Digitale EU-Bibliothek bricht unter großer Nachfrage zusammen [DE]
Die Internet-Bibliothek der EU ‚Europeana’ ist, kurz nachdem sie gestern (20. November 2008) online gestellt wurde, infolge der großen Nachfrage und der Millionen Zugriffe zusammengebrochen. Die Europäische Kommission sagte, sie plane, die Internetseite Mitte Dezember erneut zu starten.
Die Internet-Bibliothek der EU ‚Europeana’ ist, kurz nachdem sie gestern (20. November 2008) online gestellt wurde, infolge der großen Nachfrage und der Millionen Zugriffe zusammengebrochen. Die Europäische Kommission sagte, sie plane, die Internetseite Mitte Dezember erneut zu starten.
Auf der ‚Europeana’ Internetseite, die gestern von Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Frankreichs Ministerin für Kultur und Kommunikation Christine Albanel zugänglich gemacht wurde, kann auf hunderttausende Bücher zurückgegriffen werden. Viele der verfügbaren Exemplare sind in gedruckter Form selten oder werden nicht mehr gedruckt. ‚Europeana’ soll ein „gemeinsames Zugangsportal“ zu den digitalisierten Quellen Europas bilden.
Insgesamt wurden gut zwei Millionen ‚digitalisierte Objekte’ der 27 Mitgliedstaaten online gestellt, darunter Gemälde, Musik, Landkarten, Manuskripte und Zeitungen, die das Bücherangebot ergänzen. Die Kommission findet, dass der Umfang der zusammengetragenen Inhalte für den Anfang beachtlich sei, räumte jedoch ein, dass für einige Länder nur sehr begrenzt Material zur Verfügung gestanden habe. Die Europeana Internetseite ist in allen offiziellen EU-Sprachen, mit Ausnahme von Maltesisch und Bulgarisch, verfügbar. Diese Sprachoptionen sollen der Kommission zufolge aber in den nächsten Monaten hinzugefügt werden.
Nach anfänglichem Erfolg…
Gestern morgen beschrieb die EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien Viviane Reding den Start der Internetseite als außergewöhnlichen Erfolg. Die Seite sei an ihrem ersten Morgen mindestens 10 Millionen Mal pro Stunde aufgerufen worden. Einen solchen Ansturm auf Europeana habe man sich nicht träumen lassen, sagte sie.
… ‚Europeana’ wieder offline
Doch die Seite wurde seitdem wieder aus dem Internet genommen, da die Server das „überwältigende Interesse“ nicht mehr haben verarbeiten können. Man unternehme alles Menschenmögliche, um Europeana so bald wie möglich in verstärkter Form wieder zu eröffnen und sie werde bis Mitte Dezember wieder zugänglich sein, so eine Erklärung auf der Landing-Page, die heute (21. November 2008) stattdessen Links zu einer Seite bereitstellt, die über die aktuellen Entwicklungen informiert.
Auf die Frage, weshalb die Europeana-Seite kurz nach ihrem Start zusammenbrach, antwortete Martin Selmayr, der Sprecher von Kommissarin Reding gestern, die drei Server der Internetseite hätten die Nachfrage der Region mit zehn Millionen Aufrufen pro Stunde nicht verarbeiten können. Deshalb starte man die Seite nun auf sechs Servern erneut, erklärte er.
Inhaltliche Herausforderungen
Auf lange Sicht bleibt abzuwarten, ob das Portal, das über den Zeitraum 2009-2011 jährlich mit 2 Millionen Euro von der EU finanziert wird, die Herausforderung, genügend Inhalte zur Verfügung zu stellen, wird meistern können. Aktuell haben sich 1 000 kulturelle Einrichtungen bereit erklärt, Material hochzuladen.
Kommissarin Reding wünscht sich bis 2010 zehn Millionen Objekte auf der Seite, doch diesem Schritt könnten Fragen im Zusammenhang mit Urheberrechten im Weg stehen. Der Urheberrechtsinhaber entscheidet, was über das Portal zugänglich gemacht wird. Gleichzeitig wurden die Mitgliedstaaten gebeten, nationale Portale einzurichten, aif denen Material für Europeana bereitgestellt werden kann.
Präsident Barroso betonte für seinen Teil, die Eröffnung von Europeana habe das Potenzial, die Sichtweise der Menschen von der europäischen Kultur zu verändern, wodurch es für die Europäer einfacher werde, ihre eigene Vergangenheit wertschätzen zu lernen und sich ihrer gemeinsamen europäischen Identität stärker bewusst zu werden.
Darüber hinaus würde das Projekt dazu führen, dass der Rest der Welt die wichtigen Beiträge Europas in den Bereichen Literatur, Kunst, Politik, Geschichte, Wissenschaft, Architektur, Musik und Filme erkenne, während gleichzeitig das kulturelle Erbe Europas für spätere Generationen bewahrt werde, sagte Barroso.
Unterstützung aus der Wirtschaft
Santiago de la Mora, der beim bedeutendsten Online-Suchdienst Google für europäische Partnerschaften zuständig ist, begrüßte die Einrichtung von Europeana und sagte, je mehr solcher Projekte es gebe, desto einfacher werde es für Leser und Forscher, weltweit Bücher und andere Materialien zu suchen, die derzeit auf der ganzen Welt verstreut und deshalb nur schwer zugänglich seien.
Google selbst ist im vergangenen Monat urheberrechtliche Forderungen von US-amerikanischen Verlegern bezüglich Googles Internetseite zur Buchsuche nachgekommen. Europeana soll diese Internetseite vervollständigen.
Das Unternehmen glaubt, dass das Projekt zur Buchsuche, bei dem der vollständige Text von über sieben Millionen Bücher verfügbar ist, neue Märkte für vergriffene Bücher erschließen wird.