Deutsche Interessen vertreten heißt: Die europäische Integration vorantreiben
Eine Initiative von sieben deutschen Stiftungen fordert angesichts der Euro-Krise mehr europäische Integration. Eine pro-europäische Führungsrolle liege im ureigenen Interesse Deutschlands. In der derzeitigen Lage habe man nur zwei Möglichkeiten.
Eine Initiative von sieben deutschen Stiftungen fordert angesichts der Euro-Krise mehr europäische Integration. Eine pro-europäische Führungsrolle liege im ureigenen Interesse Deutschlands. In der derzeitigen Lage habe man nur zwei Möglichkeiten.
Zu den Autoren
Bei den "Engagierten Europäern" handelt es sich um eine Initiative von sieben großen deutschen Stiftungen. Sie gründete sich im Juli 2010 auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise, um gemeinsam mit anderen Stiftungen die Verfassung Europas zu debattieren. Eine Liste der Erstunterzeichner finden Sie unten.
Vor dem EU-Gipfel am 16./17. Dezember in Brüssel hat sich auch der Verband der Familienunternehmer in die Debatte zur Euro-Krise eingemischt (EURACTIV.de vom 15. Dezember 2010).
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Europa ist in einer schwierigen Lage. Die Eurokrise ist nicht nur eine Krise des europäischen Finanzsystems, sondern eine Krise des europäischen Erfolgsmodells. Ein Scheitern des Euros würde zu unkalkulierbaren, ökonomischen Kosten führen, gerade auch für Deutschland. Diese Kosten würden wir alle bezahlen. Betroffen wären vor allem auch die Arbeitnehmer. Noch schwerwiegender wären aber die politischen Folgen eines gescheiterten Euros und einer strauchelnden Europäischen Union.
EU-Binnenmarkt hat deutsche Wirtschaftswunder angefeuert
Deutschland war und ist einer der größten Nutznießer der politischen und wirtschaftlichen Einigung Europas. Über Europa hat Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg den Weg zurück in die Staatengemeinschaft gefunden. Die Exporte in den Binnenmarkt haben das deutsche Wirtschaftswunder mit angefeuert. Die friedliche Wiedervereinigung war nur durch unsere Einbindung in Europa möglich. Der politische Gewinn der Europäischen Union für Deutschland übersteigt alle Integrationskosten bei weitem.
Europäische Krisen gab es schon früher. Dabei war Deutschland immer ein wichtiger Teil der Lösung. Deutsche Interessen waren für uns immer untrennbar mit europäischen Interessen verbunden. Darauf kann Deutschland stolz sein. Gerade in Krisenzeiten muss sich Deutschland auf seine Rolle als Motor der europäischen Einigung zurück besinnen. Hier geht es nicht um das Zurückstellen nationaler Interessen. Eine pro-europäische Führungsrolle liegt im ureigenen Interesse Deutschlands, als Wirtschaftsnation und Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft. Nur in einem starken Europa kann Deutschland in der heutigen Welt eine tragende Rolle spielen. Dabei gilt: Vieles in Europa kann von Deutschland vorangetrieben werden, während Deutschland für das europäische Einigungswerk unverzichtbar ist.
Europäische Integration im ureigenen Interesse der Deutschen
Jetzt haben wir zwei Möglichkeiten: den zaudernden Schritt zurück, das heißt die Auflösung des Euros einhergehend mit dem drohenden Aus der europäischen Integration mit allen seinen wirtschaftlichen und politischen Gefahren oder den mutigen Schritt nach vorne zu einer echten Wirtschaft- und Finanzunion.
Wir plädieren für den mutigen Schritt voran und dafür, dass Deutschland diesen Schritt zusammen mit seinen europäischen Partnern während des nächsten EU-Gipfels am 16. und 17.12. wagt. Langfristig werden die politischen und ökonomischen Gewinne die Kosten für diesen mutigen Schritt mehr als wett machen.
Die weitere europäische Integration liegt im ureigenen Interesse unserer Bürger als Deutsche und Europäer. Dies ist der Moment, in dem Deutschland zeigen muss, dass es zu seiner Zukunft in einer starken und geeinten Europäischen Union steht.
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Erstunterzeichner des offenen Briefes sind:
Michael M. Thoss, Geschäftsführendes Mitglied des Stiftungsrats, Allianz Kulturstiftung;
Dr. Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender, Bertelsmann Stiftung;
Markus Hipp, Geschäftsführender Vorstand, BMW Stiftung Herbert Quandt.
Heike Catherina Mertens, Vorstand, Schering Stiftung.
Dr. h.c. André Schmitz-Schwarzkopf, Vorstandsvorsitzender, Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa.
Dr. Bernhard Lorentz, Geschäftsführer, Stiftung Mercator.
Dr. Volker Hassemer, Vorstandsvorsitzender, Stiftung Zukunft Berlin.
Links
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