Bruch mit Russland: Osteuropäer bauen Denkmäler aus der Sowjetzeit ab
Der Ukraine-Krieg hat heftige Debatten darüber ausgelöst, was mit den Denkmälern aus der UdSSR-Zeit geschehen soll.
Der Ukraine-Krieg hat heftige Debatten darüber ausgelöst, was mit den Denkmälern aus der UdSSR-Zeit geschehen soll.
Panzer, Statuen, Denkmäler für Soldaten der Roten Armee: Die Sowjetära ist in den baltischen Staaten und anderen ehemals sozialistischen Ländern allgegenwärtig.
Vor diesem Hintergrund haben die Abgeordneten der baltischen Länder beschlossen, Denkmäler zu entfernen, die an die sowjetischen Soldaten erinnern, die während des Zweiten Weltkriegs gegen das nationalsozialistische Regime von Deutschland kämpften.
Doch nicht alle Einwohner:innen sind damit einverstanden – insbesondere nicht die russischsprachige Minderheit.
Estland: „Ein Panzer ist eine Mordwaffe, kein Denkmal“
Es ist Zeit für das Museum: Am Dienstag entfernten die Behörden ein umstrittenes Denkmal eines sowjetischen Panzers außerhalb der Stadt Narva, die an der Grenze zwischen Estland und Russland liegt und überwiegend von ethnischen Russen bewohnt wird.
Die Entfernung des Denkmals war besonders umstritten, und die Behörden hatten sich zunächst gegen seine Verlegung ausgesprochen. Das Argument war, dass die örtliche Bevölkerung das Denkmal als Teil der Identität der Stadt betrachtete.
Das Denkmal wurde in das Estnische Kriegsmuseum, etwa 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Tallinn, verlegt. Sechs weitere Denkmäler aus der Sowjetzeit wurden ebenfalls entfernt.
Die Regierung in Tallinn hatte grünes Licht für die Räumung sowjetischer Denkmäler auf öffentlichen Plätzen in dem baltischen EU- und NATO-Land gegeben.
Die estnische Ministerpräsidentin Kaja Kallas erklärte, ein Panzer sei eine Mordwaffe, kein Denkmal, und dieselben Panzer töteten gerade jetzt Menschen auf den Straßen der Ukraine.
Insgesamt sollen rund 400 Denkmäler abgebaut werden.
Lettland: Geteilte Meinung
Viele Letten halten das sowjetische Siegesdenkmal in der Hauptstadt Riga für nicht mehr tragbar, aber für große Teile der russischsprachigen Bevölkerung des Landes hat es nach wie vor eine große Bedeutung.
Anfang dieses Jahres verabschiedeten lettische Abgeordnete ein Gesetz, das den Abbau aller Denkmäler und anderer Objekte, von denen einige als Verherrlichung des Sowjetregimes angesehen werden, bis zum 15. November anordnet. Etwa 69 Objekte fallen in diese Kategorie.
Das Siegesdenkmal war 1985 anlässlich des 40. Jahrestages des sowjetischen Sieges über NS-Deutschland errichtet worden und erhielt den offiziellen Namen „Denkmal für die Befreier des sowjetischen Lettlands und Rigas von den deutschen faschistischen Invasoren.“
Litauen: Namen gefallener Soldaten bleiben erhalten
In Litauen gab es auch eine hitzige Debatte über die Denkmäler aus der Sowjetzeit.
Im Juli wurde mit dem Abbau eines Denkmals begonnen, das zum Gedenken an den Sieg der Sowjetarmee errichtet worden war. Was bleibt, sind die Teile, auf denen die Namen gefallener sowjetischer Soldaten eingraviert sind.
Ursprünglich hatten Expert:innen der örtlichen Behörde vorgeschlagen, lediglich Elemente wie das Schwert oder den fünfzackigen Stern zu entfernen.
Finnland: Geteert und gefedert
Auch in Finnlands Hauptstadt Helsinki ist die Debatte um die Denkmäler aus Moskau in vollem Gange.
Anfang August wurde das sogenannte „Weltfriedensdenkmal“ vom Kunstmuseum Helsinki entfernt und eingelagert. Es war ein Geschenk der Sowjetunion aus dem Jahr 1989 und wurde 1990 erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Die Skulptur ist eine von vielen Kopien, aber die einzige außerhalb der ehemaligen Sowjetunion.
Ihre Aufstellung war von Anfang an umstritten: 1991 wurde sie von Studierenden geteert und gefedert. Im Jahr 2010 scheiterte ein Versuch, sie in die Luft zu sprengen.
Deutschland: Pflicht zur Denkmalpflege
Die Denkmäler aus der Sowjetzeit in Ostdeutschland waren ebenfalls Gegenstand lebhafter Debatten. Einige sind mutwillig zerstört worden, andere wurden mit Fahnen umwickelt.
Im März dieses Jahres forderte die CDU-Abgeordnete Stefanie Bung die Entfernung von Geschützen und Panzern von einem Denkmal in Berlin, doch der Senat der Stadt lehnte ihren Antrag ab.
In Dresden schrieb im selben Monat der FDP-Politiker Stefan Scharf auf Twitter, das sowjetische Ehrenmal könne nicht in seiner Stadt bleiben.
„Nicht wegen 1945, sondern wegen 1953, 1968 und 2022“, sagte er. Die 1. Gardepanzerarmee der UdSSR, die bis 1993 in Dresden stationiert war, war an der Niederschlagung des ostdeutschen Aufstandes von 1953 und des Prager Frühlings von 1968 beteiligt.
Doch dieser Aufruf stieß auf taube Ohren. Nach dem Zwei-plus-Vier-Vertrag, der 1990 zwischen der BRD, der DDR und den vier großen Siegermächten des Zweiten Weltkriegs geschlossen wurde, ist Deutschland verpflichtet, sowjetische Denkmäler auf seinem Gebiet zu respektieren und zu erhalten.
Im ostdeutschen Stralsund wurde ein anderer Weg gesucht. Das Bronzerelief eines sowjetischen Denkmals, das im Rahmen einer Restaurierung im Februar entfernt worden war, wurde zuvor erst vor kurzem restauriert. Von offizieller Seite hieß es jedoch, dass der russische Angriff auf die Ukraine nichts mit der Restaurierung zu tun habe.