Der seltsame Fall des Michael O'Leary

Vor dem irischen Referendum zum Lissabon-Vertrag sorgt Ryanair-Chef Michael O'Leary für Aufregung. Der schillerndste Geschäftsmann Irlands unterstützt diesmal die "Ja"-Kampgane. Dabei bringt er EU-Kommissar Antonio Tajani in Turbulenzen. In einer Ryanair-Maschine bereisten die beiden Irland. Über den Wolken könnte es auch um Geschäftsinteressen gegangen sein, sagen Kritiker.

Ryanair-Chef O’Leary liebt es, sich in Szene zu setzen. Das deutsche Publikum überraschte er einst mit der These, Ryanair könne Lufthansa übernehmen. Foto: dpa.
Ryanair-Chef O'Leary liebt es, sich in Szene zu setzen. Das deutsche Publikum überraschte er einst mit der These, Ryanair könne Lufthansa übernehmen. Foto: dpa.

Vor dem irischen Referendum zum Lissabon-Vertrag sorgt Ryanair-Chef Michael O’Leary für Aufregung. Der schillerndste Geschäftsmann Irlands unterstützt diesmal die „Ja“-Kampgane. Dabei bringt er EU-Kommissar Antonio Tajani in Turbulenzen. In einer Ryanair-Maschine bereisten die beiden Irland. Über den Wolken könnte es auch um Geschäftsinteressen gegangen sein, sagen Kritiker.

Ryanair-Chef Michael O’Leary hebt mal wieder ab. Diesmal tourt er mit einem Flugzeug durch Irland, um seine Landsleute beim zweiten Referendum für ein "Ja" zum Lissabon-Vertrag zu überzeugen. Einige von ihnen werden sich wundern, denn noch im Oktober 2008 sprach sich O’Leary deutlich gegen eine nochmalige Abstimmung aus. Gewohnt schrill formulierte O’Leary damals: "Nur (…) Irland und Zimbabwe werden zwei mal zum Wählen gezwungen." Das irische Nein zu Lissabon solle respektiert werden, dies sei die "einzige demokratische" Reaktion. Ein knappes Jahr später prangt an O’Learys Pro-Lissabon-Kampagnen-Flugzeug der riesige Slogan "Yes to Europe". 500.000 Euro hat O’Leary spendiert, um Überzeugungsarbeit zu leisten.

Um eine Erklärung für seinen Sinneswandel ist O’Leary nicht verlegen: "Ohne Europa und den Euro würde die irische Wirtschaft von inkompetenten Politikern, unserem unfähigen Beamtenapparat und gierigen Gewerkschaftsbossen verwaltet." 

Spendabler Geizkragen

Allerdings kaufen nicht alle Beobachter O’Leary ab, einfach ein spendabler Pro-Europäer zu sein, und unterstellen ihm Eigennutz. Denn der findige Geschäftsmann sucht im Rahmen seiner Kampagne die Nähe zur EU-Kommission. Mit an Bord des Pro-Lissabon-Ryanair-Jets saß auch EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani. Die Brisanz: Normalerweise liegen O’Leary und die EU-Kommission im Clinch. 

Im Juni 2007 blockierte die Kommission O’Learys Pläne, seinen größten Rivalen Aerlingus zu übernehmen (Siehe EURACTIV vom 28. Juni 2007). Im August vergangenen Jahres ließ die Kommission prüfen, ob RyanAir illegalen Geschäftspraktiken nachging. Die Billig-Airline hatte Flugtickets nicht anerkannt, die über Drittanbieter im Internet erworben wurden.

O’Learys Welt

Generell ist O’Leary der erfindungsreiche Schreck von Europas Verbraucherschützern. Vergangenes Jahr plante er eine Nutzungsgebühr für Flugzeugtoiletten, einen Ticket-Aufpreis für Übergewichtige (auch "Fat Tax" genannt) und die Einführung von platzsparenden Hockern in seinen Maschinen. "Wenn das die Preise drücken kann, machen wir es", so das Motto des Iren.

Dass O’Leary nichts davon hält, dass Fluggesellschaften in der EU für ihre CO2-Emmissionen zur Kasse gebeten werden, versteht sich da von selbst. Als die Konkurrenten Easy Jet und British Airways sich offen für diese Idee zeigten, bezeichnete O’Leary sie als "Idioten".

Männerfreundschaft über den Wolken

Nun scheint O’Leary während seiner Pro-Lissabon-Kampagne einen Freund gefunden zu haben. Gegenüber der Irish Indenpendent bezeichnete der italienische EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani den Ryanair-Chef als "keltischen Krieger"und sich selbst als "römischen Soldaten". Die jüngsten Querelen um die Aerlingus-Übernahme scheinen vergessen. 

Lobby-Interessen von Ryanair sollen bei der Werbekampagne für den Lissabon-Vertrag natürlich keine Rolle gespielt haben, betonen alle Beteiligten. Lobby-Experten sind trotzdem entsetzt. "Kommissar Tajani ließ sich von einer Airline einladen, die zahlreiche Konflikte mit der Europäischen Kommission hatte und weiterhin hat", analysiert Erik Wesselius von der NGO Corporate Europe Observatory. Selbst wenn man sich bei der Reise nicht über Geschäftsbelange von Ryanair unterhalten habe, werde O’Leary sicherlich mit einer Gegenleistung rechnen können, so Wesselius.

Der linke irische Europaparlamentarier und Lissabon-Gegner Joe Higgins forderte Kommissionspräsident Barroso sogar auf, Tajani für den gemeinsamen Trip mit O’Leary zu entlassen. Bislang blieb der römische Soldat aber im Amt.

Luisa Jacobs