COVID-19: Deutschland will WHO-Empfehlung zu Remdesivir nicht folgen

Deutschland hat beschlossen, einer kürzlich ergangenen Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegen den Einsatz von Remdesivir nicht zu folgen. Das Medikament hatte sich bei der Behandlung einiger COVID-19-Symptome als wirksam erwiesen und war in Europa im Juli zugelassen worden.

EURACTIV.com
Remdesivir
Das ursprünglich als Medikament gegen Ebola entwickelte Remdesivir hatte sich bei der Behandlung einiger COVID-19-Symptome als wirksam erwiesen und war in Europa im Juli zugelassen worden. [Tobias Arhelger / Shutterstock.com]

Deutschland hat beschlossen, einer kürzlich ergangenen Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegen den Einsatz von Remdesivir nicht zu folgen. Das Medikament hatte sich bei der Behandlung einiger COVID-19-Symptome als wirksam erwiesen und war in Europa im Juli zugelassen worden.

Am 20. November gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Empfehlung gegen den Einsatz von Remdesivir bei Krankenhauspatienten heraus. Diese gelte unabhängig vom Schweregrad der Erkrankung, da es derzeit keinen Beweis dafür gebe, dass Remdesivir die Überlebenschancen und andere Behandlungsergebnisse bei derartigen Patientinnen und Patienten verbessert.

Die Europäische Kommission hatte zuvor bereits einen Vertrag mit dem Pharmaunternehmen Gilead über den Kauf von 500.000 Remdesivir-Dosen unterzeichnet.

Remdesivir ist derzeit die einzige zugelassene Behandlungsmethode gegen COVID-19-Symptome. Auch zur Behandlung von US-Präsident Donald Trump wurde es kürzlich eingesetzt.

In Berlin scheint man von der Empfehlung der WHO allerdings nicht überzeugt zu sein.

„Die WHO-Studie ist vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) sorgfältig geprüft worden. Beide Institutionen kommen zu dem Schluss, dass Remdesivir weiterhin zugelassen bleibt. Nur für bestimmte Patienten zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erkrankung habe das Medikament eine lindernde Wirkung,“ teilte das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage von EURACTIV.de mit.

Weiter hieß es in der Stellungnahme: “Die Europäische Kommission hatte für Remdesivir am 3. Juli 2020 eine bedingte Zulassung erteilt: Für die Behandlung von COVID-19 bei Erwachsenen und Jugendlichen im Alter von mindestens 12 Jahren und mit einem Körpergewicht von mindestens 40 kg, mit einer Lungenentzündung, die eine zusätzliche Sauerstoffzufuhr erfordert.“

Professor Uwe Janssens vom St. Antonius-Hospital in Eschweiler erklärte, der Testprozess der WHO sei zwar nicht per Peer-Review begutachtet worden, aber auf einen Server hochgeladen worden – „was uns jetzt die Möglichkeit gibt, einen kritischen Blick darauf zu werfen“.

Ähnliche Position in Kanada

In der Zwischenzeit traf Health Canada, das Ministerium für Gesundheitspolitik der kanadischen Bundesregierung, eine ähnliche Entscheidung wie Berlin, nachdem es die Empfehlungen der WHO geprüft hatte.

„Wir nehmen derzeit keine unmittelbaren Änderungen am Status von Remdesivir in Kanada vor. Remdesivir wird weiterhin als Behandlungsoption für Menschen mit schwerem COVID-19-Krankheitsverlauf zur Verfügung stehen,“ so Health Canada in einer Erklärung.

Die Behörde weiter: „Unsere Position ist die gleiche wie die anderer wichtiger internationaler Regulierungsbehörden, darunter der Europäischen Arzneimittelagentur und der U.S. Food and Drug Administration.“

[Bearbeitet von Tim Steins]