Deutsche Truppen sichten russische Einsatzkräfte in Mali

Deutsche Truppen haben am Montag, dem Tag, an dem die letzten französischen Soldat:innen ihren Einsatz beendeten und die Stadt verließen, mehrere Dutzend mutmaßlich russische Sicherheitskräfte auf dem Flughafen von Gao im Norden Malis gesichtet, wie aus einem Militärdokument hervorgeht.

EURACTIV.com with Reuters
Gao airport
Frankreich kündigte im Februar an, seine Truppen aus Mali abzuziehen, nachdem es dort fast ein Jahrzehnt lang Aufständische bekämpft hatte. [Twitter]

Deutsche Truppen haben am Montag, dem Tag, an dem die letzten französischen Soldat:innen ihren Einsatz beendeten und die Stadt verließen, mehrere Dutzend mutmaßlich russische Sicherheitskräfte auf dem Flughafen von Gao im Norden Malis gesichtet, wie aus einem Militärdokument vom Dienstag (16. August) hervorgeht.

Die Beteiligung an der UN-Friedensmission in Mali ist in der Bundesrepublik seit einiger Zeit umstritten, da das westafrikanische Land seine Beziehungen zu Russland, die noch aus der Sowjetzeit stammen, vertieft.

Kämpfer:innen der Wagner-Gruppe, eines mit dem Kreml verbundenen privaten Militärunternehmens, unterstützen die malische Armee seit Ende letzten Jahres in ihrem Kampf gegen islamistische Aufständische.

Deutschland hatte seine militärische Aufklärungsmission in Mali, an der rund 1.000 Soldat:innen hauptsächlich in Gao beteiligt sind, letzte Woche ausgesetzt, nachdem die örtlichen Behörden erneut eine Fluggenehmigung verweigert hatten.

Am Montag beobachteten deutsche und britische UN-Truppen zwei Flugzeuge auf dem Flughafen von Gao, eine Embraer 314 Super Tucano und eine L-39 Albatros, wie das Gemeinsame Militärische Einsatzkommando Deutschlands in einem Dokument mitteilte, das Reuters vorliegt.

In dem Schreiben, das an den Verteidigungs- und den Auswärtigen Ausschuss des Bundestages gerichtet ist und über das der Spiegel zuerst berichtete, wird darauf hingewiesen, dass Russland den malischen Streitkräften erst letzte Woche L-39-Bodenkampfflugzeuge übergeben habe.

„Zwei Stunden später (…) wurden 20 bis 30 Personen in Militäruniformen, die nicht zu den malischen Streitkräften gehörten, beim Ausladen von Ausrüstung aus einem malischen Transportflugzeug gesehen“, heißt es in dem Dokument.

„Es handelte sich mit ziemlicher Sicherheit um Mitglieder der russischen Sicherheitskräfte. Es muss davon ausgegangen werden, dass die L-39 von russischen Kräften bedient werden muss, da die malischen Sicherheitskräfte dazu nicht in der Lage sind“, heißt es in dem Schreiben.

Dem Dokument zufolge war nicht sofort klar, welche Rolle die russischen Streitkräfte in Gao übernehmen würden.

Die deutschen Operationen seien davon laut dem Schreiben bislang nicht betroffen.

„Mit der Stationierung russischer Streitkräfte und der Bereitstellung hochwertiger Ausrüstung (Bodenkampfflugzeuge) auf dem Flughafen von Gao weiten die malischen Streitkräfte ihr Einsatzgebiet mit russischer Unterstützung weiter in Richtung Nordosten aus“, heißt es in dem Dokument.

Mali kämpft damit, einen islamistischen Aufstand einzudämmen, der nach einem Aufstand im Jahr 2012 begann und sich seitdem auf die Nachbarländer ausbreitete, Tausende von Menschen tötete und Millionen in der westafrikanischen Sahelzone vertrieb.

Frankreich hatte im Februar angekündigt, seine Truppen aus Mali abzuziehen, nachdem es dort fast ein Jahrzehnt lang Aufständische bekämpft hatte.