Datenschutz - EU-Kommission kritisiert Sony und Apple
Nach den Datenschutzpannen bei Sony und Apple kommt Kritik von der EU-Kommission. "Firmen nehmen den Schutz personenbezogener Daten nicht ernst genugt", sagt EU-Justizkommissarin Viviane Reding im Interview mit EURACTIV.
Nach den Datenschutzpannen bei Sony und Apple kommt Kritik von der EU-Kommission. „Firmen nehmen den Schutz personenbezogener Daten nicht ernst genugt“, sagt EU-Justizkommissarin Viviane Reding im Interview mit EURACTIV.
"Was in den letzten Wochen passiert ist, zeigt nur, dass die Dinge nicht in die richtige Richtung laufen. Der Schutz von persönlichen Daten funktioniert nicht richtig", so Viviane Reding.
Beim japanischen Konzern Sony waren jüngst persönliche Daten wie Namen, Adressen, Emails und Telefonnummern von Nutzern der Spielekonsole PlayStation gestohlen worden. Insgesamt sind mehr als 100 Millionen Kunden von den Hackerangriffen auf die Systeme des Elektronikriesen betroffen.
Der US-Computerkonzern Apple räumte kürzlich ein, dass seine Mobiltelefone Ortsdaten der Kunden erfassen und diese unverschlüsselt auf das zugehörige Computersystem iTunes übertragen.
Reform der EU-Datenschutzregeln
Diese Entwicklungen würden Reding zufolge verdeutlichen, dass EU-Regeln zum Datenschutz gestärkt werden müssen. "Angesichts der jüngsten Ereignisse ist es nicht überraschend, dass das Vertrauen der Verbraucher in unsere Informationsgesellschaft erodiert ist. Um dieses Vertrauen wiederherzustellen, arbeite ich derzeit an der Reform unserer EU-Datenschutzregeln", so Reding.
Die Justizkommissarin kritisierte die Intransparenz von Firmen, wenn es um die Offenlegung der Nutzung der privaten Daten ihrer Kunden geht. "Firmen nehmen den Schutz von persönlichen Daten nicht ernst genug", so Reding.
"Oft tun sie Dinge, die den Menschen nicht einmal bewusst sind: ein GPS-Hersteller verkauft Informationen an Dritte oder Millionen von Apple-Produkten speichern Ortsdaten ohne die Nutzer um Erlaubnis zu fragen."
Neue und strengere Regeln
Die luxemburgische Kommissarin erklärte gegenüber EURACTIV, dass neue und strengere Regeln Firmen dazu zwingen sollen, Kunden darüber zu informieren, wenn unrechtmäßig auf ihre Daten zugegriffen wurde.
Solche Regeln sollen auch für nicht-europäische Firmen gelten, die ihre Daten in großen Rechenzentren für sogenannte "Cloud-Computing"-Dienste speichern. "Wo auch immer Sie Informationen speichern, sei es auch in der Cloud: es gilt europäisches Recht, wenn Daten von Personen, die in der EU leben, betroffen sind", sagte Reding.
EURACTIV.com
Das vollständige Interview (auf Englisch) finden Sie hier.
Links
EURACTIV: Reding warns Sony, Apple over data protection (10. Mai 2011)
Mehr zum Thema auf EURACTIV.de
"Es geht nicht nur um Microsoft oder Apple" (25. Juni 2010)