Bislang unveröffentlichter Bericht enthüllt Schäden durch Biodiesel
Biokraftstoffe wie Biodiesel aus Sojabohnen können bis zu vier Mal mehr klimaschädliche Emissionen schaffen als herkömmlicher Diesel oder Benzin, so ein EU-Dokument, das unter Gesetzen zur Informationsfreiheit veröffentlicht wurde.
Biokraftstoffe wie Biodiesel aus Sojabohnen können bis zu vier Mal mehr klimaschädliche Emissionen schaffen als herkömmlicher Diesel oder Benzin, so ein EU-Dokument, das unter Gesetzen zur Informationsfreiheit veröffentlicht wurde.
Die Europäische Union hat sich selbst das Ziel gesetzt, bis zum Ende des Jahrzehnts 10 Prozent der Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien, zumeist Biokraftstoffen, zu erhalten, doch ist mittlerweile besorgt über ungewollte Umwelteinflüsse.
Vier wesentliche Studien werden zurzeit erstellt.
Die hauptsächliche Angst ist, dass die Produktion von Biokraftstoffen Getreide aus globalen Erzeugnissen nutzt und so Lebensmittelpreise steigen lässt und Bauern ermutigt, tropische Wälder für neues Anbauland abzuholzen.
Wälder abzubrennen setzt große Mengen von Kohlendioxid frei und macht so oft den Klimanutzen der Biokraftstoffe ungeschehen.
Biodiesel von nordamerikanischen Sojabohnen hat eine indirekte CO2-Bilanz von 339,9 Kg CO2 pro Gigajoule – vier Mal mehr als gewöhnlicher Diesel – so das EU-Dokument, das aus dem Anhang eines im Dezember veröffentlichten Berichtes entfernt worden war der jetzt für Kontroverse sorgt.
Die Bearbeitung des Berichts brachte eines der beratenden Unternehmen, das deutsche Fraunhofer Institut, dazu, ihren Beitrag in einem Haftungsausschluss teilweise zu widerrufen.
Nachdem Reuters unter Berufung auf das Gesetz über die Auskunftspflicht öffentlicher Einrichtungen eine Kopie erhielt, ist der Bericht mittlerweile zugänglich.
Die EU-Exekutive Europäische Kommission sagte, dass es den Bericht nicht verändert hatte um Beweise zu vertuschen, sondern um eine eingehendere Analyse vor der Veröffentlichung zu ermöglichen.
"Angesichts der abweichenden Sichten und der Komplexität des Themas […] wurde es als besser erachtet, die umstrittene Analyse nicht in den Bericht einzuschließen", so die Kommission in einer Mitteilung. "Die in dieser Studie angefertigte Analyse wendet ein methodologisches Vorgehen an, das von vielen nicht als angemessen gewertet wird."
Wissenschaftliche Neutralität
Der Nachsatz verleiht dem wachsenden Dossier, das angibt, Biokraftstoffe – sogar die fortgeschrittene zweite Generation aus Holzschnitzeln – könnten weniger umweltfreundlich sein als ehemals angenommen, an Gewicht.
"Zum dritten Mal in sechs Wochen ist die [Europäische] Kommission gezwungen, Studien über die Klimaeffekte von Biokraftstoffen zu freizugeben", sagte Nusa Urbancic von T&E, einer Kampagnengruppe für grünen Transport.
"Und zum dritten Mal zeigen diese Studien, dass die Landnutzung der wichtigste Faktor ist in der Entscheidung, ob Biokraftstoffe sinnvoll sind oder nicht."
Biodiesel aus europäischem Raps hat eine indirekte CO2-Bilanz von 150,3 Kg CO2 pro Gigajoule, während Bioethanol aus europäischen Zuckerrüben bei 100,3 Kg liegt – beide sind damit wesentlich höher als konventioneller Diesel oder Benzin, die bei etwa 85 Kg liegen.
Im Gegensatz dazu kriegen Importe von Bioethanol aus lateinamerikanischem Zuckerrohr und Palmöl aus Südostasien eine relativ gute Bewertung von der Studie und liegen bei jeweils 82,3 und 73,6 Kg.
Aber einer der Wissenschaftler, die an der Studie arbeiteten, warnte davor, dass noch viel zu tun sei, bevor man die Frage richtig verstehe, und dass keine festen Schlüsse zu den unterschiedlichen Qualitäten verschiedener Quellen von Biokraftstoff gezogen werden könnten.
“Das wichtigste ist, dass wir mehr daran arbeiten müssen, neue Nachhaltigkeitskriterien zu finden und sehr vorsichtig sein müssen bezüglich der Herkunft von Biosprit”, sagte Wofgang Eichhammer vom Fraunhofer Institut.
“Wir müssen auch einen Weg finden, die ineffizienten Biokraftstoffe auszuschließen.”
Eichhammer sagte, er habe sein Anliegen, die Neutralität der Wissenschaft zu beschützen,mit dem Haftungsausschluss klar gemacht und unterstrich den Wert der laufenden Kommissionsstudien zu dem Thema.
EURACTIV mit Reuters.