Deutsche Autolobby: EU soll Zölle gegen China fallen lassen

Einen Tag vor der für Donnerstag (4. Juli) geplanten vorläufigen Anwendung von Zöllen auf E-Autos aus China hat der Verband der Automobilindustrie (VDA) die EU aufgefordert, die Zölle zurückzunehmen. Sie würden mehr schaden als nutzen.

Euractiv.com
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Die Ausgleichszölle sind nach Ansicht der Europäischen Kommission notwendig, um "unfaire" staatliche Subventionen für chinesische Autohersteller zu kompensieren. Der Verband der Automobilindustrie schrieb in einem am Mittwoch veröffentlichten Positionspapier jedoch, dass sie "nicht im Interesse der Europäischen Union" seien. [EPA-EFE/RONALD WITTEK]

Einen Tag vor der für Donnerstag (4. Juli) geplanten vorläufigen Anwendung von Zöllen auf E-Autos aus China hat der Verband der Automobilindustrie (VDA) die EU aufgefordert, die Zölle zurückzunehmen. Sie würden mehr schaden als nutzen.

Am Donnerstag sollen zusätzliche Zölle von 17,4 bis 38,1 Prozent auf in China hergestellte und in die EU importierte Elektroautos in Kraft treten. Dies gilt auch für Modelle, die von europäischen Unternehmen in China hergestellt werden.

Die Ausgleichszölle sind nach Ansicht der Europäischen Kommission notwendig, um „unfaire“ staatliche Subventionen für chinesische Autohersteller zu kompensieren. Der Verband der Automobilindustrie schrieb in einem am Mittwoch veröffentlichten Positionspapier jedoch, dass sie „nicht im Interesse der Europäischen Union“ seien.

Die geplanten Zölle erschweren den erfolgreichen Hochlauf der Elektromobilität und somit die
Dekarbonisierung„, warnte der Verband. „Zudem schaden sie sowohl europäischen Verbrauchern als auch europäischen Unternehmen.“

Der Verband forderte stattdessen „eine Verhandlungslösung mit China.“ Er fügte hinzu, dass „die EU ihre berechtigten Interessen wahren und in Gesprächen anstehende
Herausforderungen thematisieren“ könne.

Neben chinesischen Unternehmen sind auch mehrere europäische Automobilhersteller, die Teile von Elektrofahrzeugen in China produzieren, von den neuen Zöllen betroffen. Zu den größten von ihnen gehören das rumänische Unternehmen Dacia (das zur französischen Renault-Gruppe gehört) und BMW.

Den Ergebnissen der Kommissionsuntersuchung zufolge müssen sie mit einem zusätzlichen Importzoll von 21 Prozent rechnen. Der chinesische Marktführer für Elektrofahrzeuge BYD muss dagegen nur einen Zoll von 17,4 Prozent entrichten, da er während der Untersuchung ein geringeres Subventionsniveau nachweisen konnte.

Das chinesische Staatsunternehmen SAIC, ein Partner von Volkswagen, wird mit 38,1 Prozent den höchsten Zusatzzoll zahlen müssen. Nach der ersten Ankündigung am 12. Juni wiesen Kommissionsbeamte jedoch schnell darauf hin, dass das SAIC-Volkswagen-Gemeinschaftsunternehmen derzeit nicht direkt betroffen sei, da es nicht für den EU-Markt produziere.

Keine „Flut“ chinesischer E-Fahrzeuge

Der Verband, der Marken wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz sowie Automobilzulieferer wie Bosch, Continental und die ZF-Gruppe vertritt, wies ebenfalls darauf hin, dass die deutschen Exporte Schaden nehmen könnten.

„Momentan ist China der größte Abnehmer von Exporten deutscher Zulieferer“, so der Verband. Außerdem sei China nach den USA und dem Vereinigten Königreich das drittgrößte Ziel für deutsche Autoexporte.

„Chinesische Gegenmaßnahmen könnten die europäische Wirtschaft empfindlich treffen, insbesondere exportorientierte Branchen“, warnte der Verband.

Im September 2023 warnte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor einer „Überflutung“ der Weltmärkte durch chinesische Elektroautos. In Bezug darauf argumentierte der Verband, dass „keine ‚Überschwemmung‘ des Marktes durch chinesische BEVs [batterieelektrische Fahrzeuge] zu erwarten“ sei.

Im Gegenteil hätten „deutsche Hersteller […] im Jahr 2023 in China etwa zehnmal so viele E-Pkw verkauft wie chinesische Marken in Deutschland und etwa 100-mal so viele Pkw insgesamt“, so der Verband.

Auch langfristig werde sich der Marktanteil chinesischer Hersteller „im Bereich von fünf bis zehn Prozent einpendeln“, schrieb der VDA. Er bezog sich dabei auf Prognosen der Analystenfirma S&P Autoinsight für das Jahr 2030.

Im Gegensatz zur Industrie halten Experten des Berliner Think-Tanks Jacques Delors Centre die Zölle für „aus industriepolitischer und handelspolitischer Sicht gerechtfertigt.“ Sie stellten jedoch fest, dass sie „dem Klima eindeutig keinen Dienst erweisen.“

„Im Gegensatz zu den Handelsmaßnahmen, die kürzlich von Ländern wie den USA und Indien eingeführt wurden, zielen sie eindeutig darauf ab, nachgewiesene Subventionen auszugleichen, und sind wahrscheinlich nicht prohibitiv“, schrieben Arthur Leichthammer und Nils Redeker in einem am Montag (1. Juli) veröffentlichten Strategiepapier des Delors Centre.

„In vielen Fällen wären chinesische Unternehmen einfach in der Lage, die neuen Zölle in ihren Gewinnspannen zu absorbieren und weiterhin mit Gewinn in die EU zu exportieren“, so die beiden Autoren.

Die vorläufigen Zölle sollen am 4. Juli in Kraft treten. Die endgültige Entscheidung über die Ausgleichszölle wird jedoch erst im November getroffen. In der Zwischenzeit werden die Verhandlungen zwischen der EU und China fortgesetzt.

[Bearbeitet von Donagh Cagney/Zoran Radosavljevic/Kjeld Neubert]