CO2-Abscheidung und -speicherung: Gemischte Reaktionen auf Vorschläge [DE]

Vergangene Woche hat die Kommission ihr Klima- und Energiepaket vorgelegt. Dieses enthält unter anderem neue Vorschläge für Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS), wie beispielsweise eine Klärung der Regelungen für staatliche Beihilfe und die Aufnahme dieser Technologie in das EU-Kohlenstoffhandelssystem. Es bleiben jedoch Zweifel bestehen, ob diese teure Technologie effektiv zur Senkung der CO2-Emissionen der Union beitragen kann.

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Vergangene Woche hat die Kommission ihr Klima- und Energiepaket vorgelegt. Dieses enthält unter anderem neue Vorschläge für Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS), wie beispielsweise eine Klärung der Regelungen für staatliche Beihilfe und die Aufnahme dieser Technologie in das EU-Kohlenstoffhandelssystem. Es bleiben jedoch Zweifel bestehen, ob diese teure Technologie effektiv zur Senkung der CO2-Emissionen der Union beitragen kann.

  • Förderung der CCS

Die Vorschläge der Kommission vom 23. Januar 2008 unterstützen die CCS-Technologie, indem sie eine Reihe von Hindernissen beseitigen, die bisher die Entwicklung dieser Technologie behindert haben.

Zunächst wurden die Leitlinien dafür, wann Mitgliedstaaten Industrien subventionieren dürfen, erweitert, um  eine mögliche Nutzung der CCS zu gewähren. Auch wenn die Kommission sagt, es sei zu früh, um spezifische Leitlinien für die Unterstützung der CCS festzulegen, wird Brüssel gegenüber der staatlichen Beihilfen für CCS-Projekte eine positive Haltung annehmen. Es wird erwartet, dass die überarbeiteten Leitlinien Mitte Februar 2008 in Kraft treten.

Zweitens wird das CO2, das abgeschieden und eingelagert wird, unter dem EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) als „nicht ausgestoßen“ gewertet werden. Dies ist eine Bestimmung, die viele Unternehmen als entscheidend erachten, um die notwendigen Investitionen zu rechtfertigen.

Der Vorschlagsentwurf schreibt ebenfalls vor, dass die bestehenden EU-Regelungen für die Verschmutzung durch große Industrieanlagen aktualisiert werden sollten. Ziel ist es, dass alle Großfeuerungsanlagen, die ihre ursprünglichen Bau- und Betriebsgenehmigungen nach Inkrafttreten der CCS-Richtlinie erhalten haben, auf ihrem Gelände ausreichend Platz für die notwendige Ausstattung für die Abscheidung und Verdichtung des CO2  bereitstellen.

CCS ist ebenfalls eine der sechs Technologien, die die Kommission in ihrem Strategieplan für Energietechnologie (SET) unterstützt (EURACTIV vom 23. November 2007).

  • CO2-Berechnungen 

Ein Bestandteil der Unstimmigkeiten um die CCS-Technologie ist, ob sie eine rentable Lösung für die Senkung der CO2-Emissionen darstellt. Die Kommission räumt ein, dass CCS nur dann zum Einsatz kommen würde, wenn der Preis pro Tonne CO2 niedriger sei als der Kohlenstoffpreis.

Das McKinsey Global Institute (MGI) geht davon aus, dass nach 2020 85% aller neuen kohlebefeuerten Kraftwerke mit der CCS-Technologie ausgestattet sein würden. Dies würde zu einer Senkung der CO2-Emissionen um etwa 20 bis 30 Euro pro eingesparte Tonne CO2 führen. Schenkt man diesem Szenario glauben, könnten durch CCS weltweit jährlich 3,1 Gigtonnen CO2 eingespart werden.

Der derzeitige Preis für CO2 unter dem Emissionshandelssystem liegt bei 25 Euro pro Tonne. Es wird jedoch weithin erwartet, dass er steigen wird. Dies ist ein Zeichen dafür, dass CCS in den kommenden Jahrzehnten sich als rentabel erweisen könnte.

In ihrer eigenen Folgenabschätzung schätzt die Kommission, dass bis 2030 bis zu 15%, oder 160 Millionen Tonnen, der notwendigen CO2-Reduktionen der EU auf CCS zurückzuführen sind.

  • Leicht zu erreichende Erfolge

Verbesserungen im Bereich Energieeffizienz im Gebäude- und Verkehrssektor – die aufgrund der Energiekosteneinsparungen keine Nettokosten tragen – könnten bis 2030 jährlich zu CO2-Reduktionen von fast sieben Gigatonnen führen, so das MGI. Dies sei um einiges mehr als die optimistischsten Prognosen für die teurere CCS-Technologie.

Die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden und im Verkehr verlangt jedoch die Regulierung einer großen Zahl kleiner Emittenten  sowie die Koordinierung zahlreicher fragmentierter Standards und Verfahren. Dies stellt für Politiker eine schwierigere Aufgabe dar, als die Senkung der CO2-Intensität von großen Energieerzeugungsanlagen.

Die Bemühungen der EU-Gesetzgeber, die Effizienzstandards für PKWs zu straffen, haben seitens der Branche heftige Kritik erfahren. Der Fortschritt der EU-Mitgliedstaaten im Bereich Energieeffizienz ist sehr unterschiedlich; die Umsetzung der EU-Gesetzgebung für erhöhte Energieeffizienz bei Gebäuden ist trotz einiger Verbesserungen enttäuschend langsam von statten gegangen, so ein neuer Bericht von EnR (Europäisches Energie Netzwerk), einem freiwilligen Zusammenschluss von nationalen Energieagenturen.