BMW befürwortet E-Fuels für emissionsfreie Autos

Elektrokraftstoffe aus grünen Energiequellen könnten in den kommenden Jahren eine Rolle bei der Dekarbonisierung des Straßenverkehrs spielen und andere saubere Antriebstechnologien wie die elektrische Energie ergänzen, so der deutsche Automobilhersteller BMW.

Euractiv.com
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Eine Flotte von BMW-Fahrzeugen. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/kiev-ukraine-october-14-2016-bmw-541248385" target="_blank" rel="noopener">Roman.S-Photographer/Shutterstock.com</a>]

Synthetische Kraftstoffe, hergestellt mit grünem Strom, sogenannte E-Fuels, könnten in den kommenden Jahren eine Rolle bei der Dekarbonisierung des Straßenverkehrs spielen und andere saubere Antriebstechnologien wie Elektroautos ergänzen, so der deutsche Automobilhersteller BMW.

Während Automobilhersteller auf der ganzen Welt massiv auf Elektromobilität umstellen, gehört BMW zu den wenigen, die im Rahmen eines „technologieneutralen“ Ansatzes für emissionsfreie Fahrzeuge noch in den Verbrennungsmotor investieren.

„Technologieoffen zu sein schließt E-Fuels mit ein“, so Peter Lehnert, Vizepräsident für Forschung und neue Technologien bei der BMW Group, gegenüber EURACTIV.

„Ich denke jedoch, dass es noch viel Forschungsarbeit zu leisten gibt, um das Potenzial auszuschöpfen, damit [E-Fuels] eine wichtige Rolle im gesamten Energiemix spielen“, fügte er hinzu.

„Ich denke, es ist immer gut, verschiedene Möglichkeiten zu haben. Wir investieren in den Verbrennungsmotor, da sich hier in Zukunft Chancen ergeben könnten. Für die urbane Mobilität bin ich mir sicher, dass sie elektrisch sein wird“, sagte er.

Lehnert sprach in Lissabon, wo derzeit die Transport Research Arena (TRA) stattfindet, die größte europäische Forschungs- und Technologiekonferenz zu Verkehr und Mobilität.

Synthetische Kraftstoffe

E-Fuels werden durch Elektrolyse aus Wasserstoff gewonnen, wobei ein elektrischer Strom zur Trennung von Wasserstoff- und Sauerstoffmolekülen verwendet wird. Durch Zugabe von CO2 wird der Kraftstoff kompatibel mit den Verbrennungsmotoren der heutigen Generation.

Wenn das CO2 bei der Herstellung der Atmosphäre entzogen und bei der Verbrennung des Kraftstoffs wieder freigesetzt wird, bleibt der Nettogehalt an CO2 in der Atmosphäre unverändert, sodass der Kraftstoff CO2-neutral ist.

Um als umweltfreundlich eingestuft zu werden, darf der energieintensive Herstellungsprozess der E-Fuels nur mit erneuerbaren Energiequellen, etwa Solar- und Windenergie, erfolgen.

„Letztendlich müssen E-Fuels mit Ökostrom hergestellt werden, sonst entsprechen sie nicht unsren Zielen des europäischen Green Deals“, so Lehnert.

Mit Blick auf die Zukunft des Straßenverkehrs sagte Lehnert, es wäre ein Fehler, eine Technologie zu wählen und andere auszuschließen.

„Wir haben Wasserstoff erwähnt, es könnten auch E-Fuels sein. Ich denke, es geht nicht darum, sich nur auf eine Technologie zu konzentrieren, das stellt wirklich ein hohes Risiko dar“, fügte er hinzu.

Lehnert sagte, dass die BMW Group, zu der die Marken BMW, Mini und Rolls-Royce gehören, offen für Energiequellen ist, die die Emissionen von Fahrzeugen reduzieren können.

„Die Erforschung von E-Fuels ist definitiv lohnenswert, aber wir müssen auf die Ausgewogenheit des richtigen Energiemixes achten“, sagte er.

BMW hat in die Produktion von Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeugen investiert und sich damit von den meisten Konkurrenten abgesetzt, die sich eher auf batterieelektrische Fahrzeuge konzentrieren.

Die Möglichkeit, ein wasserstoffbetriebenes Fahrzeug schnell zu betanken, sei ein „echter Vorteil“ im Vergleich zu Elektrofahrzeugen, sagte Lehnert.

„Besonders für lange Strecken ist Wasserstoff etwas, das sich anbietet“, fügte er hinzu.

Auf die Frage nach dem kürzlich veröffentlichten Euro-7-Vorschlag der EU, der eine weitere Verschärfung der Abgasnormen für Fahrzeuge vorsieht, sagte Lehnert, dass es „gut ist, ein gemeinsames Ziel zu haben“ und dass die Erfolgsbilanz des Unternehmens bei früheren Normen zeige, dass es „zielorientiert“ sei.

„Wir nehmen diese Ziele an und sind wirklich überzeugt, dass wir sie erreichen werden“, sagte er.

Lehnert sprach am Dienstag (15. November) auf der Konferenz der Transport Research Arena in Lissabon mit der Presse. Die von BMW unterstützte Veranstaltung bringt Forscher:innen, politische Entscheidungsträger:innen und die Industrie zusammen, um über Innovation und Nachhaltigkeit im Verkehrssektor zu diskutieren.

Die Rolle von E-Fuels im Straßenverkehrssektor ist umstritten. Umweltschützer:innen kritisieren die Unterstützung von E-Fuels als Argument für die Verlängerung der Lebensdauer des Verbrennungsmotors.

Stattdessen fordern sie einen schnelleren Umstieg auf Elektroautos, die ihrer Meinung nach die sauberste Art des Fahrens darstellen.

Gemäß einer kürzlich erzielten Einigung auf EU-Ebene soll der Verkauf von umweltschädlichen Fahrzeugen ab 2035 in der EU verboten werden.

Eine unverbindliche Erwägungsklausel im Gesetzestext verpflichtet die Europäische Kommission jedoch, 2026 eine Studie über die Möglichkeit der Verwendung CO2-neutraler Kraftstoffe, wie z. B. E-Feuls, durchzuführen, um die Umweltziele für den Straßensektor zu erreichen.

Sollte die Kommission zu dem Schluss kommen, dass E-Fuels mit den europäischen Klimazielen in Einklang stehen, wird dies nach Ansicht mancher eine Gnadenfrist für den Verbrennungsmotor bedeuten.

Befürworter:innen von E-Fuels stellen sie außerdem als Mittel zur Dekarbonisierung der Bestandsflotte von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren dar, die noch jahrzehntelang auf Europas Straßen unterwegs sein werden, unabhängig von den Vorschriften für neue Fahrzeuge ab 2035.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]