Bulgarien leitet Ermittlungen gegen pro-russische Paramilitärs ein

Die Staatsanwaltschaft in Sofia hat die bulgarische Spionageabwehr angewiesen, Ermittlungen über die Aktivitäten einer mutmaßlich prorussischen paramilitärischen Organisation einzuleiten.

EURACTIV.bg
Sofia,,Bulgaria,-,4,Jan2017:,Special,Law,Enforcement,Unit.,Special
BNO Shipka und BND Shipka, zwei in Bulgarien registrierte Nichtregierungsorganisationen, stehen im Visier der Behörde, weil sie Verbindungen zu einer sogenannten Militärgewerkschaft, Levski, unterhalten und nach der russischen Annexion der Krim im Jahr 2014 in Bulgarien aktiver wurden. [Shutterstock/Belish]

Die Staatsanwaltschaft in Sofia hat die bulgarische Spionageabwehr angewiesen, Ermittlungen über die Aktivitäten einer mutmaßlich prorussischen paramilitärischen Organisation einzuleiten.

BNO Shipka und BND Shipka, zwei in Bulgarien registrierte Nichtregierungsorganisationen, stehen im Visier der Behörde, weil sie Verbindungen zu einer sogenannten Militärgewerkschaft, Levski, unterhalten und seit der russischen Annexion der Krim im Jahr 2014 in Bulgarien zunehmend aktiv geworden sind.

Es wird vermutet, dass die beiden Gruppen Freiwilligen eine Spezialausbildung durch russische Ex-Sondereinsatzkräfte anbieten, Anti-EU- und Anti-NATO-Propaganda betreiben und eine Rhetorik der Revolte gegen eine illegitime Regierung, des Verbots politischer Parteien sowie rassistische und antisemitische Verschwörungstheorien verbreiten, wie Recherchen von Bellingcat zeigen.

Sie kündigten nicht nur offen ihre Absicht an, die Verfassungsordnung des Landes zu ändern, sondern organisierten während der ersten Flüchtlingskrise auch eine Jagd auf syrische Einwander:innen auf dem Berg Strandja und verbreiteten während der Pandemie aktiv Fake News.

„Wir schützen die Interessen unserer europäischen und euro-atlantischen Partner. Wir können keinen böswilligen russischen Einfluss in Bulgarien zulassen“, sagte Generalstaatsanwalt Ivan Geshev. Weitere Informationen sollen nach Abschluss der Ermittlungen öffentlich gemacht werden.

Eine Person mit dem Pseudonym Lt. Walter Kalashnikov behauptet, der Anführer der Organisationen zu sein. Sein richtiger Name ist Doncho Rusev. Nach öffentlichen Angaben wurde er 1959 in dem Dorf Bulgarovo in der Provinz Burgas geboren, absolvierte eine Unteroffiziersschule in Schumen und diente bis 1981 als Unteroffizier bei der Panzerdivision in Aytos.

1996 trat Rusev als Inhaber der Sicherheitsfirma Walter Catani auf, er besitzt und besaß jedoch noch viele weitere Unternehmen, darunter eine Zeitung, einen Sexshop, Anlageberatung und Kryptowährungen, von denen die meisten gescheitert sind.

Außerdem steht er in Verbindung mit einer Facebook-Seite namens „Bulgarien und Russland – eine Geschichte, eine Sprache, ein Glaube, ein Volk“, die von der pro-russischen populistischen Partei Vazrazhdane genutzt wird, um Wahlkampfbotschaften und Werbung zu verbreiten.