Berlin will Einfluss bei EADS sichern
Die Bundesregierung will die sorgsam austarierten Machtverhältnisse bei Europas größtem Luftfahrtkonzern EADS beibehalten. Für Deutschland geht es um eine Zukunftstechnologie.
Die Bundesregierung will die sorgsam austarierten Machtverhältnisse bei Europas größtem Luftfahrtkonzern EADS beibehalten. Für Deutschland geht es um eine Zukunftstechnologie.
Im kommenden Jahr könnten sich die Eigentümerstruktur und damit die Machtbalance bei EADS ändern. Die deutsche Regierung ist nicht direkt an EADS beteiligt, deutsche Interessen werden momentan aber über die Daimler AG (15 Prozent) und eine Bankengruppe unter Beteiligung der staatlichen KfW (7,5 Prozent) vertreten.
Mitte 2010 läuft ein Vorkaufsrecht der Bundesregierung an den Aktien der Bankengruppe aus. Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze (CDU), Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, empfiehlt, dass der deutsche Anteil am Konzern auch danach gleich hoch bleibt wie der französische. Dies bekräftigte er am 12. August bei der Vorstellung der Bilanz seiner Arbeit in Berlin. Wie die neue Konstruktion zur Wahrung deutscher Interessen aussehen wird, ist aber noch unklar.
Luftfahrt im Umbruch
Die Luftfahrtindustrie steht weiterhin vor großen Herausforderungen.
Zum einen findet ein Wandel bei der Matierial-Technologie statt – weg vom Metall hin zum Kunststoff. Der "Dreamliner" von Boeing und der geplante A350 von Airbus basieren wesentlich auf "kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff" (CFK). Allerdings macht die Technologie gewaltig Probleme. Boeing hat den Erstflug seines Dreamliners im Juni bereits zum fünften Mal verschoben und liegt zwei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan.
Zum anderen hat in der Luftfahrtindustrie über Jahre hinweg ein "Outsourcing"-Prozess stattgefunden. Um das "Outsourcing" zu überleben und die entscheidende CFK-Technologie in Deutschland zu halten, habe die Bundesregierung in den vergangenen Jahren eine "aggressive" Industriepolitik betrieben, so Hintze.
Die deutschen EADS-Werke in Nordenham, Varel (beide Niedersachsen) und Augsburg (Bayern) wurden mittlerweile in eine Konzerntochter ausgegliedert. Sie werden in Zukunft Flugzeugrümpfe aus Kunststoff für Airbus und den großen Konkurrenten Boeing bauen, auch für den Dreamliner. Für Wirtschaftsstaatssekretär Hintze ist die Entwicklung der CFK-Technologie auch deshalb wichtig, weil sie zukünfig auch in anderen Bereichen wie der Autobranche zum Einsatz kommen könnte.
Schwierige Standortfragen
Im EADS-Konzern ringen Deutsche und Franzosen regelmäßig mehr oder minder aggressiv darum, wer das Führungspersonal stellt und welcher Standort, welche Aufgaben übernimmt. Jüngst hat man sich darauf geeinigt, dass die Endmontage des A320-Nachfolgers ("A30X") nach Hamburg geht. Toulouse erhält dafür ab 2013 die Endmontage des A350. Sollten sich die Eigentumsverhältnisse zugunsten der einen oder anderen Seite ändern, könnte die über Jahre sorgsam austarierte Machtbalance im europäischen Luftfahrtkonzern erneut durcheinander geraten.
awr