Die politischste Pipeline der Welt

Eine neue Gaspipeline – die höchst gelegene der Welt - verbindet seit heute (26. August 2009) Russland und Südossetien. Damit baut Moskau seine Infrastruktur zu der kleinen Teilrepublik aus. Ein Jahr nach dem Kaukasus-Krieg betont Putin, er werde keine neuen Militärabenteuer im Kaukasus zulassen, und Medwedew nennt die Anerkennung Südossetiens und Abchasiens unwiderruflich.

Russischer Ingenieur, russische Pipeline, russisches Gas (Foto: dpa)
Russischer Ingenieur, russische Pipeline, russisches Gas (Foto: dpa)

Eine neue Gaspipeline – die höchst gelegene der Welt – verbindet seit heute (26. August 2009) Russland und Südossetien. Damit baut Moskau seine Infrastruktur zu der kleinen Teilrepublik aus. Ein Jahr nach dem Kaukasus-Krieg betont Putin, er werde keine neuen Militärabenteuer im Kaukasus zulassen, und Medwedew nennt die Anerkennung Südossetiens und Abchasiens unwiderruflich.

Nach einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur RiaNowosti von Mittwoch Abend wurde heute eine neue Gaspipeline in Betrieb genommen, die Russland und Südossetien verbindet. Die 169 Kilometer lange Pipeline verläuft über das kaukasische Hochgebirge und verbindet die Ortschaft Dsaurikau in der russischen Teilrepublik Nordossetien mit der südossetischen Hauptstadt Zchinwali.

Ein Jahr nach der Anerkennung

Die symbolische Inbetriebnahme erfolgte genau am ersten Jahrestag der – international nicht akzeptierten – Selbstständigkeit der abtrünnigen georgischen Provinz. Mit dem Bau der Leitung war erst nach der Anerkennung begonnen worden. Bis zum Kaukasuskrieg vor einem Jahr bekam Südossetien noch russisches Erdgas über georgisches Territorium geliefert. Dann wurden die Lieferungen wegen angeblich kriegsbedingter Beschädigungen von georgischer Seite unterbrochen.

Der Vizechef des russischen Energieriesen Gazprom, Alexander Ananenkow, sagte laut RiaNowosti, die Pipeline habe umgerechnet 330 Millionen Euro gekostet. Das Projekt bringe Gazprom vorerst keine Gewinne, denn die Pipeline funktioniere zur Zeit nur zu zehn bis 15 Prozent ihrer geplanten Leistung.

Gazprom und Südossetiens Regierung werden laut Ananenkow ein Joint Venture für den Betrieb des südossetischen Pipeline-Abschnitts gründen. Der russische Konzern werde mehr als fünfzig Prozent der Anteile am geplanten Gemeinschaftsunternehmen halten.

Route durch Erdbebengebiet

Die neue Leitung ist weitgehend politisch motiviert und entsprechend teuer. Ihre Kapazität beträgt 250 Millionen Kubikmeter im Jahr. Sie führt in bis zu 3000 Meter Höhe in erdbeben- und lawinengefährdeten Gebieten über den Kaukasus-Kamm. Nach Gazprom-Angaben kostete die Pipeline 15 Milliarden Rubel, umgerechnet rund 330 Millionen Euro. Es handelt sich um die höchstgelegene Gaspipeline der Welt.

Putin lässt keine Revanche zu

Indessen äußerte sich Ministerpräsident Wladimir Putin zum Krieg von vor einem Jahr. Nach dem Südossetien-Konflikt vom August des Vorjahres lasse Russland keine neuen Militärabenteuer oder Revancheversuche im Kaukasus zu. „Wir werden aufmerksam beobachten und angemessen reagieren“, sagte Putin am Mittwoch in Moskau nach einem Treffen mit dem südossetischen Präsidenten Eduard Kokojty. Er sicherte Südossetien und der anderen ehemaligen georgischen Provinz Abchasien weitere politische und wirtschaftliche Unterstützung zu.

„Wir sehen die schwierige Lage der Republik und deren Bürger und sind bereit, alle eingegangenen Verpflichtungen, darunter auch die finanziellen, in vollem Umfang zu erfüllen.“ Es sei bereits ein Plan zum Wiederaufbau der kriegszerstörten Wohnhäuser, Stromversorgung und anderen Infrastruktur konzipiert worden.  

Kokojty besuchte Moskau am ersten Jahrestag der Anerkennung Südossetiens und des anderen De-facto-Staats Abchasien durch Russland.

Die beiden Gebiete wurden außer von Russland nur von Nikaragua anerkannt. Wirtschaftlich sind sie komplett von Russland abhängig.

Medwedew: Anerkennung unwiderruflich

Der russische Präsident Dmitri Medwedew bezeichnete indessen die Anerkennung Abchasiens und Südossetiens als unwiderruflich. Dass diese Republiken bisher international nicht anerkannt seien, sei sekundär. "Ich bedauere diese Entscheidung nicht und halte sie vom Standpunkt des Völkerrechts für legitim, gerecht und absolut notwendig“, betonte Medwedew zum ersten Jahrestag.

ekö