Deutschland bestrahlt Lebensmittel vorschriftswidrig
Die Kontrolle von bestrahlten Lebensmitteln hat in Deutschland grobe Mängel aufgezeigt. Das betrifft vor allem Suppen und Soßen. So werden Lebensmittel bestrahlt, für die es keine Bestrahlungsgenehmigung gibt. Außerdem werden bestrahlte Lebensmittel teilweise nicht vorschriftsmäßig gekennzeichnet. Im EU-Vergleich steht Deutschland sehr schlecht da. Das geht aus dem heute von der Kommission veröffentlichten Bericht über die Bestrahlung von Lebensmitteln 2007 hervor.
Die Kontrolle von bestrahlten Lebensmitteln hat in Deutschland grobe Mängel aufgezeigt. Das betrifft vor allem Suppen und Soßen. So werden Lebensmittel bestrahlt, für die es keine Bestrahlungsgenehmigung gibt. Außerdem werden bestrahlte Lebensmittel teilweise nicht vorschriftsmäßig gekennzeichnet. Im EU-Vergleich steht Deutschland sehr schlecht da. Das geht aus dem heute von der Kommission veröffentlichten Bericht über die Bestrahlung von Lebensmitteln 2007 hervor.
Getrocknete Kräuter und Gewürze dürfen in der der gesamten EU bestrahlt werden. In manchen Ländern werden auch Fisch, Fleisch und andere Lebensmittel bestrahlt. Die Mitgliedsstaaten selbst kontrollieren, ob die Lebensmittel vorschriftsmäßig mit ionisierenden Strahlen behandelt und entsprechend gekennzeichnet werden. Deutschland hat nach Brüssel gemeldet, dass 2007 insgesamt 331 Tonnen an Lebensmitteln in drei Bestrahlungsanlagen behandelt wurden.
Deutschland führt bei Kontrollen und Mängeln
In Deutschland wurden 2007 insgesamt 75 Mängel bei Stichproben festgestellt. Das ist ein Spitzenwert in der EU, doch in keinem anderen Land wurde auch so häufig kontrolliert wie in Deutschland.
Deutsche Kontrolleure untersuchten 2007 insgesamt 3 744 Lebensmittelproben; 75 davon verstießen gegen die betreffende EU-Richtlinien, heißt es in dem Bericht der Kommission über die Bestrahlung von Lebensmitteln 2007. 21 Lebensmittelproben wurden nicht korrekt gekennzeichnet, 34 Proben "gehörten zu Gruppen, deren Bestrahlung nicht zulässig ist".
Bei weiteren 20 Proben (überwiegend Nudeln und Trockensuppen) wurde eine Bestrahlung festgestellt, wobei aber "nicht ermittelt werden konnte, ob die Bestrahlung zulässig war", heißt es in dem Bericht.
Die Gruppen mit dem höchsten Anteil an Proben, die nicht den Vorschriften entsprachen, waren Nahrungsergänzungsmittel (16 Prozent) sowie Suppen und Soßen (11 Prozent).
Keine Gefahr für Gesundheit
Die festgestellten Mängel sind ungefährlich für die Gesundheit der Verbraucher, hieß es bei der Kommission auf Nachfrage von EURACTIV.de. "Die nicht konformen Lebensmittelproben gefährden die Gesundheit auch bei Verzehr nicht", so ein Sprecher der Kommission.
Die Kennzeichnungspflicht der bestrahlten Lebensmittel sei nicht aus Gründen der Nachrungsmittelsicherheit eingeführt worden, "sondern weil manche Verbraucher lieber unbestrahlte Lebensmittel essen. Wenn sie die entsprechenden Hinweise lesen, können sie von ihrem Recht auf freie Wahl Gebrauch machen", erklärte der Sprecher.
Auch gebe es trotz der Verstöße Deutschlands gegen die EU-Richtlinie "kein Bedarf von Sanktionen gegen Deutschland." Deutschland habe die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen. "Es gibt keine Hinweise, dass diese Maßnahmen nicht angewandt würden", hieß es bei der Kommission weiter.
Vorschrift zu Bestrahlunsghinweisen
Bei der Kennzeichnung gilt folgende Vorschrift: "Alle bestrahlten Lebensmittel und Lebensmittel oder zusammengesetzte Lebensmittel, die einen oder mehrere bestrahlte Bestandteile enthalten, müssen mit dem Hinweis "bestrahlt" oder "mit ionisierenden Strahlen behandelt" gekennzeichnet sein. Bei lose verkauften Erzeugnissen steht der Hinweis zusammen mit der Bezeichnung des Erzeugnisses auf einem Anschlag oder einem Schild über oder neben dem Behältnis, in dem sich das betreffende Erzeugnis befindet."
Die deutschen Bestrahlungsanlagen
Die drei deutschen Bestrahungsanlagen, die 2007 in Betreib waren sind:
– Gamma Service Produktbestrahlung GmbH, Radeberg (230 Tonnen bestrahlt)
– BGS/Beta-Gamma Service GmbH & Co. KG, Wiehl (39 Tonnen bestrahlt)
– Isotron Deutschland GmbH, Allershausen (62 Tonnen bestrahlt)
Bestrahlunsgpraxis in anderen EU-Ländern
In Deutschland werden nur Gewürze, Kräuter und getrocknetes Gemüse bestrahlt. In anderen EU-Ländern wird weit exzessiver bestrahlt. Spitzenreiter ist Belgien. Dort wurden 2007 knapp 2800 Tonnen Lebensmittel bestrahlt. Auch ist die Palette der bestrahlten Lebensmittel viel breiter. Bestrahlt wurden Froschschenkel, Fleisch, Geflügel, Fische, Weichtiere und Schalentiere, Kräuter und Gewürze, Dehydriertes Blut, Gemüse, Stärke und Eipulver. Auch in den Niederlanden (2.323 Tonnen) und in Frankreich (2.139 Tonnen) werden viel häufiger Lebensmittel bestrahlt als in Deutschland.
mka
Dokumente
EU-Amtsblatt: Bericht der Kommission über die Bestrahlung von Lebensmitteln 2007 (9. Oktober 2009)