Bulgariens Gazprom-Gespräche könnten wegen russischer Einflussnahme scheitern

Die Gespräche zwischen Bulgarien und Russland über die Wiederaufnahme der Gaslieferungen von Gazprom dürften aus Sicht eines renommierten Energieexperten aufgrund der überlegenen Verhandlungsposition Russlands scheitern.

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Der ungarische Außenminister sagte, dass die Liefermenge von "technischen und technologischen Fragen" abhänge und dass das zusätzliche Gas dazu beitragen werde, "die Notwendigkeit zu vermeiden, Beschränkungen im Land aufgrund von Gasmangel einzuführen". [Shutterstock/Maksim Konstantinov]

Die Gespräche zwischen Bulgarien und Russland über die Wiederaufnahme der Gaslieferungen von Gazprom dürften aus Sicht eines renommierten Energieexperten aufgrund der überlegenen Verhandlungsposition Russlands scheitern.

Energieminister Rosen Hristov kündigte am Montag an, dass die Aufnahme von Verhandlungen mit Gazprom über die Wiederaufnahme der Lieferungen nun unvermeidlich sei, nachdem er zuvor erklärt hatte, dass solche Gespräche nur als letztes Mittel stattfinden würden.

Vasko Nachev, ein bekannter bulgarischer Energieexperte, prognostiziert jedoch, dass die Gespräche mit Gazprom letztlich an der Haltung des Kremls und der heiklen politischen Lage in Sofia scheitern dürften.

„Die Verhandlungsführer werden eine schallende Ohrfeige vom Kreml erhalten. Das Schlimme daran ist, dass sie in weniger als zwei Monaten entmachtet sein werden, aber der Rest von uns wird das essen müssen, was sie in der Zwischenzeit kochen werden“, sagte er.

Aus Sicht des Experten geht Russland mit einem geopolitischen Machtvorteil gegenüber Bulgarien in die Gespräche.

„Wir werden tatsächlich in eine Krise hineingedrängt, aus der wir nicht mehr herauskommen“, fügte er hinzu.

Die Ankündigung der Regierung, dass die Gespräche wahrscheinlich wieder aufgenommen werden, erfolgte einige Monate, nachdem die Koalitionsregierung unter dem inzwischen abgewählten Premierminister Kiril Petkow alle Beziehungen zu Gazprom abgebrochen und sich geweigert hatte, in Rubel zu zahlen.

Als Ersatz schloss Petkow mehrere Verträge mit den USA und Aserbaidschan ab.

Hristov sagte gegenüber den Medien, dass Bulgarien nach September keine Gasvorkommen mehr habe und rechtfertigte damit die Wiederaufnahme der Verhandlungen. Dies steht jedoch in direktem Widerspruch zu einer Aussage von Bulgargaz-Direktorin Denitza Zlateva vom 17. August, die behauptete, es gäbe Reserven bis zum Ende des Jahres.

Was die Abkommen mit den USA betrifft, so erklärte die vom russlandfreundlichen Präsidenten Rumen Radev ernannte und von Premierminister Galab Donev geführte Übergangsregierung am Freitag, dass sie nur eine der sieben vorgesehenen Lieferungen von amerikanischem Flüssigerdgas akzeptieren werde. Und das, obwohl die Preise unter denen liegen, die derzeit an den europäischen Börsen gehandelt werden.

Die pro-europäische Koalition „Demokratisches Bulgarien“ beschuldigte am Folgetag die Übergangsregierung, sie ließe die Rückkehr zu Gazprom als eine alternativlose Option erscheinen.

Am Montag schien sich dies durch die Rede des Energieministers zu bestätigen. Hristov sagte, dass die bulgarische Wirtschaft einen höheren Preis als 125 Euro pro Megawattstunde nicht verkraften könne und die Regierung deshalb gezwungen sei, Verhandlungen mit Gazprom Export aufzunehmen, um die Gaslieferungen im Rahmen des aktuellen Vertrags wieder aufzunehmen.

Der aktuelle Preis für August liegt bei 150 Euro ohne zusätzliche Gebühren und Steuern. Der Gaspreis im Rahmen des aktuellen Vertrags mit Gazprom entspricht 70 Prozent der Preise an der niederländischen Gasbörse. Das bedeutet, dass russisches Gas teurer sein könnte, als der Preis, die Bulgar:innen derzeit zahlen.

Der ehemalige Abgeordnete der abgewählten Koalition, Vladislav Panev, betonte, dass Gazprom auf keinen Fall niedrigere Preise anbieten werde.

„Das ganze Gerede darüber, dass wir ohne russisches Gas sterben werden, ist eine Lüge. Dies ist offensichtlich ein Plan, um die Gesellschaft zu verwirren, und dieser Plan beinhaltet den Verzicht auf sechs der sieben LNG-Schiffe [aus den USA], die sogenannte Suche nach Alternativen und die Sabotage der Verbindungsleitung [zwischen Bulgarien und Griechenland]“, schrieb Panev in den sozialen Medien.

Außerdem erklärte Hristov, dass Bulgarien die Verhandlungen mit Aserbaidschan über zusätzliche Gasmengen fortsetzen werde. Diese sollen zu Marktpreisen erfolgen, was wiederum kein günstigeres Gas für die bulgarische Wirtschaft bedeutet. Hristov hofft, dass „in den nächsten zwei Wochen ein Erfolg bei diesen Verhandlungen erzielt wird.“

Am Sonntag sagte die russische Botschafterin Eleonora Mitrofanova, dass die Gaslieferungen im Rahmen des aktuellen Vertrags verlängert werden würden, wenn Bulgarien sich bereit erkläre, in Rubel zu zahlen.

„Um die Gaslieferungen wiederherzustellen, ist ein neuer Vertrag nicht nötig, da der aktuelle Vertrag bis Ende Dezember dieses Jahres läuft. Die fehlenden Monate ohne Lieferungen können ebenfalls Gegenstand von Verhandlungen sein. Alles hängt von Ihnen ab“, sagte sie gegenüber den Medien.

Der bulgarische Vertrag mit Gazprom sieht vor, dass die Zahlung in US-Dollar erfolgen muss, während Sofia sich bisher wegen des Umrechnungsrisikos geweigert hat, wie von Russland verlangt in Rubel zu zahlen.