Berlin und die Opel-Entscheidung
Der Verwaltungsrat von General Motors (GM) hat Medienberichten zufolge einen Beschluss über die Zukunft von Opel gefasst und informiert heute in Berlin die Bundesregierung durch GM-Chefunterhändler John Smith. Am Nachmittag sollten Einzelheiten in einer Pressekonferenz bekannt gegeben werden - die Bundespressekonferenz wartete indes vergeblich. Die Opel-Mitarbeiter bereiten sich auf einen Protest-Freitag vor.
Der Verwaltungsrat von General Motors (GM) hat Medienberichten zufolge einen Beschluss über die Zukunft von Opel gefasst und informiert heute in Berlin die Bundesregierung durch GM-Chefunterhändler John Smith. Am Nachmittag sollten Einzelheiten in einer Pressekonferenz bekannt gegeben werden – die Bundespressekonferenz wartete indes vergeblich. Die Opel-Mitarbeiter bereiten sich auf einen Protest-Freitag vor.
Ins "Monopely" kommt Bewegung. Das Ergebnis des GM-Beschlusses von Detroit wird der Öffentlichkeit heute erst mitgeteilt, nachdem die deutsche Regierung und das deutsche Tochterunternehmen informiert worden sind.
Das Wann sorgte allerdings für Spannung. Vorgesehen war, dass die Pressekonferenz am frühen Nachmittag im Saal der Bundespressekonferenz in Berlin stattfindet. Doch dort warteten die Organisatoren auch am späten Mittag noch vergeblich auf ein Lebenszeichen seitens General Motors. ´
Das wiederum bietet Anlass für weitere Spekulationen. So soll Opel nun doch an einen Investor verkauft werden. Nunmehr ist geplant, dass GM-Manager John Smith und der Vorsitzende der Opel-Treuhandgesellschaft, Fred Irwin, um 16.15 Uhr vor die Presse treten und eine Entscheidung über die Mehrheitsübernahme durch einen Investor verkünden.
Bis dahin herrscht Rätselraten. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" könnten bei einem Verbleib von Opel bei GM bis zu drei Opel-Werke geschlossen werden. Dabei handele es sich zum einen um die Standorte in Bochum und Antwerpen. Zum anderen sei auch die Zukunft des Opel-Werks in Eisenach (Thüringen) ungewiss, sollte sich kein Käufer finden, hieß es. In Deutschland hat Opel insgesamt vier Standorte.
Nach monatelangem Tauziehen um Opel schien es am Donnerstagvormittag am wahrscheinlichsten, dass Opel bei GM bleiben könnte. Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster sagte der Zeitschrift "Auto, Motor und Sport", der neue GM-Verwaltungsrat sei "offensichtlich der Auffassung, dass Opel doch eine sehr wichtige Marke für GM ist und Europa ein sehr wichtiger Markt".
Steinbrück: "Kredit ist Kredit"
Zur Variante, dass Opel bei den Amerikanern bleibt, sagte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "In meinen Augen heißt das zweierlei: Die 1,5 Milliarden Euro Überbrückungshilfe sind ein Kredit. Und ein Kredit ist ein Kredit." Die 1,5 Milliarden Euro müsste GM unter den Konditionen, die man Opel eingeräumt habe, zurückzahlen.
Bei allen Entscheidungen gegen den österreichisch-kanadischen Autokonzern Magna würde die Arbeitnehmerseite Widerstand äußern, kündigte der Opel-Betriebsrat bereits an. Falls heute eine andere Entscheidung als die für Magna verkündet werde, würden morgen, Freitag, „sehr viele Menschen“ zum Opel-Werk nach Eisenach reisen und die dortige Niederlassung "mit einer Menschenkette schützen". Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sagte, sollte der Verwaltungsrat gegen Magna oder gar nicht entscheiden, würden Opel-Arbeiter aus ganz Deutschland in Eisenach demonstrieren. Dieses Werk sei 1990 als „Symbol der Freiheit“ aufgebaut worden.
ekö