Der Himmel über Griechenland ... bleibt leer

Ab heute Nacht startet oder landet kein einziges Flugzeug mehr in Griechenland. Griechische Beamte wehren sich mit landesweiten Streiks gegen den harten Sparkurs. Unterdessen fordert der neue Chefvolkswirt der Deutschen Bank EU-Hilfen für Athen. Ansonsten drohe der Euro zur Weichwährung zu werden.

Die griechische Präsidentengarde gehört zu den wenigen Berufsgruppen, die in Griechenland noch nicht in den Streik treten. Foto: dpa.
Die griechische Präsidentengarde gehört zu den wenigen Berufsgruppen, die in Griechenland noch nicht in den Streik treten. Foto: dpa.

Ab heute Nacht startet oder landet kein einziges Flugzeug mehr in Griechenland. Griechische Beamte wehren sich mit landesweiten Streiks gegen den harten Sparkurs. Unterdessen fordert der neue Chefvolkswirt der Deutschen Bank EU-Hilfen für Athen. Ansonsten drohe der Euro zur Weichwährung zu werden.

Nichts geht mehr im Luftraum über Griechenland: Wegen eines Streiks der Staatsbediensteten sind sämtliche Flüge an diesem Mittwoch von und nach Griechenland gestrichen. Das teilten die wichtigsten Fluglinien am Dienstagmorgen mit. Der griechische Luftraum werde ab Dienstagmitternacht Ortszeit (23.00 MEZ) für 24 Stunden geschlossen bleiben. Geschlossen werden am Mittwoch den ganzen Tag über alle staatlichen Behörden sowie die Schulen und die Universitäten bleiben. Die Ärzte in öffentlichen Krankenhäusern werden nur Notfälle behandeln.

Die Staatsbediensteten in Griechenland machen mobil gegen ein hartes Sparprogramm der sozialistischen Regierung in Athen, das unter anderem auch einen Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst und Gehaltskürzungen für Beamte bis zu 20 Prozent vorsieht. Griechenland ist der Schuldensünder der Europäischen Union. Die sozialistische Regierung will das Defizit von fast 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2012 unter die erlaubte Marke von drei Prozent drücken. Die EU-Kommission hat die griechischen Staatsfinanzen unter ihre Aufsicht gestellt (Siehe EURACTIV.de vom 1. Februar 2010). 

Volkswirt warnt vor Weichwährung

Der neue Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, hat sich wegen der Euro-Schwäche für EU-Finanzhilfen für Griechenland ausgesprochen. "Die EU muss jetzt alles unternehmen, um Griechenland und den Euro zu stabilisieren", sagte er der "Bild"-Zeitung (Dienstag). Zu einer Gefahr werde das Problem erst, wenn die möglichen EU-Hilfen auch für andere Länder Schule machten. "Dann droht der Euro zu einer Weichwährung zu werden." Mayer forderte strenge Vorgaben für EU-Hilfen: "Einen zeitlich begrenzten Überbrückungskredit der EU darf es nur geben, wenn dieser an klare Regeln gekoppelt ist. Die Griechen müssen eisenhart sparen und zwar für alle überprüfbar."

Hilfen für Griechenland müssten der Einzelfall bleiben, sonst drohe der Währungsunion "eine ernste Krise", so Mayer weiter. "Es wäre ein fatales Signal, wenn am Ende immer der Steuerzahler aushilft. Dann müsste sich kein Land mehr beim Sparen anstrengen. Und dass brutales Sparen hilft, beweist derzeit Irland." Wenn die Griechen mit Hilfe der EU dem irischen Modell folgten, sei er zuversichtlich für den Euro.

Martin Knapp
, Geschäftsführer der Deutsch-Griechischen Handelskammer in Athen, sieht die Ursachen der griechischen Krise fast ausschließlich im staatlichen Sektor. Die griechische Wirtschaft verfüge über einen gesunden Kern, bestehend aus mittelständischen Unternehmen, so Knapp im Interview mit dem Deutschlandfunk.