs Semestern und mit Praxisbezug berufsbefähigend sein. "Mit halbgaren Bachelorabsolventen können die 58.000 unabhängigen Planungsbüros in Deutschland nichts anfangen."
Hintergrund
Der 1999 gestartete Bologna-Prozess steht in Deutschland massiv in der Kritik. Studentenvertreter und der Deutsche Hochschulverband kritisieren unter anderem die Verschulung des Hochschulsystems. Statt Fortschritte gab es Rückschritte bei den Abbrecherquoten und der studentischen Mobilität.
"Durch die angebliche ‚Jahrhundertreform‘ ist das Studium weder besser, noch sind die neuen Hochschulabschlüsse international vergleichbarer geworden", kritisiert Professor Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), auf EURACTIV.de.
awr