Der US-Handelskrieg und seine ersten Kollateralschäden
Harley-Davidson angekündigt, einen Teil seiner Produktion aus den USA zu verlagern, um EU-Zölle zu vermeiden. Die europäischen Verbraucherorganisationen warnten derweil erneut vor negativen Auswirkungen auf die Verbraucher.
Der Motorradhersteller Harley-Davidson hat gestern angekündigt, einen Teil seiner Produktion aus den USA zu verlagern, um EU-Zölle zu vermeiden. Diesem Schritt könnten weitere US-Firmen folgen. Die europäischen Verbraucherorganisationen und Importeure sahen sich vor diesem Hintergrund veranlasst, erneut vor negativen Auswirkungen auf die Verbraucher zu warnen.
Am Donnerstag vergangener Woche waren Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Erzeugnisse als Reaktion auf die neuen US-Zölle auf europäische Stahl- und Aluminiumexporte in Kraft getreten.
„Zölle sind grundsätzlich schlecht für Konsumenten: Während die Verbraucher nicht zwangsläufig davon profitieren, wenn Zölle gesenkt werden, haben sie garantiert nichts zu gewinnen, wenn die Zölle steigen,“ so Johannes Kleis, Kommunikationschef der Europäischen Verbraucherorganisation BEUC gegenüber EURACTIV.
BEUC begrüße daher den Ansatz der EU, ein Schlichtungsverfahren vor der WTO einzuleiten. Ferner forderte die Organisation die EU-Kommission auf, die Auswirkungen der Maßnahmen auf die Preise und die Produktauswahl für die europäischen Verbraucher genauestens zu überwachen.
„Die Verbraucher sollten keine Kollateralschäden dieser Situation tragen müssen, in der die USA Zölle einsetzen, um Zugeständnisse ihrer Handelspartner zu erzwingen,“ betonte Kleis.
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EuroCommerce, ein Verband, der Einzel- und Großhändler in Europa vertritt, teilte mit, man unterstütze die Entscheidung der Kommission, Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen. Dies sei „das Beste, was man tun kann“. Der Verband erinnerte daran, dass die US-Zölle gegen WTO-Bestimmungen verstoßen.
„Die Entscheidung der Europäischen Kommission, Zölle auf US-Produkte zu erheben, hatte bisher zwar keine unmittelbaren Auswirkungen auf uns, aber wir sind gegen eine Eskalation, die zu einem Handelskrieg führen könnte,“ betonte Neil McMillan, Direktor für Politik und Handel von EuroCommerce, gegenüber EURACTIV.
Denn: „Wenn es einen Handelskrieg gibt, müssen alle für alles mehr bezahlen“, warnte McMillan.
Schadensbegrenzung
Harley-Davidson ist nicht das einzige amerikanische Unternehmen, das direkt von den EU-Maßnahmen betroffen ist. So gehören beispielsweise auch Jeans zu den anvisierten Produkten. Das könnte sich beispielsweise auf Levi Strauss & Co. auswirken: Das Unternehmen prüft derzeit, welchen Einfluss die Zölle auf das Geschäft in Europa haben werden.
„Während wir nicht spekulieren können und wollen, was dies für zukünftige Preise bedeutet, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass diese Zölle nur für in den USA hergestellte Waren gelten. Das Volumen der in den USA hergestellten Produkte, die LS&Co. in die EU importiert, ist sehr gering,“ erklärte ein Sprecher von Levi’s.
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Auch Bourbon-Whiskey steht auf der Liste der Artikel, die von den 25-prozentigen Importzöllen betroffen sind. Anfang Juni sagte Jean Morreau, Finanzvorstand von Jack Daniels, es sei „verfrüht, sich zu den möglichen Auswirkungen zu äußern“.
Damals versicherte er: „Wir haben die Situation unter Kontrolle und in den letzten Monaten Maßnahmen ergriffen, um Risiken zu minimieren. Zum Beispiel wurden unsere Lagerbestände in Märkten außerhalb der USA, in denen wir unsere eigenen Vertriebswege besitzen, erhöht.“
Das Unternehmen erwirtschaftet in Europa gut ein Viertel seines Umsatzes.