Deutsche Bank sieht in Wirtschaftskrise ‚Gelegenheit’ für Umweltschutz [DE]
Knappe Geldmittel und Rezessionsängste sollten nicht als Entschuldigung genutzt werden, um sich vor dem Kampf gegen den Klimawandel zu drücken. Die Regierungen hätten eine Schlüsselrolle bei der Festsetzung angemessener Gebühren für CO2-Emissionen, geht aus einem neuen Bericht der Deutschen Bank hervor.
Knappe Geldmittel und Rezessionsängste sollten nicht als Entschuldigung genutzt werden, um sich vor dem Kampf gegen den Klimawandel zu drücken. Die Regierungen hätten eine Schlüsselrolle bei der Festsetzung angemessener Gebühren für CO2-Emissionen, geht aus einem neuen Bericht der Deutschen Bank hervor.
Die gegenwärtige Krise biete den Regierungen eine „historische Gelegenheit“, die „Klimabeständigkeit ihrer Wirtschaft“ zu gewährleisten, durch die Erneuerung der Infrastruktur als wichtigste Gegenmaßnahme zu jedem wirtschaftlichen Abschwung, sagt Mark Fulton Leiter des Researchs zum Thema Klimawandelinvestitionen bei der DeAM im Artikel ‚Potential zur Konjunkturbelebung durch Investitionen in den Klimawandel’.
Der Bericht argumentiert, dass der Klimawandel als Sektor für Investoren ‚integrierte Vorzüge’ anderen Sektoren gegenüber habe, wenn es den Regierungen gelänge, einen funktionierenden Kohlenstoffmarkt mit einer gewissen Vorhersagbarkeit bezüglich der Preise für CO2-Emissionen zu errichten.
“Die Debatte rund um die Klimaveränderung verschiebt sich: Die Kosten und Risiken rücken in den Hintergrund der Frage, wie man an den Gelegenheiten partizipieren kann“, so Fulton.
Obgleich in dem Bericht der Deutschen Bank eingeräumt wird, dass die derzeitigen finanziellen Engpässe infolge der Krise im internationalen Bankensektor und auf den Geldmärkten eine „Herausforderung“ darstellten, „kann diese dennoch überwunden werden und sollte daher nicht als Entschuldigung zur Untätigkeit dienen“, meint Kevin Parker, Leiter des weltweiten Asset-Management-Bereichs der Deutschen Bank.
Der Bericht erscheint zu einer Zeit, in der diverse EU-Mitgliedstaaten, insbesondere Italien, Polen und eine Reihe anderer mittel- und osteuropäischer Staaten, nicht bereit sind, für eine drastische Senkung der CO2-Emissionen ihrer Wirtschaft die wahrscheinlichen Auswirkungen auf ihren Staatshaushalt hinzunehmen. Die Emissionsreduktionen sind nötig, um das von der EU vorgegebene Ziel zur Senkung der CO2-Emissionen um 20% bis zum Jahr 2020 erreichen zu können.
Vielleicht sei die Kommission selbst daran Schuld, dass einigen Ländern die tatsächlichen Kosten des EU-Klima- und Energiepakets nicht richtig erklärt wurden, meinte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas am 17. Oktober 2008 in Brüssel nach dem EU-Gipfel, der am 15. und 16. Oktober 2008 stattfand. Dort waren große Differenzen zwischen den Mitgliedstaaten über die Umsetzung der ehrgeizigen Umweltschutzpläne der EU offenkundig geworden.
Doch auch Dimas, der der Position Italiens „völlig fassungslos” gegenüber steht, erachtet die Kostenrechnung einiger Regierungen als „völlig unverhältnismäßig“. Er ist außerdem der Meinung, dass viele EU-Länder die Krise als Gelegenheit nutzen sollten, um Innovationen voranzutreiben und eine „kohlenstoffarme Zukunft“ vorbereiten sollten.
Das Thema wird im Mittelpunkt von Verhandlungen zwischen den Mitgliedstaaten stehen, da die Frist für die Annahme des Klima- und Energiepakets, die auf Ende 2008 festgesetzt wurde, näher rückt. Es wird erwartet, dass eine Vereinbarung auf dem nächsten EU-Gipfel, der am 11. und 12. Dezember 2008 stattfinden soll, erzielt werden kann. Unterdessen versuchen die EU-Gesetzgeber hinter verschlossenen Türen in ‚Dreiergesprächen’ zwischen Kommission, Parlament und den Vertretern der Mitgliedstaaten im Rat die Details des Abkommens auszuarbeiten.