Dagmar Roth-Behrendt für verbindliche Frauenquote

Dagmar Roth-Behrendt (SPD) plädiert für verpflichtende Frauenquoten für alle Führungspositionen. Das erklärte die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments bei einer Veranstaltung in Berlin. Die Gleichstellung von Mann und Frau steht anlässlich des 100. Jahrestages des Internationalen Frauentages morgen auch im Plenum des EU-Parlaments auf der Agenda.

Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Dagmar Roth-Behrendt, fordert ein EU-Gesetz für verbindliche Frauenquoten in Führungspositionen. Foto: EP
Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Dagmar Roth-Behrendt, fordert ein EU-Gesetz für verbindliche Frauenquoten in Führungspositionen. Foto: EP

Dagmar Roth-Behrendt (SPD) plädiert für verpflichtende Frauenquoten für alle Führungspositionen. Das erklärte die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments bei einer Veranstaltung in Berlin. Die Gleichstellung von Mann und Frau steht anlässlich des 100. Jahrestages des Internationalen Frauentages morgen auch im Plenum des EU-Parlaments auf der Agenda.

Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Dagmar Roth-Behrendt, hat sich für verpflichtende Frauenquoten ausgesprochen. Diese sollten nicht nur in den Vorständen gelten, sondern in allen Führungsebenen. Das erklärte Roth-Behrendt bei einer Veranstaltung zum 100. Jahrestag des Internationalen Frauentages in Berlin.

Die Gleichstellung von Frau und Mann dürfe keine Empfehlung bleiben, sondern müsse verpflichtend durchgesetzt werden, sagte Roth-Behrendt gegenüber EURACTIV.de.

Selbstverpflichtung oder EU-Gesetz

Die Justizkommissarin Viviane Reding hatte Ende Januar erklärt, dass der Frauenanteil in Aufsichtsräten bis 2015 auf 30 Prozent steigen solle. Reding setzt dabei zunächst auf eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft. "Ich glaube, dass Selbstverpflichtungen schon etwas ändern könnten, wenn sie glaubwürdig sind und in ganz Europa Wirkung zeigen. Ich werde das Thema in einem Jahr noch einmal aufgreifen. Wenn die Selbstverpflichtungen wirkungslos sind, werde ich weitere Maßnahmen auf EU-Ebene ergreifen", sagte Reding am 1. März.

Roth-Behrendt forderte am 3. März verbindliche Quoten, die per EU-Gesetz festgelegt werden sollten. Eine verbindliche Frauenquote von 15 Prozent für das kommende Jahr sei besser als eine ungewisse Vorgabe von 30 Prozent für das Jahr 2015.

Der Frauenanteil in den Vorständen der größten börsennotierten Unternehmen in der EU liegt derzeit bei zwölf Prozent und lediglich drei Prozent der Vorstandsvorsitzenden sind Frauen, heißt es in dem neuen Bericht über das Geschlechtergleichgewicht in Führungspositionen (Gender Balance in Business Leadership). Europaweit ist die Beteiligung der Frauen sehr unterschiedlich. Während in Schweden und Finnland etwa 26 Prozent der Vorstandsmitglieder Frauen sind, liegt der Frauenanteil in Malta bei zwei Prozent.

Debatte um Gleichstellung

Roth-Behrendt verwies auf Frankreich und Spanien, wo es bereits Frauenmindestquoten für Unternehmensvorstände gebe. Allerdings trauten sich bisher "längst nicht alle Frauen in den Chefetagen, auch Frauen zu fördern", so Roth-Behrendt. Das müsse sich ändern.

Mit Blick auf den 100. Jahrestag erklärte Roth-Behrendt, dass es beim Internationalen Frauentag nicht nur darum gehe, Blumen zu verschenken. Vielmehr stehe die gesellschaftliche Debatte um die Gleichstellung im Mittelpunkt. Bei den meisten Menschen in Deutschland sei das allerdings weniger im Bewusstsein verankert, als etwa bei den Menschen in Frankreich, Litauen oder Spanien.

Gleichstellung von Frauen und Männern

Am 8. März wird das Europäische Parlament über den Jahresbericht 2010 zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der EU abstimmen. Außerdem soll in Straßburg über die Frauenarmut diskutiert werden. Mariya Nedelcheva (EVP, Bulgarien) hat dazu einen Entschließungsentwurf vorbereitet. Darin werden mehr Lohngerechtigkeit, ein höherer Frauenanteil in Entscheidungspositionen und eine höhere Beschäftigungsquote der Frauen gefordert. Die Gleichstellung solle dabei durch verbindliche Vorgaben erreicht werden.

Frauenarmut in Europa

Der Entschließungsentwurf von Rovana Plump (S&D, Rumänien) widmet sich der Frauenarmut in Europa, die derzeit bei 17 Prozent liegt. Die EU-Abgeordneten fordern "die Mitgliedstaaten auf, bei ihrer Beschäftigungspolitik und spezifischen Maßnahmen das Gender Mainstreaming zu berücksichtigen, um den Zugang zur Beschäftigung zu verbessern, die Überrepräsentierung von Frauen in prekären Beschäftigungsverhältnissen zu verhindern, eine dauerhafte Beteiligung von Frauen am Erwerbsleben zu steigern und die Karrieremöglichkeiten der Frauen zu fördern sowie die Segregation des Arbeitsmarktes nach Geschlechtern durch die Beseitigung der direkten und indirekten Ursachen abzubauen".

Initiativen im Bundestag zur Gleichstellung

Der Deutsche Bundestag hatte bereits am 24. Februar 2011 anlässlich des 100. Jahrestages des Internationalen Frauentags über die Gleichstellung von Mann und Frau debattiert. In dem angenommen Antrag der Regierungsfraktionen (Drucksache 17/4860) fordert der Bundestag die Regierung auf, "sich für eine deutliche Erhöhung von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst einzusetzen und dazu einen Stufenplan insbesondere zur Erhöhung des Anteils von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten vorzulegen". Der Stufenplan der Regierungsfraktionen verzichtet in einer ersten Stufe auf verbindliche Quoten, sondern setzt auf "verbindliche Berichtspflichten und transparente Selbstverpflichtungen".

mtr

Links


EP Berlin:
100 Jahre Kampf für Gleichberechtigung (4. März 2011)

Kommission: EU-Justizkommissarin Viviane Reding drängt auf höheren Frauenanteil in den Vorstandsetagen europäischer Unternehmen (1. März 2011)

Kommission:
Strategie für die Gleichstellung von Frauen und Männern 2010-2015 (21. September 2010)

Kommission: Website mit Informationen zur ausgewogenen Mitwirkung von Frauen und Männern an Entscheidungsprozessen