Die größten Profiteure des Euro

Österreich ist der größte Nutznießer der Einführung des Euro als Einheitswährung innerhalb der Europäischen Union. Das ist das Resultat einer Studie des Beratungsunternehmens "McKinsey" aus Anlass des 10-Jahres-Jubiläums des Euro. Die Österreicher werden ihre skeptische Meinung revidieren müssen.

Der österreichische Banknoten-Designer Robert Kalina gab den Euro-Scheinen ihr Gesicht. Ihn trifft an den Problemen der Eurozone aber keine Schuld. Foto: EZB
Der österreichische Banknoten-Designer Robert Kalina gab den Euro-Scheinen ihr Gesicht. Ihn trifft an den Problemen der Eurozone aber keine Schuld. Foto: EZB

Österreich ist der größte Nutznießer der Einführung des Euro als Einheitswährung innerhalb der Europäischen Union. Das ist das Resultat einer Studie des Beratungsunternehmens „McKinsey“ aus Anlass des 10-Jahres-Jubiläums des Euro. Die Österreicher werden ihre skeptische Meinung revidieren müssen.

Noch im Herbst 2011 überwogen bei einer Ecoquest-Umfrage die Skeptiker. Auf die Frage, "ob Österreich ohne EU und den Euro von internationalen Finanz- und Wirtschaftskrisen viel stärker betroffen gewesen wäre, als dies durch die Mitgliedschaft in der Eurozone der Fall ist", meinten nur 36 Prozent, dass diese Aussage zutrifft. Exakt 50 Prozent hingegen waren der Auffassung, dass dies nicht zutreffe. 

Daran hat sich bis dato nichts mehr geändert. So heißt es in einem aktuellen Bericht der Österreichischen Nationalbank (OeNB): "Faktum ist, dass während der ersten Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 EU und Euro noch als Schutzschild für Österreich vor den internationalen Krisen wahrgenommen wurde, mittlerweile die EU und der Euro aber eher als Auslöser der gegenwärtigen Probleme gesehen werden."

Euro brachte ein 7,8-prozentiges Plus beim BIP

Geht es nach der McKinsey-Studie, deren Basis Berechnungen von Eurostat und der EU-Kommission waren, dann lässt sich mit Sicherheit feststellen: Die 17 Länder der Euro-Zone haben durch den Abbau von wirtschaftspolitischen Schranken eindeutig profitiert.

Ohne Euro wäre das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Währungsunion im Jahr 2010 um geschätzte 332 Milliarden niedriger gelegen.

Nicht alle Länder profitierten freilich im selben Ausmaß von der Gemeinschaftswährung. Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Währungsunion, bescherte der Euro 2010 ein BIP-Plus von 6,6 Prozent oder rund 165 Mrd. Euro, Italien zum Beispiel dagegen nur 3,1 Prozent bzw. rund 48 Mrd. Euro.

Für Österreich machte das Plus, gemessen an der Wirtschaftsleistung, hingegen 7,8 Prozent aus. Das war der größte Zuwachs unter allen 17 EU-Staaten. Neben Österreich und Deutschland gehören noch Finnland und die Niederlande zu den Spitzenprofiteuren der Euro-Einführung.

Die vergessene Euro-Kampagne

Bereits im Sommer des vergangenen Jahres gab es in der österreichischen Bundesregierung Überlegungen, eine Euro-Kampagne zu starten. Irgendwie geriet dieses Projekt aber wieder in Vergessenheit. Nun nimmt die OeNB einen Anlauf, um im Rahmen einer Ausstellung, die im so genannten "Nationalbank-Museum" stattfindet, für die Gemeinschaftswährung Stimmung und die Schilling-Nostalgie vergessen zu machen. Ob eine Ausstellung die Trendwende in der öffentlichen Meinung bringen kann, steht zu bezweifeln – selbst wenn die Euro-Banknoten eine österreichische Handschrift tragen. Beim seinerzeitigen Wettbewerb für die Gestaltung der Euro-Scheine siegten die Entwürfe des OeNB-Designers Robert Kalina gegenüber 43 Mitbewerbern, womit die österreichische Tradition künstlerisch und sicherheitstechnisch hochwertiger Banknoten neue Impulse erhielt.

Keine Alternative

Bei allem Krisengerede ist summa summarum die Euro-Bilanz als sehr stolz zu bewerten. Die Nationalbank listet dazu eine Fülle von Argumenten auf. Vor zehn Jahren wurde mit der Einführung des Euro-Bargeldes die größte Währungsumstellung der Geschichte Realität. Da es für solche Dimensionen noch keine Erfahrungswerte gab, standen die Notenbanken vor einer großen Herausforderung.

Allein in Österreich wurden 7.500 Tonnen Euro-Münzen und 250 Millionen Stück Euro-Banknoten ausgeliefert. In den letzten zehn Jahren hat sich das Euro-Bargeld als verlässliches, sicheres und wertbeständiges Zahlungsmittel bewährt. Der Umgang mit den sieben Euro-Banknoten und den acht Euro-Münzen ist für die Bevölkerung der Euroländer zur Selbst­verständlichkeit geworden. 9 von 10 Österreichern kommen mit den Banknoten und 7 von 10 mit den Münzen gut bis sehr gut zurecht.

Aus 17 nationalen Währungen entstand eine Weltwährung

Rund 330 Millionen Menschen in 17 Staaten haben handfesten wirtschaftlichen Nutzen von der gemeinsamen Währung. So sind etwa Preisvergleiche einfacher geworden und Wechselspesen bzw. hohe Kosten für Wechselkursrisiken bei Exporten innerhalb des Euroraums weggefallen.

Die seit Einführung des Euro im Durchschnitt niedrige Inflationsrate von etwas unter zwei Prozent erhält die Kaufkraft der Einkommen und schützt die Ersparnisse vor Entwertung. Das stabile Wechselkursumfeld ermöglichte Österreich eine deutliche Steigerung seiner Ausfuhren. Mehr als die Hälfte aller Exporte geht in den Euroraum, wodurch rund eine halbe Million Arbeitsplätze in Österreich gesichert wird. In der relativ kurzen Zeit seiner Existenz hat sich der Euro damit erfolgreich als Weltwährung und Schutzschild vor Währungsattacken etabliert. In der Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Einbettung in das Euro-Währungsgebiet Österreich (und andere Staaten) vor Spekulanten geschützt.

Herbert Vytiska (Wien)

Der Autor ist Politik- und Medienberater. Er war über 15 Jahre lang Pressesprecher des ehemaligen österreichischen Vizekanzlers Alois Mock. 

Link

EURACTIV.de: Österreich: Die EU im Umfragetief (7. Dezember 2011)