Brüssel strebt stärkere Regulierung des Terminmarkts an [DE]

Die Europäische Kommission plant einen „Paradigmenwechsel“ in ihrer Vorgehensweise gegenüber dem Terminmarkt: Nach einem Entwurf, den EURACTIV gesehen hat, strebt sie eine strengere Regulierung dieses Sektors an, dem vorgeworfen wurde, er habe die Finanz- und Wirtschaftskrise verstärkt.

Die Europäische Kommission plant einen „Paradigmenwechsel“ in ihrer Vorgehensweise gegenüber dem Terminmarkt: Nach einem Entwurf, den EURACTIV gesehen hat, strebt sie eine strengere Regulierung dieses Sektors an, dem vorgeworfen wurde, er habe die Finanz- und Wirtschaftskrise verstärkt.

„Die Kommission ist der Ansicht, dass ein Paradigmenwechsel dahingehend stattfinden muss, dass wir uns von der traditionellen Ansicht lösen, dass Derivate finanzielle Instrumente für die professionelle Nutzung sind, für die eine leichte Regulierung als ausreichend angesehen wurde“, so ein Mitteilungsentwurf über Derivate, der diese Woche veröffentlicht werden soll.

Dem Dokument zufolge muss eine zukünftige Regulierung des Sektors „zu einem Ansatz führen, bei dem die Gesetzgebung es den Märkten ermöglicht, Risiken angemessen zu bewerten.“ Eine Reihe gesetzlicher Maßnahmen solle im Laufe des Jahres 2010 vorgeschlagen werden, so das Dokument weiter.

Bevorstehende EU-Regulierungen werden sich zunächst dem Handel mit Derivaten widmen. Brüssel wird Maßnahmen vorschlagen, die den bilateralen Direktaustausch von Derivaten hemmen sollen, einem Handelsbrauch, von dem man glaubt, dass er zu undurchsichtigen Preisen führt und Risiken für die Finanzmärkte als Ganzes erhöht. 

Zentrale Clearingstellen

Um die Sicherheit innerhalb des Sektors zu erhöhen, schlägt die Kommission die Gründung zentraler europäischer Clearingstellen vor. Bei einem solchen System werden Derivate über einen Zwischenhändler abgewickelt anstatt bilateral getauscht zu werden.

Dies kommt der Transparenz zugute und liefert einen größeren Schutz vor Vertragsverletzungen. Die Kommission wird Gesetzgebung vorschlagen um die Arbeit von Clearingstellen in Europa zu vereinheitlichen, damit diese auf europäischer Ebene arbeiten können. Aufsicht und Genehmigung werden der vorgeschlagenen Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde (ESMA) obliegen.

Der Markt für Direktgeschäfte wird zwar nicht verboten werden, aber er wird stärker reguliert und zusätzlichen Kosten unterworfen. Tatsächlich strebt Brüssel offen an, „den Unterschied zwischen den Kapitalgebühren für zentral abgewickelte und bilateral abgewickelte Verträge, den die Kapitalanforderungsrichtlinie (CRD) beinhaltet, zu erhöhen.“

Eine Überprüfung der existierenden Regulierung wird 2010 angestrebt, um dieses aufkommende Interesse zu berücksichtigen, so der Mitteilungsentwurf über Derivate. „Finanzfirmen [die mit Derivaten handeln] müssen eine höhere Summe an Sicherheiten halten, um ihre Risiken zu decken“, fügt der Entwurf hinzu.

Der direkte Handel wird auch substanziellen Berichterstattungspflichten unterliegen, und Handelsdepots werden eingerichtet um dieses Ziel zu erreichen. Es wird erwartet, dass dies die Kosten der bilateralen Geschäfte erhöht und zentralisierte Geschäfte damit attraktiver macht.

Für standardisierte Derivate schlägt die Kommission stattdessen ein obligatorisches zentrales Clearing vor. Jedoch werde auf internationaler Ebene immer noch darüber diskutiert, „welche Verträge als standardisiert für zentrales Clearing angesehen werden können“, so der Dokumententwurf.