Der Angriff auf den Donbass hat begonnen
Russland hat eine Großoffensive in der Ostukraine gestartet, so die Behörden in Kyjiw, und damit eine neue Phase seiner Invasion eingeleitet. Zuvor waren Bemühungen, die ukrainische Hauptstadt einzunehmen, vereitelt worden.
Russland hat eine Großoffensive in der Ostukraine gestartet, so die Behörden in Kyjiw, und damit eine neue Phase seiner Invasion eingeleitet. Zuvor waren Bemühungen, die ukrainische Hauptstadt einzunehmen, vereitelt worden.
Die Vereinigten Staaten wollen am Dienstag ein Videotreffen mit Verbündeten abhalten, um die neue Wendung im Ukraine-Krieg zu besprechen. Moskaus Militärkampagne soll sich jetzt auf die östliche Region Donbass konzentrieren, die seit 2014 teilweise von kremltreuen Separatisten kontrolliert wird.
„Wir können jetzt bestätigen, dass die russischen Truppen die Schlacht um den Donbas begonnen haben, die sie seit langem vorbereiten“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am späten Montagabend auf Telegram.
„Egal wie viele russische Soldaten hierher gebracht werden, wir werden kämpfen. Wir werden uns verteidigen.“
Im Vorfeld des weithin erwarteten Vormarsches hatten die ukrainischen Behörden die Menschen im Donbas aufgefordert, nach Westen zu fliehen.
„Die zweite Phase des Krieges hat begonnen“, sagte der Stabschef des ukrainischen Präsidenten, Andriy Yermak. Die Kontrolle über den Donbas würde es Moskau ermöglichen, einen südlichen Korridor zur 2014 besetzten Krim zu schaffen.
Im Süden der Region setzte Russland seinen Vorstoß zur Einnahme der belagerten Hafenstadt Mariupol fort, in der die letzten ukrainischen Streitkräfte eine letzte Stellung bezogen haben.
Trotz der verzweifelten Lage in der Stadt erklärte ein hochrangiger Beamter des US-Verteidigungsministeriums, Mariupol sei „immer noch umkämpft.“ Ein Großteil der verbleibenden Streitkräfte der Stadt soll sich im mehrere Kilometer großen Komplex der Azovstal-Werke verstecken.
Während die Bundesregierung der Ukraine ein “Taschengeld” von einer Milliarde Euros zum Einkauf von Rüstungsgütern zur Verfügung stellen will, sind am Montag bereits die ersten Lieferungen des neuesten US-Militärhilfspakets eingetroffen.
“48 Stunden. Von der Genehmigung durch den Präsidenten am 13. April bis zum Abflug der ersten Sendungen am 15. April“, kommentierte ein Pentagon-Sprecher die Geschwindigkeit der Hilfe.
“Das ist die Geschwindigkeit, mit der wir die Ukrainer mit dem Material ausstatten, das sie zur Verteidigung ihres Landes benötigen.”
Die Vereinigten Staaten hatten am 13. April eine Tranche von Ausrüstungsgegenständen im Wert von 800 Millionen Dollar für die Ukraine bereitgestellt. Dazu zählten “schwere Waffen” wie Hubschrauber, Haubitzen und gepanzerte Mannschaftstransporter.
Russland hatte währenddessen seine Streitkräfte in der Ostukraine um 11 Bataillone taktischer Gruppen erweitert, die unter anderem aus Artillerie, Hubschraubern und logistischer Unterstützung bestehen.
Die Gesamtzahl der Truppen in der Ostukraine soll nun 76 der sogenannten taktischen Kampfeinheiten (“Battalion tactical group”) betragen, was geschätzt ungefähr 120.000 Personen bedeutet, so der Militärexperte Carlo Masala.
EU-Beitritt schreitet voran
Bei ihrem Besuch in Kyjiw hatte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dem ukrainischen Präsidenten einen Fragebogen mit mehr als 2000 Fragen überreicht, der die EU-Tauglichkeit des Landes prüfen soll.
Die ukrainische Seite hat den Fragebogen in Rekordzeit beantwortet. “Ein weiterer Schritt auf dem Weg der Ukraine in die EU,” kommentierte der EU-Botschafter in Kyjiw.
Es sei ihm “eine Ehre“, den Fragebogen nach nur 10 Tagen zurückzuerhalten, denn “außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Schritte und außergewöhnliche Geschwindigkeit.”
Allerdings kann es durchaus vorkommen, dass Fragebogen als ungenügend an Regierungen zurückgeschickt werden.
Gemäß “Erfahrungen mit anderen Ländern, die dieses Verfahren durchlaufen haben, ist es nicht ungewöhnlich, dass ein weiterer Austausch und Nachfragen erfolgen, bis alle vom Bewerberland erhaltenen Informationen als zufriedenstellend angesehen werden”, so die Kommission.