Burlakows Westgruppe und der Osten
In keinem Land der Welt waren so viele sowjetische Soldaten stationiert wie in Ostdeutschland: 500.000 Mann. Erst fünf Jahre nach dem Fall der Mauer zog die „Westgruppe“ komplett ab. Eine der seltenen Begegnungen mit dem Hardliner Boris Snetkow und seinem Nachfolger Matwej Burlakow in der sowjetischen Garnison.
In keinem Land der Welt waren so viele sowjetische Soldaten stationiert wie in Ostdeutschland: 500.000 Mann. Erst fünf Jahre nach dem Fall der Mauer zog die „Westgruppe“ komplett ab. Eine der seltenen Begegnungen mit dem Hardliner Boris Snetkow und seinem Nachfolger Matwej Burlakow in der sowjetischen Garnison.
Weltweit gibt es kein Land, in dem so viele sowjetische Soldaten stationiert waren wie in Deutschland. Damals befehligte Boris Wassiljewitsch Snetkow eine halbe Million Mann in Ostdeutschland. Die Familienangehörigen, die die Offiziere mitbringen durften, waren 210.000 an der Zahl, die Hälfte davon Kinder.
Die Sowjets belegten auf dem Territorium der DDR 777 Kasernenanlagen in 276 Orten. Darunter waren 54 (!) Flugplätze und 127 Übungsplätze. Sie hatten 4.200 Panzer, 95.500 Kfz, 690 Flugzeuge, 680 Hubschrauber und mehr als hundert Raketensysteme, abgesehen von 677.000 Tonnen Munition.
Im Spätherbst 1990 und einmal 1991 hatte ich Gelegenheit, mit einer kleinen Gruppe ausländischer Journalisten sowjetische Garnisonen in Wünsdorf und Jüterbog zu besuchen, die blitzblank geputzten Unterkünfte der Sowjetsoldaten zu inspizieren und Gespräche zu führen. Da sich die Ost-Alliierten nur auf dem ehemaligen DDR-Gebiet bewegen durften, dauerte die Autofahrt von Berlin-Mitte in die Garnisonen doppelt so lang wie die direkte Strecke über Westberlin.
Hirngespinst als Realität
Snetkow, Oberkommandierender der Westgruppe, begrüßte uns: „Wenn ich gestern gesagt hätte, ich würde Kontakte zur Bundeswehr haben, wäre das ein Hirngespinst gewesen. Aber heute ist es politische Realität.“
Er führe das auf das fortschrittliche politische Denken zurück. Überall würden Kontakte geknüpft. „Wir halten unsere Westgruppe nicht verschlossen, sondern öffnen uns auch den Massenmedien.“ Zum Beispiel uns.
Aber es gebe auch negative Seiten der Zusammenarbeit. „Sonst würde ich heucheln.“ Er zählte viele auf. Zum Beispiel habe es „mehrfach Versuche gegeben, unsere Gefechtsausbildung einzuschränken“.
Vandalismus und Überfälle
Snetkow beklagte den „Vandalismus an den Gräbern unserer Soldaten“. Im Jahr 1990 habe es zwanzig solcher Fälle gegeben, in Berlin, Bernau, Jüterbog, Gera und anderen Orten. Dort seien Gräber verwüstet worden. „Das vergrämt die Armeeangehörigen und erschwert unsere Erziehungsarbeit.“
Ferner klagte Snetkow: „Die Überfälle auf Wachposten häufen sich.“ Bis jetzt habe dies noch nicht zu schwersten Fällen geführt – „aber nur dank der Beherrschung unserer Soldaten.“ Nach den sowjetischen Vorschriften sei Wache die Erfüllung einer Sicherheitsaufgabe und demnach unantastbar. "Das bedeutet, ein Wachposten ist vom Gesetz her persönlich geschützt. Die Vorschriften geben ihm das Recht, in bestimmten Fällen von der Waffe Gebrauch zu machen."
In Perleberg sei ein Wachposten erschossen und seiner Waffen beraubt worden. Ferner seien in einigen Fällen „unsere Streifen überfallen wurden, und nur durch den Einsatz von Waffen sind die Täter abgeschreckt worden“. So geschehen in Gera, Magdeburg und anderen Städten.
Auch Deutsche könnten zu Schaden kommen
Bis jetzt, so Snetkow im November 1990, sei noch kein einziger deutscher Bürger zu Schaden gekommen. „Das kann aber noch vorkommen“, warnte er.
Snetkow klagte uns gegenüber zudem über „andere Formen der Beeinflussung des Westens“. Dazu zählte er „ökologische Kundgebungen“, die sich gegen die militärische Tätigkeit auf den Truppenübungsplätzen richteten und die Einstellung des Artillerieschießens forderten.
Gespannte Lage auf Truppenübungsplätzen
Man habe ohnehin schon Einschränkungen vereinbart, zum Beispiel: keine Aktivitäten an Wochenenden oder Feiertagen, keine Ausbildung mehr bei Nacht, keine Tiefflüge mehr über Siedlungen. „Aber die Bevölkerung protestiert noch immer, zum Beispiel in Neuruppin und Prenzlau.“ Auf den Truppenübungsplätzen sei die Situation daher „ziemlich gespannt“. Hier zählte Snetkow Magdeburg, Wünsdorf und Eisenach auf.
„Uns ist bewusst, dass unser Aufenthalt unbequem für die Bevölkerung ist und sie einschränkt. Sie muss aber verstehen, dass wir nicht die Gefechtsausbildung stoppen können. Sonst wären wir keine Militärs mehr.“ Ausdrücklich nannte er die Flieger und die Panzerfahrer: „Die müssen üben!“ Eine minimale Ausbildung bleibe notwendig.
Waffenverkäufe unter der Hand
Dann nahm sich Snetkow deutsche Presseberichte über Waffenverkäufe durch sowjetische Armeeangehörige vor. Ausführlich erklärte er, warum das nicht zutreffen könne. Es gebe ein Ordnung für die Aufbewahrung von Waffen, die jeder junge Einberufene in einer dreimonatigen Ausbildung lernt, dann werde er vereidigt, und erst dann erhalte er eine Waffe.
Jeder Soldat verfüge nur über seine eigene Waffe mit einer Nummer. Jeder Soldat sei für diese konkrete Waffen selber verantwortlich.
Wenn einer über sogenannte Kollektivwaffen verfüge, wie zum Beispiel die Panzerfahrer, erhalte er sie aus der Waffenkammer individuell ausgehändigt. Wenn mal eine verloren gehe, was bei Fahrlässigkeit passieren könne, erfahre jeder davon, bis hin zum Oberkommandierenden. Dann werde die Waffe gesucht, sogar mit Hilfe der deutschen Polizei. Die habe schon etliche Waffen gefunden und zurückgegeben.
Tausche Kalaschnikow gegen Gebrauchtwagen
Verkauf von Waffen oder Umtausch gegen Gebrauchtautos? „Das überlassen wir denen, die sich das ausgedacht haben!“
Häufig wollten sich, so Snetkow, deutsche Bürger auf diese Art Waffen anschaffen. „Vielleicht glauben einige, dass es einfach ist.“ Im November habe man zwanzig solcher Vorfälle registriert.
Deserteure in Westdeutschland
Wir befragten Snetkow auch zur sich häufenden Fahnenflucht sowjetischer Soldaten. 84 Armeeangehörige hätten sich von ihren Truppenteilen unerlaubt getrennt, sagte der General. 36 Armeeangehörige davon befänden sich in Westdeutschland.
Man plane Maßnahmen, um sie wieder zurückholen zu können. Aber es gebe dazu noch keine Vereinbarung. Unerlaubtes Verlassen sei jedenfalls ein grobes Disziplinarvergehen, das bestraft werde.
„Natürlich ist die Information, dass sich Tausende Soldaten in den Wäldern versteckt halten und die Bevölkerung bedrohen, aus der Luft gegriffen.“
Todesfälle in der Truppe
Desgleichen weist Snetkow Angaben zurück, wonach jedes Jahr tausend Angehörige der Westgruppe ums Leben kämen: „Da ist um das Zehnfache übertrieben worden.“
Selbstverständlich habe man Todesfälle. Das seien schwerste Vorkommnisse, für die die Kommandeure jeder Ebene zur Verantwortung gezogen würden.
Oft gingen die Todesfälle bei der Gefechtsausbildung auf Fahrlässigkeit zurück. Bei der Arbeit mit Kampftechnik glaubten junge Leute, die Sicherheitsvorschriften vernachlässigen zu können, so Snetkow. „Das kann hundert Mal gelingen und das 101. Mal schief gehen.“
Man belehre das Personal ständig, denn ein Todesfall unter friedlichen Bedingungen könne nie gerechtfertigt werden. „Die Eltern reagieren sehr gekränkt.“
Ermahnung der Journalisten
Generell plädierte Snetkow dafür, nicht mehr „entstellte Informationen zu lancieren“. Im Vertrag zwischen der Sowjetunion und der Bundesrepublik sei vereinbart worden, dass man einander zu achten habe. „Wir haben einen sehr großen Truppenkörper. Es ist nicht angebracht, sich über die Leiden anderer lustig zu machen. Wir sollen gut zueinander stehen.“
Snetwkos Appell an die angereisten Journalisten: „Das Leben in der Westgruppe soll in den Zeitungen dargestellt, aber nicht entstellt werden. Die Artikel sollten ständig objektiv und gerecht sein. Wir müssen eine gemeinsame Sprache mit Ihnen finden.“
Hardliner Snetkow: „Anruf genügt“
Snetkow galt als Hardliner. Er hatte der SED-Führung, namentlich Erich Honeckers Nachfolger Egon Krenz, offenbar angeboten, bei den Massendemonstrationen im Oktober 1989 Panzer und Soldaten in Marsch zu setzen: „Ein Anruf genügt.“
Abweichend von der politischen Vorgabe Michail Gorbatschows wäre Snetkow bereit gewesen, die Grenzen der DDR militärisch abzuriegeln. Dies wurde allerdings erst Jahre später bekannt.
13 Euro Sold im Monat
Auch dass die Soldaten wegen des geringen Solds (umgerechnet knapp 13 Euro im Monat) ihre Unformen verkaufen würden, stellten die Militärs in Abrede. Jeder Mensch könne „selber bestimmen, wieviel er für was ausgibt“.
„Unsere Soldaten werden doch mit allem Nötigen versorgt, was sie benötigen. Sie brauchen eigentlich gar nichts zu kaufen.“
Manche wollten aber Souvenirs oder Geschenke kaufen. „Das machen sich die Soldaten im Kollektiv aus, sie legen das Geld zusammen, und jeden Monat kauft man etwas für irgendeinen Soldaten."
Ohne Mütze, ohne Hose, ohne Waffe?
Er wüßte keinen Gegenstand, der verkauft werden könne, erzählte mir ein Offizier. Der Lebensstandard in Deutschland sei höher, man könne hier nicht einfach seine gebrauchte Mütze verkaufen. Stammten die Mützen und Uniformen, die in Berlin angeboten werden, alle aus der Westgruppe, „stünden unsere Lager längst leer.“
Außerdem fiele das sofort auf, wenn ein Soldat in seiner Einheit ohne Mütze oder ohne Hose dastünde. Das würde sofort bestraft werden.
Sagte er. Tatsächlich aber wurde von Nachtsichtgeräten über Kalaschnikows bis zu gepanzerten Fahrzeugen und Unmengen von Benzinkanistern alles Mögliche verscherbelt.
Immerhin lebten auch die Offiziere mit ihren Familien in sehr bescheidenen Verhältnissen. Sie erhielten maximal 1.000 DDR-Mark Monatsgehalt und bis zu 250 Mark Familienzuschuss. Trotzdem waren die vier, fünf Jahre Dienst in der DDR sehr begehrt.
Panzer-Irrfahrt durch Berlin
Kurz vor dem Gespräch hatte eine wilde Irrfahrt mit einem sowjetischen Panzer durch Berlin für Aufregung gesorgt. „Das war im Prinzip ein guter Soldat“, versicherte mir mein Gesprächspartner. Doch der Zwanzigjährige sei vor seiner Einberufung im Mai 1989 mit einem Mädchen befreundet gewesen, das ihn nun betrogen habe. Ein Brief mit dieser Nachricht habe den jungen Mann wohl so verwirrt, dass er mit einer Zugmaschine ziemlich schnell und ziellos in Berlin unterwegs gewesen sei. „Aber er war nicht schlecht ausgebildet – er hatte ja keinen Unfall. Ich glaube, dass er geistig gestört ist. Er wird im Krankenhaus allseitig untersucht.“
Überraschende Abberufung
Der Oberkommandierende Snetkow wurde nur drei Wochen (!) nach diesem Pressegespräch abberufen. Seine Abreise erfolgte am 13. Dezember 1990. Ob es einen Zusammenhang gibt? Man darf spekulieren. Ich hatte beim Gespräch keinesfalls den Eindruck, dass der General auf einen so kurz bevorstehenden Wechsel eingestellt war.
Dass es mit der Disziplin und der Versorgungslage in den sowjetischen Kasernen doch nicht zum Besten stand, lässt sich von den Sofortmaßnahmen des neuen Oberkommandierenden der Westgruppe, Generaloberst Matwej Burlakow, ablesen, die er Anfang 1991 verfügte.
Kontaktsperre mit Zivilbevölkerung
Burlakow verhängte für die sowjetischen Soldaten in Deutschland eine Kontaktsperre gegenüber der deutschen Zivilbevölkerung. Damit sollten die demoralisierten Soldaten diszipliniert werden.
Wegen der sinkenden Moral in den sowjetischen Garnisonen Ostdeutschlands, wegen der Zahl der Deserteure, wegen des illegalen Verkaufs von Waffen und Geheimmaterial, aber auch wegen der tätlichen Angriffe deutscher Bürger auf sowjetische Soldaten und deren Familienangehörige schien die Disziplinierung der Truppe die Hauptaufgabe der sowjetischen Offiziere geworden zu sein.
Trotz des bereits begonnenen und bis 1994 projektierten Truppenabzugs legten die Offiziere größten Wert darauf, dass alle Verbände in voller Gefechtsbereitschaft stehen. Die Übungstätigkeit wurde uneingeschränkt fortgesetzt.
Mit den Übungen und der Kontaktsperre sollten die Soldaten von den Verlockungen des Westens abgelenkt werden.
Vor Verhängung der Kontaktsperre hatten noch 700 ausgesuchte sowjetische Soldaten die Weihnachten 1990 als Gäste bei deutschen Familien verbringen dürfen. Tausende Soldaten hatten Weihnachtsgeschenke von der deutschen Bevölkerung erhalten. Damit war vorerst Schluss. Dass sie als arme Siegermacht nun Care-Pakete von den reichen Besiegten entgegennehmen sollten, war mit ihrer Würde nicht vereinbar.
Dagegen wurden die Kontakte in den höheren Rängen sogar intensiver. Für die Bundeswehr sprachen dabei oft ehemalige NVA-Offiziere, weil sie Russisch beherrschten.
Trotzdem gingen – neben dem Monsterunternehmen Truppenabzug – Gefechtsausbildung, Kommando-Stabsübungen und Schießübungen mit scharfer Munition weiter, als wäre die Bundesrepublik noch der Feind.
Plötzlich bestimmen die Besiegten
Allerdings durfte dieser ehemalige Feind nun mitreden und auf Grund eines deutsch-sowjetischen Vertrags die Grenzen des Übungsablaufs bestimmen. So durfte die Ausbildung nur noch innerhalb der sowjetischen Liegenschaften stattfinden; an den Übungen durften nicht mehr als 13.000 Mann teilnehmen. Übungen auf Regimentsebene mussten bei deutschen Behöprden mindestens einen Monat vorher angemeldet werden. Auch das Einrücken von Kettenfahrzeugen auf öffentlichen Straßen wurde beschränkt.
Außerdem waren die sowjetischen Truppen verpflichtet, bei den Übungen Umweltschäden möglichst zu vermeiden. Bis dahin waren Treibstoff, Altöl und Säuren einfach in den Boden gekippt worden. Unabsehbar waren die Schäden auf den 1.500 militärisch genutzten Liegenschaften durch die Altlasten.
Was den sowjetischen Militärs nach Ersetzung der DDR-Mark durch die D-Mark zu schaffen machte: Es gab rundherum plötzlich „richtiges“ Geld. Viele Soldaten verkauften schwarz ihre Arbeitskraft gegen Westgeld – mit extrem niedrigen Stundenlöhnen; der geringste, den ich damals mitbekam, betrug 95 Pfennig.
Der letzte Tag der Vergangenheit
Sprung ins Jahr 1994: „Dieser Tag war der letzte Tag der Vergangenheit“, sagte Boris Jelzin am 31. August beim Abschied des russischen Truppen am Gendarmenmarkt in Berlin. Der russische Präsident schien gut gelaunt, als er vor dem Schauspielhaus der Limousine entstieg.
Vor der Treppe zum Schauspielhaus meldete Generaloberst Burlakow in militärischer Haltung den Abschluss der Truppenverlegung. In drei Jahren und acht Monaten seien 546.200 Personen und 123.629 Waffen abtransportiert worden. „Die zwischenstaatliche strategische Operation ist beendet, der moralische Zustand des Personals ist gesund.“ Die Soldaten seien „bereit, weitere Aufgaben zu erfüllen“.
Die Russen hatten alles, wirklich alles mitgenommen. Sie haben nicht nur die Sanitäranlagen aus den Kasernen gerissen, sondern sogar die Betonplatten der Landebahnen ihrer Flugplätze abtransportiert.
Ohne dass das Protokoll es vorgesehen hatte, hielt Jelzin ene kleine Rede. Darin dankte er Helmut Kohl persönlich überaus herzlich für dessen Unterstützung. „Kohl hat“, sagte das russische Staatsoberhaupt, „Präsident Jelzin um keine einzige Mark betrogen.“
Sprach Kohl eher nüchtern von einem Tag, der unvergessen bleibe, von einer vertrauensbildenden Maßnahme, vom Dank an die sowjetische Führung, die sich am 9. November 1989 nicht dem Fall der Mauer entgegengestellt habe, so ging Jelzin sehr viel tiefer. Er verwies auf die grauenhaften Todsünden und die Massenmordindustrie des Hitler-Regimes. Für die Russen, so Jelzin versöhnlich, sei das Blut, das von sowjetischen Soldaten, von Angehörigen der alliierten Armeen oder von deutschen Antifaschisten vergossen worden sei, von gleichem Wert.
Auch an die Adresse seiner eigenen Landsleute sagte Jelzin: „Wir vergessen nicht den teuren Preis der hohen Verluste. Und wir wagen nicht, Vergleiche anzustellen, wessen Leiden schwerer war – das der russischen oder das der deutschen Mütter, Witwen und Waisenkinder. Jeder Vergleich wäre hier lästerlich!“
Bewegender Abschied am Gendarmenmarkt
„Heute kehren russische Soldaten mit dem Glauben nach Hause zurück, dass für Russland nie mehr eine Bedrohung von deutschem Boden ausgehen wird.“
Ein eigens für diesen Anlass komponiertes Lied auf deutsch, gesungen von den russischen Soldaten in den neuen Uniformen der reformierten Armee, bewegte nicht nur Kohl tief: „Deutschland, wir reichen dir die Hand und kehr’n zurück ins Vaterland!“
Burlakow flog wenige Stunden nach den Feierlichkeiten mit einer IL 62 vom (bisherigen) russischen Militärflughafen Sperenberg ab, um in Moskau das Amt des stellvertretenden Verteidigungsministers zu übernehmen. Ein Amt, von dem ihn Jelzin wegen Korruptionsverdachts noch im selben Jahr wieder entband.
Die Soldaten fuhren mit der Bahn nach Moskau, wo sie am 3. September ankamen und wo sie erst ein großer Empfang erwartete – und danach eine ungewisse Zukunft.
Ewald König, Chefredakteur von EURACTIV.de, war zu Zeiten der Wende Deutschland-Korrespondent der österreichischen Zeitung DIE PRESSE. Für die Leser von EURACTIV schildert er in einer Serie, was er vor zwanzig Jahren erlebt hat.
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