Bulgarien verzeichnet starken Rückgang von Auslandsinvestitionen

Die Nettoauslandsinvestitionen in Bulgarien werden im Jahr 2024 drastisch sinken – voraussichtlich werden sie nur ein Viertel vom Vorjahr betragen. Zudem spiegelt sich die schwächelnde Wirtschaft Deutschlands auch in der allgemeinen Wirtschaftslage Bulgariens wider.

EURACTIV.bg
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2024 kommen die größten Investitionen nach Bulgarien aus den Niederlanden, Österreich und Griechenland. [Shutterstock/Natanael Ginting]

Die Nettoauslandsinvestitionen in Bulgarien werden im Jahr 2024 drastisch sinken – voraussichtlich werden sie nur ein Viertel vom Vorjahr betragen. Zudem spiegelt sich die schwächelnde Wirtschaft Deutschlands auch in der allgemeinen Wirtschaftslage Bulgariens wider.

Ende August beliefen sich die ausländischen Direktinvestitionen in einem der ärmsten EU-Staaten auf 697,8 Millionen Euro. Im Vergleich dazu beliefen sich die ausländischen Netto-Direktinvestitionen (foreign direct investment, FDI) im Land im gleichen Zeitraum des Jahres 2023 auf 3,103 Milliarden Euro, was einem enormen Rückgang von 77 Prozent entspricht, so die Bulgarische Nationalbank (BNB) in ihren vorläufigen Angaben vom Donnerstag (17. Oktober).

Die zwischen Januar und August 2024 nach Bulgarien geflossenen Nettoauslandsinvestitionen machen gerade einmal 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) des Landes aus.

Immerhin gab es im August einen positiven Nettozufluss von ausländischen Direktinvestitionen, der sich auf 100,5 Millionen Euro belief. Allerdings fällt auch dieser Wert im Vergleich zum Vorjahresmonat stark ab: Im August 2023 hatte Bulgarien noch 590,3 Millionen Euro an Nettoinvestitionen verzeichnet, also fast sechsmal mehr.

2024 kommen die größten Investitionen nach Bulgarien aus den Niederlanden, Österreich und Griechenland.

Die Bulgarische Nationalbank berichtet, dass sich ausländische Investoren allmählich vom Immobilienmarkt des Landes zurückziehen. Im August lagen die Nettozuflüsse von Investitionen in Immobilien mit 3,1 Millionen Euro bereits im negativen Bereich.

Der bulgarische Immobilienmarkt wird mittlerweile fast ausschließlich von der Inlandsnachfrage gestützt. Gleichzeitig kämpft die bulgarische Wirtschaft mit den Folgen der wirtschaftlichen Verlangsamung in Deutschland – ein wichtiger Handelspartner des Landes. Die Industrieproduktion Bulgariens ist im Vergleich zum Vorjahr um fast zehn Prozent zurückgegangen. Trotz dieser Rückschläge wächst die bulgarische Wirtschaft weiter, angetrieben durch den Dienstleistungssektor, den Inlandsverbrauch und EU-Fördermittel.

Einer der Hauptgründe für den massiven Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen liegt in der anhaltenden politischen Instabilität des Landes.

Seit mehr als dreieinhalb Jahren befindet sich Bulgarien in einer Krise, in der kurzlebige Parlamente immer wieder Änderungen an der Gesetzgebung vornehmen. Diese häufigen Anpassungen haben erhebliche Auswirkungen auf das Geschäftsklima und machen die potenziellen Vorteile niedriger Steuern und günstigerer Arbeitskräfte im Vergleich zu mitteleuropäischen Staaten zunichte.

Zusätzlich verpasst Bulgarien derzeit auch die Chance auf ausländische Investitionen. Die Zahlungen im Rahmen des fünf Milliarden Euro schweren Konjunktur- und Nachhaltigkeitsplans, der auf die grüne Transformation der bulgarischen Wirtschaft abzielt, sind blockiert – und damit auch die Chance, dringend benötigte internationale Gelder ins Land zu holen.

[Bearbeitet von Jeremias Lin/Kjeld Neubert]