Deutsche Ängste im Eurobarometer
Die Deutschen halten die EU für einen geeigneten Akteur im Kampf gegen die Krise, sind schärfer als andere Europäer für Maßnahmen gegen die Verursacher der Finanzkrise und haben größere Bedenken als andere Europäer gegen die EU-Erweiterung. Die Ergebnisse des Eurobarometers stellte die Europäische Kommission am Mittwoch in Berlin vor.
Die Deutschen halten die EU für einen geeigneten Akteur im Kampf gegen die Krise, sind schärfer als andere Europäer für Maßnahmen gegen die Verursacher der Finanzkrise und haben größere Bedenken als andere Europäer gegen die EU-Erweiterung. Die Ergebnisse des Eurobarometers stellte die Europäische Kommission am Mittwoch in Berlin vor.
Die drohende Arbeitslosigkeit treibt die Deutschen mehr um als früher. Für 55 Prozent ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt die Hauptsorge. Das sind fünf Prozent mehr als beim letzten Eurobarometer vor einem halben Jahr. 46 Prozent sehen die wirtschaftliche Lage als größte Herausforderung für Deutschland.
Wie Matthias Petschke, Vertreter der Europäischen Kommission in Deutschland, und Carsten Kluth, der Autor des Eurobarometers, in Berlin mitteilten, setzen die Deutschen zur Bewältigung der Krise auf internationale Zusammenarbeit. Dabei hat die Gruppe der G20 die höchste Glaubwürdigkeit. An zweiter Stelle folgt die EU als bester Akteur im Kampf gegen die Krise. Mit großem Abstand folgen die nationalen Regierungen, danach der Internationale Währungsfonds IWF. Die USA rangieren als Krisenlöser aus Sicht der Deutschen ganz unten.
Erwartungen für 2010
Insgesamt zeigt die Serie der halbjährlich erscheinenden Eurobarometer, dass die Deutschen „ganz langsam und ganz, ganz leicht wieder optimistischer werden“, was die persönliche Situation betrifft. Dennoch erwarten die Befragten mehrheitlich, dass sich Krise in den nächsten zwölf Monaten eher noch verschlechtern wird. Das absolute Stimmungstief vom Herbst 2008 sei aber überwunden, so Kluth.
Unterschiede in der Haltung der Deutschen im Vergleich zu den anderen Europäern lassen sich vor allem bei weiteren Beitritten zur EU ausmachen. Die Ost- und Südosteuropäer können sich generell eher als die Nord- und Westeuropäer eine Erweiterung vorstellen. Besonders zurückhaltend sind dabei die Deutschen.
Immer mehr Bereiche auf EU-Ebene
Seit vier Jahren beachten die Verfasser des Eurobarometers, dass immer Deutsche, aber auch immer mehr andere Europäer zunehmend Entscheidungen auf die europäische Ebene verlagert sehen wollen. Das gilt aber nicht für alle Bereiche.
So sind die Terrorismusbekämpfung und der Umweltschutz, aber auch Forschung und Unterstützung der Regionen Themen, die man bei der EU gut aufgehoben sieht. Umgekehrt sind Rentenpolitik, Arbeitsmarktpolitik, Sozialpolitik, Steuerpolitik und Bildungspolitik jene Bereiche, die die Deutschen lieber in nationaler Verantwortung sehen.
Maßnahmen gegen Finanzmarktakteure
Sehr streng sind die Deutschen gegenüber den Verursachern der Wirtschaftskrise. Sie plädieren erstens dafür, dass die europäische Aufsicht der Finanzmärkte unabdingbar gestärkt wird, zweitens dass die Akteure zur Rechenschaft gezogen werden, und drittens wünschen sich die Deutschen, dass sie mehr von der Materie verstehen.
Zur Bekämpfung der Krise erwarten die Deutschen außerdem mehr Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen und von mehr Investitionen in Bildung, Ausbildung und Forschung. Allerdings halten sie nichts von einer Unterstützung von großen Unternehmen.
Diskrepanz in der Agrarpolitik
Petschke hob als Diskrepanz hervor, dass in Diskussionen häufig die Re-Nationalisierung und Regionalisierung der EU-Landwirtschaftspolitik gefordert werde, wogegen sich im Eurobarometer eine Mehrheit dafür ausspricht, dass der Agrarbereich „überwiegend auf der europäischen Ebene angepackt wird“.
Insgesamt glauben die Deutschen, dass sich die EU auf dem richtigen Weg befinde und die Mitgliedschaft der Bundesrepublik in der EU eine gute Sache sei. 83 Prozent der Befragten in Deutschland bzw. 75 Prozent der Befragten im Europadurchschnitt sind überzeugt, dass die EU unverzichtbar sei, um den globalen Aufgaben wie Klimawandel oder Bekämpfung des internationalen Terrorismus gerecht zu werden.
Befragt wurden mehr als 1.500 Personen (davon rund 1000 West- und 500 Ostdeutsche) zwischen 23. Oktober und 18. November 2009.
ekö
Links / Download
Kommission: Deutsche setzen auf Bildung und Forschung gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise (27. Januar 2010)
Eurobarometer: Eurobarometer 72 (Herbst 2009) – Zusammenfassung der Hauptergebnisse im Nationalen Bericht Deutschland
Eurobarometer: Eurobarometer 72 (Herbst 2009) – Nationaler Bericht Deutschland