Bundesregierung fordert von der Wärmepumpenindustrie 500.000 Stück pro Jahr

In der Hoffnung, das für 2024 gesetzte Ziel einer jährlichen Produktion von 500.000 Wärmepumpen zu erreichen, drängt die Bundesregierung die Branche zu notwendigen Investitionen.

EURACTIV.com
Transport, Telecommunications and Energy Council in Luxembourg
"500.000 neu installierte Wärmepumpen pro Jahr ab 2024 ist ein starkes Bekenntnis und ein starkes Signal, welches von dem heutigen Wärmepumpen-Gipfel ausgeht", sagte der Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck am 29. Juni. [EPA-EFE/JULIEN WARNAND]

In der Hoffnung, das für 2024 gesetzte Ziel einer jährlichen Produktion von 500.000 Wärmepumpen zu erreichen, drängt die Bundesregierung die Branche zu notwendigen Investitionen. Die Industrie fürchtet, dass sie ähnlich wie die Solarindustrie enden könnte.

Wärmepumpen, eine Schlüsseltechnologie zur Dekarbonisierung der Raumheizung, sind bei weitem nicht so weit verbreitet, wie es sich die Politik wünscht.

Verschiedene EU-Länder wie Deutschland, Österreich und die Niederlande haben bereits Verbote für traditionelle Heizsysteme angekündigt. Nun versuchen sie, die Produktion von Wärmepumpen zu fördern, um die Mengen zur Verfügung zu haben, mit denen herkömmliche Heizungen mit fossilen Brennstoffen ersetzt werden können.

„500.000 neu installierte Wärmepumpen pro Jahr ab 2024 ist ein starkes Bekenntnis und ein starkes Signal, welches von dem heutigen Wärmepumpen-Gipfel ausgeht“, sagte der Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck am 29. Juni.

„Ab dem 01.01.2024 soll möglichst jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Das macht deutlich, dass wir hierfür auch schnell mehr Wärmepumpen brauchen und genau das gehen wir jetzt gemeinsam an“, so Habeck weiter.

Das Ziel ist klar: Im Jahr 2021 sind in deutschen Haushalten rund 630.000 Gaskessel und weitere 45.000 Ölöfen installiert worden. Demgegenüber stehen lediglich 154.000 installierte Wärmepumpen mit einem jährlichen Rekordzuwachs von 28 Prozent.

Die Wärmepumpenhersteller haben der Bundesregierung daher einen Wunschzettel übermittelt: Bessere Anreize für die Produktion und den Einbau von Wärmepumpen sowie ein gemeinsamer Vorstoß, um Fachkräfte zu gewinnen. Trotz des allgemeinen Fachkräftemangels gehen Fachzeitschriften von einem Bedarf von ca. 100.000 zusätzlichen Installateuren aus.

Um die Zahl der installierten Wärmepumpen zu verdreifachen, sind entweder massive Importe erforderlich, auf die sich Hersteller aus Drittländern bereits vorbereiten, oder eine deutliche Steigerung der inländischen Produktion.

Die EU-Importe von Wärmepumpen aus China sind bis 2020 jährlich um 17 Prozent gestiegen, und die ersten Daten für 2021 deuten auf eine Verdoppelung der Importe in diesem Jahr hin. Der US-Senat bereitet ein Gesetz über Steuergutschriften vor, um die heimische Wärmepumpenproduktion anzukurbeln.

Am 27. Juni verpflichteten sich US-Präsident Joe Biden und die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, über eine beschleunigte Einführung und Produktion von Wärmepumpen zu sprechen.

Deutsche Hersteller haben bereits investiert. Der Wärmepumpenhersteller WOLF verdoppelte seine Produktionskapazität, und sein Konkurrent Viessmann plant eine Investition von 1 Milliarde Euro in „grüne Lösungen“, wobei der Großteil in Wärmepumpen fließen soll.

Doch da die staatliche Unterstützung bisher weitgehend verbal erfolgt, fürchtet die Branche den Weg der Solarindustrie zu gehen.

Ängste in der Industrie

„Wenn man sich erinnert, wieso die Solarindustrie in Deutschland zusammengebrochen ist, die dann in den chinesischen Markt abgewandert ist, dann war es fehlende politische Verlässlichkeit“, erklärte Habeck.

Die Äußerungen der Regierungspartner dürften nicht das Maß an politischer Verlässlichkeit signalisieren, das sich die Wärmepumpenhersteller so dringend wünschen.

„Wichtig ist mir dabei die Technologieoffenheit. Wärmepumpen sind ein wichtiger Bestandteil bei der Umstellung der Heizungssysteme“, erklärte die Bauministerin Klara Geywitz, die neben Habeck sprach.

Technologieoffenheit ist ein Lieblingsbegriff der FDP. Finanzminister Christian Lindner sorgte kürzlich für Schlagzeilen, als er im Namen der Technologieneutralität scheinbar in letzter Minute die Haltung der Bundesregierung zum Verbrennungsmotor torpedierte.

Die alteingesessene Gaswirtschaft feierte diesen Ansatz. „Wir sehen es als sehr positives Signal, dass vom Gipfel ein politisches Bekenntnis zur Technologieoffenheit ausgeht“, erklärte Timm Kehler, Chef der Lobbygruppe der Gasbranche „Zukunft Gas“.

Uwe Glock, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), schloss sich Kehlers Meinung an. Keiner der beiden Verbände scheint bereit zu sein, den „Newcomern“ Boden zu überlassen.

Habeck, der den Absturz der Solarbranche miterlebt hat, hat möglicherweise andere Pläne. „Wir, die Bundesregierung, sind entschieden, Ihnen den diese zu geben, sowohl gesetzlich wie in der Förderquote“, sagte er auf Nachfrage von EURACTIV gegenüber Journalisten.

Strategische Bedeutung

Darüber hinaus setzen die Wärmepumpenhersteller auf eine strategische Unabhängigkeit, um sich die Unterstützung der Regierungen zu sichern. „Wir dürfen die Abhängigkeit von russischem Erdgas nicht durch eine Abhängigkeit beim Import von Wärmepumpen ersetzen“, sagt Kai Lobo, Leiter der deutschen Öffentlichkeitsarbeit bei Viessmann.

Das strategische Argument dürfte auf eine gewisse Resonanz stoßen. „Wir dürfen uns nicht von einer Abhängigkeit von russischem Gas in die nächste Abhängigkeit begeben“, sagte Geywitz.

„Wir brauchen auch eigene Produktionskapazitäten für den Wärmepumpenmarkt in Deutschland“, fügte sie hinzu.

[Bearbeitet von Alice Taylor]