Bundestagswahl 2025: Sechs Online-Wahlhilfen für Unentschlossene
Die Bundestagswahl ist nur noch wenige Tage entfernt. Das Interesse an der Wahl ist groß, aber 28 Prozent der Wahlberechtigten sind noch unentschlossen. Euractiv hat sich sechs Online-Tools angeschaut, die bei der Entscheidung helfen können.
Die Bundestagswahl ist nur noch wenige Tage entfernt. Das Interesse an der Wahl ist groß, aber 28 Prozent der Wahlberechtigten sind noch unentschlossen. Euractiv hat sich sechs Online-Tools angeschaut, die bei der Entscheidung helfen können.
Rund 60 Millionen Deutsche dürfen bei der Bundestagswahl wählen. 87 Prozent der Deutschen sind “(sehr) stark” an der bevorstehenden Wahl interessiert, laut einer aktuellen ZDF-Umfrage. Bei der letzten Bundestagswahl haben 76 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.
Aber, die richtige Partei zu finden, ist manchmal gar nicht so einfach. Fragen über Fragen: Wofür stehen die Parteien, wenn es um die Ukraine geht? Oder die Landwirtschaft? Was heißt das für die europäische Ebene oder die Energiepolitik? Und: Wie haben die Parteien in der Vergangenheit abgestimmt?
Letzte Woche ist das wohl bekanntesten Helfertool der Bundesrepublik – der Wahl-O-Mat – mit Rekordzahlen gestartet. Euractiv hat sich neben der bekannten Wahlhilfe fünf weitere kostenfreie Informationsangebote mit verschiedenen Ausrichtungen angeschaut – auch ein KI-Chat ist dabei.
Wahl-O-Mat: Das Urgestein der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es bereits seit 2002 und wird regelmäßig bei Landtags-, Bundestags und Europawahlen eingesetzt. In diesem Jahr hat der Wahl-O-Mat bereits nach dem ersten Tag eine Rekordzahl an Besuchern verzeichnet.
Typ: Frage-Antwort
Parteien: Alle 29 sind vertreten. Möglichkeit relevante oder alle Parteien auszuwählen.
Thesen: 38. Nutzer haben können jeder These “zustimmen”, “nicht zustimmen”, “neutral” klicken oder “These überspringen”. Die Parteien haben jeweils alle Thesen beantwortet, die in Workshops unter maßgeblicher Beteiligung von jungen Wählern entstanden sind.
Ergebnis: Basierend auf den Antworten errechnet der Wahl-O-Mat die Übereinstimmung mit den Parteien. Einzelnen Thesen kann eine besondere Gewichtung zugeordnet werden – sie zählen bei der Berechnung doppelt.
Nutzer können weitere Informationen über die Parteien und deren Standpunkte erfahren. Den Wahl-O-Mat gibt es online oder als App.
Euromat: Der Euromat gibt Entscheidungshilfen mit besonderem Fokus auf Europa. Wie stehen deutsche Parteien auf europäischer Ebene beispielsweise zu Themen wie Asyl, Klima, Wirtschaft oder die EU-Außenpolitik?
Das Angebot ist eine Zusammenarbeit der Bürgerbewegung Pulse of Europe, den Jungen Europäischen Föderalist:innen Deutschland, des Thinktanks Polis 180 und des Blogs Der (europäische) Föderalist. Den Euromat gab es für die letzten beiden Bundestagswahlen und die Europawahl und ähnelt dem Wahl-O-Mat.
Typ: Frage-Antwort
Parteien: Sieben Parteien sind vertreten – SPD, CSU/CSU, Grüne, FDP, AfD, Die Linke und BSW.
Thesen: 25. Abgeleitet aus den Wahlprogrammen der Parteien. Nutzer haben können jeder These “zustimmen”, “nicht zustimmen”, “neutral” klicken oder “These überspringen”. Jede These wird von einer kurzen Einordnung begleitet.
Ergebnis: Auch beim Euromat können Nutzer Thesen, die ihnen besonders wichtig sind, doppelt gewichten. Das Tool berechnet basierend auf den Antworten, welche Partei am ehesten damit übereinstimmt.
Real-O-Mat: Wie haben die Gruppen und Parteien tatsächlich abgestimmt? Das Angebot von FragDenStaat konzentriert sich auf das tatsächliche Abstimmungsverhalten und Anträge, die öffentlich verfügbar sind – nicht auf die Wahlversprechen. Außerdem liefert die Hilfe Begründungen zu den Abstimmungsentscheidungen. FragDenStaat ist ein spendenfinanziertes Projekt der gemeinnützigen Open Knowledge Foundation Deutschland e.V., das sich zum Ziel gesetzt hat, Informationen “mithilfe der Informationsfreiheitsgesetze zu befreien und zu veröffentlichen”.
Typ: Frage-Antwort
Parteien: SPD, FDP, Grüne, CDU/CSU, Die Linke, AfD und BSW – alle Gruppen und Fraktionen, die in der letzten Legislaturperiode im Bundestag vertreten waren.
Thesen: 20. Abgeleitet aus einer Auswahl von Gesetzentwürfen und Anträgen, über die in der vergangenen Legislaturperiode (September 2021 bis Dezember 2024) im Bundestag abgestimmt wurden. Nutzer können zwischen drei Antworten wählen: “Ja, finde ich auch”, “Nein, geht mir zu weit”, “Nein, reicht mir nicht aus” oder die These überspringen.
Ergebnis: Der Real-O-Mat gleicht die Antworten mit dem Abstimmungsverhalten ab. Nutzer können ihnen wichtige Thesen doppelt gewichten lassen.
Agrar-O-Mat: Die Entscheidungshilfe für Landwirte von agrarheute setzt sich speziell mit der Agrarpolitik auseinander – zum Beispiel geht es um Wolfsjagd, Pflanzenschutzmittel, Umweltauflagen oder Agrardiesel. Agrarheute ist ein Agrarfachmagazin.
Typ: Frage-Antwort
Parteien: Acht: AfD, BSW, CDU/CSU, FDP, Freie Wähler, Grüne, Die Linke und SPD
Thesen: 24 Thesen zu agrarpolitischen Themen. Nutzer können bei den Antworten zustimmen, nicht zustimmen, neutral abstimmen oder die These überspringen.
Ergebnis: Der Agrar-O-Mat berechnet die prozentuale Übereinstimmung der Nutzerantworten mit denen, der Parteien und Bündnisse.
Energate-Wahlcheck: Die Wahlhilfe fokussiert sich auf Themen rund um Energiepolitik, dabei geht es unter anderem um Klimaschutz, Gasversorgung, Erneuerbare oder Kernenergie. Der Essener Fachverlag für die Energiebranche energate hat das Tool in Zusammenarbeit mit BET Consulting erstellt.
Typ: Frage-Antwort
Parteien: Die sieben bereits im Bundestag vertretene Parteien und Gruppen.
Thesen: 24. Die Wahlcheck-Entwickler haben die Positionen der im Bundestag vertretenen Gruppen verglichen und basierend darauf den Wahlcheck entwickelt. Nutzer haben können zwischen “stimme zu”, “neutral”, “stimme nicht zu” auswählen oder die These “überspringen”
Ergebnis: Der Wahlcheck gleicht die Antworten mit den Positionen der Parteien ab und rechnet aus, welche energiepolitischen Konzepte ihnen am nächsten kommen.
wahl.chat: Nutzer können sich mit der interaktiven KI von wahl.chat unterhalten und so spezifische Fragen stellen, die über das klassische Frage-Antwort-System hinausgehen. Eine Gruppe Studierender der LMU, TU und University of Cambridge haben den wahl.chat erfunden, derzeit forschen sie gemeinsam zu KI.
Typ: Chatgespräch mit einer Künstlichen Intelligenz. Fragen können flexibel gestellt werden, Vorschläge können als Inspiration dienen.
Parteien: CDU/CSU, FDP, Freie Wähler, Grüne, Die Linke, Ökologisch-Demokratische Partei, Piratenpartei, SPD, Tierschutzpartei, Volt
Thesen: Nutzer können so viele Fragen zu den Parteien und ihren Positionen stellen, wie sie möchten. Der wahl.chat beantwortet die Fragen basierend auf den Wahlprogrammen und weiteren Informationen wie zum Beispiel den Grundsatzprogrammen der Parteien, die Antworten werden mit Quellen geliefert und eingeordnet.
Ergebnis: Der wahl.chat bietet die Möglichkeit, sich individuell mit den einzelnen Parteien oder Positionen auseinander zu setzten und ein dynamisches Gespräch zu führen. Die Chat-Methode ist flexibler als ein Frage-Antwort-Tool, allerdings gibt es kein „Ende“ und auch keine Berechnung der eigenen Übereinstimmung mit den Parteien.
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