Deutscher Strompreis: Oettinger warnt vor Deindustrialisierung
Fast die Hälfte des deutschen Strompreises geht auf staatliche Vorgaben zurück, beobachtet EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Wenn die Politik es nicht schaffe, Strompreise auf einem angemessenem Niveau zu halten, bestehe die Gefahr der sozialen Spaltung und der Deindustrialisierung.
Fast die Hälfte des deutschen Strompreises geht auf staatliche Vorgaben zurück, beobachtet EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Wenn die Politik es nicht schaffe, Strompreise auf einem angemessenem Niveau zu halten, bestehe die Gefahr der sozialen Spaltung und der Deindustrialisierung.
EU-Energiekommissar Günther Oettinger fordert von der Bundesregierung eine Strategie gegen den Anstieg von Strompreisen. Es bestehe die Gefahr der sozialen Spaltung und der Deindustrialisierung, wenn die Politik es nicht schaffe, Strompreise auf einem angemessenem Niveau zu halten, sagte Oettinger dem Magazin "Cicero". "Wir brauchen eine Agenda 2020, um den Strompreis beherrschbar zu machen", so Oettinger.
Die EU-weit höchsten Strompreise müssen laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat kaufkraftbereinigt in Ungarn, der Slowakei und Deutschland gezahlt werden. (EURACTIV.de vom 29. Juni 2011). Frankreich, Finnland und Griechenland bieten die niedrigsten Strompreise.
Die deutsche Energiewende wird die Preise laut Experten weiter in die Höhe treiben. Schon jetzt gehen laut Oettinger 48 Prozent des deutschen Strompreises auf politische Vorgaben zurück.
Die Förderung im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) müsse gedeckelt werden, sagte der EU-Kommissar. Oettinger kritisierte jüngst bereits die deutsche Förderung der Solarenergie. "In Deutschland stößt Photovoltaik an seine Grenzen. Wir sind kein Sonnenland, wo die Bauern auf einmal Orangenplantagen betreiben können. Photovoltaik kann hierzulande nie eine große und kostengünstige Stromquelle sein", so Oettinger Interview mit der "Passauer Neuen Presse" (EURACTIV.de vom 26. Juli 2011).
Oettinger stellt zudem die deutschen Stromsubventionen für energieintensive Unternehmen in Frage. "Nicht alles, was sich die Unternehmen wünschen, ist mit europäischem Wettbewerbsrecht vereinbar", sagte Oettinger dem Magazin "Cicero".
Aufgrund des geplanten Ausbaus der Energienetze müssen sich alle EU-Bürger auf höhere Strompreise einstellen, erkärte EU-Energiekommissar Oettinger bereits Anfang des Jahres (EURACTIV.de vom 10. Februar 2011). Nun befkräftigte er, der einzige Faktor, der einen höheren Strompreis rechtfertige, seien Investitionen in die Energie-Infrastruktur.
awr
Links
Presse
PNP: Wohin mit dem Atommüll, Herr Oettinger? Interview mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger (26. Juli 2011)
Welt.de: Oettinger sieht Gefahr der Deindustrialisierung (21. August 2011)
Statistik
Eurostat: Strompreise für Haushalte in der EU27 im zweiten Halbjahr 2010 (29. Juni 2011)
Mehr zum Thema auf EURACTIV.de
BDI will Griechen helfen – Solarstrom für Deutschland? (26. Juli 2011)
Strompreise in Deutschland EU-weit an der Spitze (29. Juni 2011)
Oettinger: Höhere Strompreise wegen Ausbau der Energienetze (10. Februar 2011)