Britische Eierproduktion bricht zusammen: Supermärkte ringen um EU-Lieferungen
Der britische Eiermarkt hat mit einem der schlimmsten Ausbrüche der Vogelgrippe zu kämpfen und droht unter dem Druck steigender Kosten zusammenzubrechen. Supermärkte im Land haben Eier rationiert und hoffen auf Lieferanten aus der EU, um die Lücke zu füllen.
Der britische Eiermarkt hat mit einem der schlimmsten Ausbrüche der Vogelgrippe aller Zeiten zu kämpfen und droht unter dem Druck steigender Kosten zusammenzubrechen. Supermärkte im Land haben bereits Eier rationiert und hoffen auf Lieferanten aus der EU, um die Lücke zu füllen.
Nach Angaben des British Egg Industry Council hat die Kombination aus steigenden Energiekosten und der zusätzlichen Belastung des Angebots zu einer Knappheit an Eiern in den Supermärkten des Vereinigten Königreichs geführt.
Diese Belastung ist auf die Zwangskeulung von Hunderttausenden von Hühnern infolge von Vogelgrippe-Fällen zurückzuführen.
„Viele Eierproduzenten hatten keine andere Wahl, als die Produktion aufzugeben, um nicht das Risiko einzugehen, mit jedem produzierten Ei Geld zu verlieren“, erklärte der Verband gegenüber EURACTIV.
„Sobald der Kostendruck nachlässt, erwarten wir zwar, dass sich das Angebot wieder normalisiert, wir wissen aber nicht, wann das sein wird. Die Eierverpacker und -produzenten verlieren weiterhin Geld“, warnte Andrew Joret, Vorsitzender des British Egg Industry Council.
Der britische Bauernverband NFU (National Farmers‘ Union) hat angesichts der Situation eine dringende Untersuchung des Ministeriums für Umwelt, Ernährung und ländliche Angelegenheiten (DEFRA) gefordert, um zu bestimmen, ob die Ausrufung sogenannter „außergewöhnliche Marktbedingungen“ gerechtfertigt sein könnte.
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Mehr Importe aus der EU?
Die Versorgungsprobleme haben einige britische Einzelhändler dazu veranlasst, sich an Lieferanten aus der EU zu wenden, um den Mangel an Eiern auszugleichen. Bei den britischen Landwirt:innen hat der Schritt Empörung ausgelöst.
So forderte die Britische Organisation für Eier aus Freilandhaltung (BFREPA) in einer Erklärung ein Dringlichkeitstreffen mit der britischen Supermarktkette Sainsbury’s, nachdem diese bestätigt hatte, aus Italien importierte Eier auf Lager zu haben.
Freilandeier sind von den obligatorischen Aufstallungsmaßnahmen im Vereinigten Königreich zur Eindämmung der Vogelgrippe besonders hart getroffen worden.
Nach derzeitigem Stand der Dinge ist es Produzenten erlaubt, Eier bis zu 16 Wochen lang unter dem Label Freilandhaltung zu vermarkten. Danach verlieren sie die Bezeichnung – und die damit verbundene Prämie.
Die Supermarktkette hatte sich zuvor verpflichtet, nur Eier von britischen Lieferanten zu kaufen, erklärte jedoch, dass sie vorübergehend Eier aus Italien beziehe, um die Verfügbarkeit des Produktes zu sichern. Die Herkunft sei jedoch klar auf dem Etikett verzeichnet.
Die britischen Hersteller:innen zeigten sich jedoch nicht überzeugt.
„Italienische Eier in den Regalen zu sehen, ist ein Weckruf für alle Einzelhändler: Sie können nicht erwarten, dass die Landwirte umsonst arbeiten“, sagte Robert Gooch, BFREPA-Geschäftsführer. Er beklagte die Tatsache, dass der Durchschnittspreis für ein Dutzend Eier in den Supermärkten um etwa 50 Pence (0,58 Euro) gestiegen sei, während einige Landwirt:innen nur von einer Preiserhöhung von fünf bis 10 Pence (0,12 Euro) profitierten.
Robin Manning, Direktor des in Brüssel ansässigen British Agriculture Bureau (BAB), erklärte jedoch, es sei nur ein begrenzter Anstieg der Importe vom Festland zu erwarten.
„Dies wird wahrscheinlich nicht zu einem massiven Zufluss von Importen aus der EU führen“, sagte er gegenüber EURACTIV. Die britischen Kund:innen seien einheimischen Eiern nach wie vor sehr treu.
Für Manning handele es sich weniger um eine Eierknappheit als um eine „vorübergehende Verknappung“ des Sektors. Er erklärte, dass es derzeit genug Eier gebe, um die Nachfrage zu decken, aber „keinen Überfluss.”
Er zeigte sich jedoch beeindruckt von der Ernsthaftigkeit der „beispiellosen“ Situation, die mit einer erhöhten Nachfrage nach Eiern in der Vorweihnachtszeit zusammenfällt.
„Es ist ein ernstes Problem – viele Eiererzeuger reduzieren ihre Produktion oder beschließen, sie ganz zu beenden“, warnte er. Er fügte hinzu, es sei schwer zu sagen, ob es sich dabei um eine „neue Dynamik“ handele, mit der sich Sektor langfristig befassen müsse.
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[Bearbeitet von Alice Taylor]