Bulgarien als Steueroase für Griechen und Rumänen
Zahlreiche griechische und rumänische Unternehmen haben ihren Hauptsitz nach Bulgarien verlegt. Dort werden die Firmen mit niedrigen Unternehmenssteuersätzen angelockt. EURACTIV Rumänien berichtet.
Zahlreiche griechische und rumänische Unternehmen haben ihren Hauptsitz nach Bulgarien verlegt. Dort werden die Firmen mit niedrigen Unternehmenssteuersätzen angelockt. EURACTIV Rumänien berichtet.
Mehr als 272 rumänische Unternehmen haben sich inzwischen in Bulgarien registriert und reichen damit ihre Steuererklärung bei den bulgarischen Behörden ein. 2006 – ein Jahr vor Rumäniens und Bulgariens EU-Beitritt – waren nur 33 rumänische Firmen beim bulgarischen Fiskus gemeldet. Bulgariens niedriger Körperschaftssteuersatz von 10 Prozent hat diesen Abwanderungstrend offensichtlich gefördert. In Rumänien müssen Unternehmen derzeit 16 Prozent Unternehmenssteuer abführen.
Steuerparadies Bulgarien
Mehr als ein Drittel der rumänischen Unternehmen (insgesamt 93), die in Bulgarien registriert sind, haben ihren Firmensitz in der Grenzstadt Russe, die direkt an der Donau und 70 Kilometer von der rumänischen Hauptstadt Bukarest entfernt liegt. Weitere 93 Firmen haben ihren Hauptsitz in Bulgariens Hauptstadt Sofia im Landesinneren gemeldet und 22 in Varna, an der Schwarzmeerküste.
Griechische Steuerflucht
Die Zahl der griechischen Unternehmen, die in Bulgarien registriert sind, ist deutlich höher. Allein im vergangenen Jahr haben 2.072 griechische Unternehmen ihre Steuererklärungen in Bulgarien abgegeben. Die Körperschaftssteuer in Griechenland liegt derzeit bei 25 Prozent.
Weitere Faktoren
Der rumänischen Steuerbehörde zufolge seien in erster Linie die niedrigen Unternehmenssteuersätze ausschlaggebend dafür, dass immer mehr Unternehmen aus Rumänien ins Nachbarland abwandern. Aber auch der geringere Verwaltungsaufwand bei Unternehmensgründungen sei ein wichtiger Grund.
Experten verweisen zudem auf die makroökonomische Stabilität in Bulgarien und die Tatsache, dass die Landeswährung einen festen Wechselkurs zum Euro hat.
Zusätzlichen Erfolg versprechen sich Investoren von Bulgariens niedrigeren Löhnen und Renten. Der bulgarische Finanzminister Simeon Djankow glaubt allerdings, dass das nicht mehr lange so bleiben wird. Er erwartet Einkommensraten in Bulgarien, die diejenigen in Rumänien innerhalb der nächsten zwei Jahre übersteigen werden.
Bulgarien unter EU-Durchschnitt
Gegenüber dem privaten bulgarischen Fernsehsender "bTV" sagte Djankow, dass das Bruttosozialprodukt (BSP) pro Kopfin Bulgarien derzeit bei 43 Prozent des EU-Durchschnitts liege. In Rumänien liegt das BSP pro Kopf mit 45 Prozent des EU-Durchschnitt etwas höher.
Die Weltbank beziffert das Bruttosozialprodukt pro Kopf in Bulgarien auf jährlich 6.423 US-Dollar, verglichen mit 7.500 US-Dollar in Rumänien und 29.240 US-Dollar in Griechenland. Auch das BSP pro Kopf in Portugal liegt mit 21.903 US-Dollar deutlich unter dem BSP EU-Durchschnitt von 32.845 US-Dollar pro Jahr und Kopf.
Im Vergleich dazu liegt das BSP pro Kopf in Luxemburg bei 105.044 US-Dollar, in Dänemark bei 55.992 US-Dollar und 47.917 US-Dollar in den Niederlanden. Österreich hat mit 45.562 US-Dollar ein höheres BSP pro Kopf als Deutschland mit 40.670 US-Dollar und Großbritannien mit 35.165 US-Dollar.
Mindeststeuersätze gefordert
Mit seiner niedrigen Einkommens- und Unternehmenssteuersätzen von jeweils 10 Prozent ist Bulgarien zusammen mit Zypern und Ungarn das Land mit der niedrigsten Steuerlast innerhalb der EU. Bulgariens Finanzminister Djankow hält trotz des Aufrufs von Bundeskanzlerin Angelika Merkel und Frankreichs Präsident Nikolas Sarkozy an dem niedrigen Unternehmenssteuersatz fest.
Die EU-Kommission bemüht sich seit längerem um eine teilharmonisierte Unternehmensbesteuerung. Steuerkommissar Algirdas Šemeta hat dazu im März 2011 vorgeschlagen, die Bemessungsgrundlage bei der Körperschaftssteuer für grenzüberschreitend tätige Unternehmen zu vereinheitlichen (EURACTIV.de vom 16. März 2011).
Die Kommission erhofft sich davon grenzüberschreitendes Wachstum, warnt aber zugleich vor Steuerausfällen in den Mitgliedsstaaten. Die nationalen Steuersätze sollten daher nicht angetastet werden. Doch genau das befürchten Länder wie Irland, Rumänien oder Bulgarien. Länder wie Frankreich, Deutschland und Italien fordern dagegen ein Ende des Steuerdumpings und sprechen sich für europaweite Mindeststeuersätze aus.
EURACTIV/mas
Ein englischsprachiger Beitrag zu diesem Thema erschien auf EURACTIV.com.
Links
Dokumente
EU-Kommission: Datenbank "Taxes in Europe" (englisch)
EU-Kommission: Europäische Körperschaftsteuer-Bemessungsgrund-lage: Vereinfachungen und Kosteneinsparungen für die Wirtschaft. Pressemitteilung (16. März 2011)
EU-Kommission: Gemeinsame Steuerbemessungsgrundlage
Mehr zum Thema auf EURACTIV.de:
EU-Kommission: Einheitliche Bemessungsgrundlage für Körperschaftsteuer (16. März 2011)