China verknappt Hightech-Metalle: "Weckruf für Europa"

Der weltgrößte Produzent sogenannter Seltener Erden hat für einen Monat die Produktion gestoppt. Man wolle die Preise stützen, heißt es von Seiten des chinesischen Staatskonzerns. Der grüne EU-Abgeordnete Reinhard Bütikofer fordert Lehren für Europas Rohstoffpolitik.

Möglicherweise sitzen Sie in diesem Augenblick vor Seltenen Erden. Diese insgesamt 17 metallische Grundstoffe werden auch zur Herstellung von Flachbildschirmen verwendet. Foto: dpa.
Möglicherweise sitzen Sie in diesem Augenblick vor Seltenen Erden. Diese insgesamt 17 metallische Grundstoffe werden auch zur Herstellung von Flachbildschirmen verwendet. Foto: dpa.

Der weltgrößte Produzent sogenannter Seltener Erden hat für einen Monat die Produktion gestoppt. Man wolle die Preise stützen, heißt es von Seiten des chinesischen Staatskonzerns. Der grüne EU-Abgeordnete Reinhard Bütikofer fordert Lehren für Europas Rohstoffpolitik.

Der chinesische Staatskonzern "Inner Mongolia Baotou Steel Rare-Earth Group Hi-tech" teilte den vorübergehenden Produktionsstopp am Mittwoch mit. Seltene Erden kommen zum Beispiel in Smartphones, Energiesparlampen, Windrädern, Flachbildschirmen und Elektroautos zum Einsatz.

Die Preise für die 17 Metalle (darunter Scandium, Yttrium und Lanthan) waren in den vergangenen drei Monaten um fast 20 Prozent gefallen – nach einer Verteuerung von durchschnittlich 130 Prozent im Vorjahr. Der chinesische Anteil an der Weltproduktion liegt bei rund 97 Prozent. Peking beschränkte bereits Ende 2010 den Export (EURACTIV.de vom 30. Dezember 2010), und setzte damit vor allem die japanische Industrie unter Druck. US-Konzerne erwägen inzwischen, die Welthandelsorganisation WTO einzuschalten, wie das "Wall Street Journal" berichtet.

"Recyclingstrategien entschieden vorantreiben"


Reinhard Bütikofer
(Grüne/EFA), Berichterstatter des EU-Parlaments zur EU-Rohstoffstrategie, kommentierte am Donnerstag: "Europa muss seine Abhängigkeit bei den Seltenen Erden endlich ernsthaft angehen und Effizienz-, Recycling-, und Substitutionsstrategien entschieden vorantreiben." Diese strategische Abhängigkeit werde sonst noch sehr viel teurer werden.

Bütikofer kritisierte: "Wie viele Weckrufe braucht Europa? Fahrlässigkeit und industriepolitische Unentschlossenheit prägen Europas Rohstoffpolitik schon länger." Beispielsweise bremse die Bundesregierung eine von der EU-Kommission vorgeschlagene Europäische Innovationspartnerschaft für Rohstoffeffizienz. Es liege jetzt an der EU-Kommission und den Mitgliedsstaaten, die Vorschläge aus dem Rohstoffbericht des EU-Parlaments aufzugreifen, so der grüne Industriepolitiker. 

Friedbert Pflüger, Direktor des European Centre for Energy and Resource Security (EUCERS), kommentiert die Rohstoffpolitik Chinas in einem Standpunkt auf EURACTIV.de: "Die einzig richtige Antwort auf die Verknappung und Verteuerung der Seltenen Erden besteht darin, uns unabhängiger von China zu machen." Im EURACTIV-Interview warnt der ehemalige Staatssekretär vor einem drohenden Rohstoffimperialismus.

Martin Kneer, Hauptgeschäftsführer der WirtschaftsVereinigung Metalle (WVM), sagte Anfang des Jahres, bei der Frage der Seltenen Erden gehe es um die "globale Verteilung von Zukunftsmöglichkeiten". Kneer wies auf die besondere Problematik für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) hin. Diesen falle es schwerer als Großunternehmen, eine Beschaffungsstrategie zu entwickeln und sich zum Beispiel mit China zu arrangieren (EURACTIV.de vom 1. Februar 2011).

awr

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de:

Deutschland braucht ein Bergbauunternehmen – mit Bundesbeteiligung (18. Januar 2011)

EU: Ressourceneffizienz vs. Wettbewerbsfähigkeit? (30. September 2011)

Ressourceneffizienz: Wirtschaftliche Aktivitäten unter Öko-Vorbehalt? (20. September 2011)

Ressourcenschonendes Europa. LinkDossier

Bütikofer zur EU-Rohstoffpolitik: "Recycling, Effizienz, Fairness" (19. September 2011)

Dokumente zur EU-Ressourcen- und Rohstoffpolitik

EU-Wettbewerbsrat: Conclusions on a competitive European economy: Industrial competitiveness in the light of resource efficiency (29. September 2011)

EU-Kommission: Fahrplan fu?r ein ressourcenschonendes Europa (20. September 2011)

EU-Kommission: Questions and answers on the Resource Efficiency Roadmap (20. September 2011)

EU-Kommission: "Grundstoffmärkte und Rohstoffe: Herausforderungen und Lösungsansätze". Mitteilung. KOM (2011) 25 (2. Februar 2011)

EU-Kommission: Bericht "Critical Raw Materials for the EU" (Für die EU kritische
Rohstoffe) der Ad-hoc-Gruppe der Gruppe Rohstoffversorgung der Generaldirektion
Unternehmen und Industrie
(30. Juli 2010)

EU-Kommission:
Ressourcenschonendes Europa – eine Leitinitiative innerhalb der Strategie Europa 2020. Mitteilung. KOM (2011) 21 (26. Januar 2011)

EU-Kommission:
"Fahrplan für den Übergang zu einer wettbewerbsfähigen CO2-armen Wirtschaft bis 2050". Mitteilung. KOM (2011) 112 (8. März 2011)

EU-Kommission: Die Rohstoffinitiative — Sicherung der Versorgung Europas mit den für Wachstum und Beschäftigung notwendigen Gütern. KOM (2008) 699 (4. November 2010)

EU-Parlament: Bericht über eine erfolgreiche Rohstoffstrategie für Europa
(2011/2056(INI)). Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE). Berichterstatter: Reinhard Bütikofer. Angenommen am 13. September 2011.
(25. Juli 2011)

NABU:Schwacher EU-Plan zur Ressourceneffizienz (19. September 2011)

BMWi: Rohstoffstrategie der Bundesregierung (Oktober 2010)

BMWi: Deutschen Rohstoffagentur

Studie

Ökoinstitut: Study on Rare Earths and Their Recycling (Januar 2011)