Deutsche KMU gehen mit Optimismus ins Jahr 2011
Mehr Gewinne, mehr Investitionen, mehr Arbeitsplätze - der deutsche Mittelstand blickt hoffnungsvoll in die Zukunft. Unsicherheitsfaktor bleibt die europäische Schuldenkrise. Klar fällt das Bekenntnis zum Euro aus. Sogar Euro-Bonds finden Anhänger.
Mehr Gewinne, mehr Investitionen, mehr Arbeitsplätze – der deutsche Mittelstand blickt hoffnungsvoll in die Zukunft. Unsicherheitsfaktor bleibt die europäische Schuldenkrise. Klar fällt das Bekenntnis zum Euro aus. Sogar Euro-Bonds finden Anhänger.
Die deutschen Mittelständler starten sehr zuversichtlich ins neue Jahr und wollen wieder mehr Jobs schaffen. "Der Mittelstand ist auch 2011 Motor des Aufschwungs. Ich halte ein Wachstum von 2,5 Prozent für realistisch", sagte der Präsident des Dachverbandes BVMW, Mario Ohoven, am Mittwoch in Berlin. "Die Zahl der Arbeitslosen dürfte bis Mitte des Jahres auf 2,5 Millionen zurückgehen." Die Hälfte der Betriebe erwartet, dass sich ihre Geschäftslage im ersten Halbjahr weiter verbessert, wie aus einer Umfrage des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) hervorgeht. Rund 42 Prozent gehen von einer gleichbleibend guten Situation aus. Fast 40 Prozent der Unternehmer wollen ihre Investitionen hochfahren, rund 45 Prozent ihr Volumen halten.
Laut einer weiteren Umfrage der Verbände der Familienunternehmer und der Jungen Unternehmer erwarten fast drei Viertel der befragten 600 Firmen ein steigendes operatives Geschäft für 2011. Auch an der Beschäftigungsfront sieht es positiv aus: "Ich bin besonders froh, dass der Mittelstand auch 2011 wieder seiner Rolle als Jobmotor gerecht wird", sagte Ohoven. Vier von zehn Klein- und Mittelbetrieben planten einzustellen. Mehr als die Hälfte will sein Personal zumindest halten, nur rund sechs Prozent will Stellen abbauen. Die Familienunternehmer kamen zu ähnlichen Ergebnissen.
Keine Kreditklemme
Die Sorgen vor einer Kreditklemme, die in der Rezession noch die Wirtschaft umtrieb, scheinen vom Tisch zu sein. Inzwischen schätzen die Firmen ihre Finanzierungssituation laut BVMW günstig ein: Knapp 80 Prozent der Mittelständler bewerten sie mit den Schulnoten befriedigend, gut oder sehr gut.
Keine Angst vor Arbeitnehmerfreizügigkeit
Vor einem Ansturm osteuropäischer Arbeitskräfte auf den deutschen Jobmarkt ab Mai 2011 sorgen sich die Mittelständler nicht. Rund 63 Prozent halten die volle Freizügigkeit von Arbeitnehmern aus EU-Ländern für positiv. "Das kann dazu beitragen, das Problem des Fachkräftemangels zu mildern", sagte Ohoven zu Reuters.
Wolf Burkhard Wenkel, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau in Berlin-Brandenburg hatte am Mittwoch vor Arbeitsplatzverlusten gewarnt, wenn osteuropäische Firmen in Deutschland zu den Löhnen ihrer Herkunftsländer tätig sind. "Wenn die Freizügigkeit kommt und nichts vom Gesetzgeber getan wird, dürfte sich die Zahl der Arbeitsplätze um zehn Prozent verringern", sagte er der ‚Berliner Morgenpost‘ . In Berlin-Brandenburg seien 3.300 Arbeitsplätze in Gefahr. Wenkel fordert deshalb einen flächendeckenden Mindestlohn für die Bauwirtschaft.
Schatten der Euro-Krise
Sorgen bereitet den Familienunternehmern vor allem die Verschuldung der öffentlichen Hand und der Anstieg der Sozialabgaben. "Die Staatsverschuldung und die Finanzierungslücken in den öffentlichen Haushalten einschließlich der Sozialversicherungen sind die größten Unsicherheitsfaktoren für unsere Gesellschaft wie auch für uns Unternehmer", sagte Verbandspräsident Patrick Adenauer. Hinzu komme die "große Unsicherheit" durch die Euro-Krise.
Geteilte Meinung zu Euro-Bonds
In den Umfrage des BVMW bekennen sich die Unternehmer klar zur Europäischen Währungsunion: Fast 90 Prozent sagen Ja zum Euro. Um den Zusammenhalt der Währungsunion zu sichern, befürwortet eine knappe Mehrheit (52 Prozent) der Firmen sogar, dass Deutschland bedingt für die Schulden anderer Euro-Länder haften sollte, was über gemeinsame Anleihen (Euro-Bonds) möglich wäre. 44 Prozent sind dagegen.
Der Verband der Familienunternehmer wendet sich dagegen klar gegen Euro-Bonds (EURACTIV.de vom 15. Dezember 2010). Verbandspräsident Adenauer erklärte jüngst: "Wer Euro-Anleihen einführt, will die Eigenverantwortung nationaler Regierungen für ihre Haushaltspolitik endgültig verwischen und zum weiteren Schuldenmachen einladen". Deutschland würde nach plausiblen Schätzungen der damit verbundene höhere Zinssatz 17 Milliarden Euro jährlich kosten. "Das ist fast so viel, wie für die Hartz-IV-Hilfen ausgegeben werden muss." Mit Euro-Bonds würden die soliden Euro-Länder endgültig in den Sog der Schulden-Länder runtergezogen und verlören ebenfalls ihre Kreditwürdigkeit, womit niemandem geholfen wäre.
EURACTIV/rtr/awr
Links
Die Familienunternehmer: Umfrage zum Ausblick 2011: Größere Besorgnis um Staatsschulden, Sozialabgaben-Erhöhung und Euro (29. Dezember 2010)
BVMW: Ohoven: Mittelstand ist Motor des Aufschwungs 2011 (29. Dezember 2010)
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