Deutschland knapp über Öko-Ziel der EU
Die EU-Staaten haben sich hohe Ziele für den Ausbau erneuerbaren Energien gesetzt. Deutschland und die meisten Mitgliedstaaten zeigen sich zuversichtlich, die Vorgaben bis 2020 zu übertreffen. Der Bundesverband Erneuerbare Energie fordert derweil von der Politik weitere Anstrengungen, um Deutschland zum EU-Vorreiter bei Öko-Energien zu küren.
Die EU-Staaten haben sich hohe Ziele für den Ausbau erneuerbaren Energien gesetzt. Deutschland und die meisten Mitgliedstaaten zeigen sich zuversichtlich, die Vorgaben bis 2020 zu übertreffen. Der Bundesverband Erneuerbare Energie fordert derweil von der Politik weitere Anstrengungen, um Deutschland zum EU-Vorreiter bei Öko-Energien zu küren.
Bisher haben 22 EU-Länder ihre Vorausschau für die Erzeugung erneuerbarer Energien bis 2020 an die EU-Kommission übersandt. Die nationalen Dokumente sind hier hinterlegt. Deutschland hat seine Vorausschätzung fristgerecht (bis Ende 2009) an die Kommission übersandt.
Deutsche Zielvorgabe: 18 Prozent
"Deutschland wird sein nationales Ziel von 18 Prozent Energie aus erneuerbaren Quellen am Bruttoenergieverbrauch im Jahr 2020 durch die Nutzung eigener Potenziale und Maßnahmen erreichen", heißt es in der deutschen Prognose.
Bei Beibehaltung der jetzigen Politik werde Deutschland 2020 wohl 18,7 Prozent seines Energieverbrauchs aus erneuerbarer Energie speisen. "Damit gibt es für Deutschland keinen Importbedarf erneuerbarer Energien zur Zielerreichung" heißt es in dem Dokument.
Überschuss mit Offshore-Windparks
Deutschland zeigt sich zudem offen, den Überschuss auf andere Länder zu übertragen, die ihr nationales Ziel nicht erreichen. "Als ein Beispiel könnten gemeinsame Projekte Offshore-Windparks in Deutschland in Frage kommen. So würden zwei Offshore-Windparks zu jeweils 400 Megawatt ca. 0,13 Prozent des geschätzten Bruttoendenergieverbrauchs Deutschlands im Jahr 2020 ausmachen", wird in der Vorausschau prognostiziert.
Der Anteil erneuerbarer Energien lag in Deutschland 2005 bei 5,2 Prozent und soll in diesem Jahr bei 10,2 Prozent liegen. Gleichzeitig wird in dem Dokument prognostiziert, dass der absolute Energieverbrauch in Deutschland 2010 seinen absoluten Höhepunkt erreicht und ab 2011 sukzessive absinkt.
Die Öko-Ziele des BEE
Deutschland kann seinen Anteil von Ökoenergien am Endenergieverbrauch bis 2020 sogar auf mehr als 28 Prozent steigern, meint der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE). In der gestern vorgestellten "Roadmap 2020 für den Ökoenergie-Ausbau" des Branchenverbandes würden jährlich rund 290 Millionen Tonnen CO2 eingespart und knapp 50 Milliarden Euro Kosten für Sprit und Öl vermieden.
Voraussetzung seien die richtigen politischen Rahmenbedingungen, wozu der Verband zum Beispiel im Verkehrssektor neben dem Elektroauto einen "Neustart in der Biokraftstoffpolitik" verlangt. BEE-Präsident Dietmar Schütz erklärte: "Wenn die Politik jetzt die Weichen richtig stellt, erfüllen wir nicht nur die EU-Vorgabe etwa fünf Jahre früher als verlangt, sondern erhöhen gleichzeitig unseren Beitrag zum Klimaschutz und stärken die heimische Wertschöpfung."
Europäischer Vergleich
In den bisher bei der EU-Kommission eingereichten Prognosen, sollen die Länder abschätzen, ob sie ihre nationalen Zielvorgaben für 2020 aus eigener Kraft erreichen werden. Alternativ können über die flexiblen Kooperationsmechanismen erneuerbare Energien aus anderen EU-Staaten eingekauft werden.
Die meisten Mitgliedsstaaen, darunter Frankreich und Tschechien, gehen davon aus, dass sie ihre nationalen Zielvorgaben bis 2020 erreichen werden. Sie werden also voraussichtlich weder auf Import von erneuerbaren Energien angewiesen sein, noch mit Export zur Zielerfüllung anderen Staaten beitragen.
Einige wenige Mitgliedsstaaten rechnen damit, dass sie ihre Ziele übererfüllen werden. Zu diesen Ländern zählen Schweden, Dänemark, die bereits heute einen hohen Anteil an erneuerbaren Energien aufweisen. Auch Deutschland und Spanien rechnen damit, dass sie 2020 über Soll liegen werden. Diese Staaten bieten daher Transfermechanismen in andere Länder an, die ihre Ziele wohl nicht erreichen werden.
Einige wenige Mitgliedsstaaten melden bereits Zweifel an, dass sie ihre selbst gesteckten Ziele erreichen werden. Belgien etwa "schließt nicht die Möglichkeit aus, flexible Kooperationsmechanismen zu nutzen", um die eigenen Zielvorgaben zu erreichen. Die Niederlande wiederum hat sich in seiner Prognose dazu verpflichtet, "zeitlich begrenzte Anstrengungen" für den "unwahrscheinlichen Fall" zu unternehmen, falls die nationale Zielvorgaben nicht erreicht werden sollten.
Kooperation bieten sich derweil bei Solarprojekten im Mittelmeeraum (Frankreich, Spanien) oder bei Offshore-Windparks (Deutschland) in der Nordsee an.
Einige Länder betonen zudem, dass die Interkonnektivität weiter ausgebaut werden müssten. So fordert Irland den Ausbau von Offshore-Netzen, um die Windkraft nutzen zu können. Spanien und Portrugal dagegen drücken ihre Sorge aus, dass es nicht genügend Elektrizitätsverbindungen zwischen der iberischen Halbinsel und dem restlichen Europa gebe.
Vorbereitung der Nationalen Aktionspläne
Die Mitgliedsstaaten der EU arbeiten derzeit ihren jeweiligen Nationalen Aktionsplan Erneuerbare Energie (NAPEE) aus, der bis zum 30. Juni 2010 an die EU-Kommission übersendet werden muss. Die bis Ende 2009 eingereichten nationalen Prognosen bilden den Rahmen, der durch die nationalen Aktionspläne ausgefüllt wird. Die Muster-Vorgabe für die NAPEE steht seit Ende Juni 2009 bereit.
Experten warnen dagegen, dass die bisher eingereichten Dokumente, politische Positionspapiere seien, die bis zur Einreichung der NAPEE überarbeitet werden müssten. In den Nationalen Aktionsplänen müssen die Mitgliedsstaaten detailliert formulieren, wie sie die selbst gesteckten Ziele konkret erreichen wollen.
Im Fortschrittsbericht "Erneuerbare Energien" aus dem Frühjahr 2009 macht die Kommission deutlich, dass die Produktion erneuerbarer Energien bisher zu langsam ausgebaut wird und weitere Anstrengungen nötig seien.
Optimismus in Spanien
Spanien hat eine der ehrgeizigsten Prognosen abgegeben. Das südeuropäische Land, das derzeit die rotierende Ratspräsidentschaft inne hat, schätzt, dass bis 2020 etwa 22,7 Prozent des Energieverbrauchs mit erneuerbaren Energien abgedeckt werde. Damit liegt Spanien deutlich über der nationalen Zielvorgabe von 20 Prozent.
Um das Ziel zu erreichen, müsste Spanien seinen bisherigen Anteil von 10,5 Prozent in nur zehn Jahren mehr als verdoppeln. Das dürfte schwierig werden. Auch hat das Land immer wieder gegen die EU-Richtlinie zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen verstoßen. Die Kommission hat nur gegen Italien mehr Vertragsverletzungsverfahren in diesem Bereich angestrengt. Die spanische Regierung ist dennoch optimistisch, die Ziele mithilfe größere Energiesparmaßnahmen zu erreichen.
EURACTIV mit dpa
Dokumente / Download / Links
Kommission: Zugang zu den nationalen Vorausschätzungen zu erneuerbaren Energien
Deutschland: Vorausschätzung zur Nutzung der flexiblen Kooperationsmechanismen zur Zielerreichung in Deutschland (21. DEzember 2009)
BEE: Ausbauprognose der Erneuerbare-Energien-Branche für Deutschland (30. November 2009)
Spanische Regierung: Spain will surpass the 2020 renewable energies target of 20% set by the EU (7. Januar 2010)