Berlin hält Rennen um IWF-Chefposten offen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hegt Sympathien für Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde. Das heißt aber noch lange nicht, dass Berlin Lagardes Kandidatur für den IWF-Chefposten unterstützt.

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde gilt als mögliche Kandidatin für die IWF-Spitze. Auf die offizielle Unterstützung aus Berlin muss sie noch warten. Foto: Der Rat der Europäischen Union (Archiv).
Die französische Finanzministerin Christine Lagarde gilt als mögliche Kandidatin für die IWF-Spitze. Auf die offizielle Unterstützung aus Berlin muss sie noch warten. Foto: Der Rat der Europäischen Union (Archiv).

Bundeskanzlerin Angela Merkel hegt Sympathien für Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde. Das heißt aber noch lange nicht, dass Berlin Lagardes Kandidatur für den IWF-Chefposten unterstützt.

Die Bundesregierung hält sich weiterhin offen, wen sie als Nachfolger von  Dominique Strauss-Kahn an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) unterstützt. "Es ist noch keine Entscheidung gefallen", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Als Nachfolgerin wird derzeit Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde gehandelt (EURACTIV.de vom 19. Mai 2011). Seibert sagte, Lagarde sei eine "international hoch angesehene finanzpolitische Persönlichkeit". Bundeskanzlerin Angela Merkel habe sich aber noch nicht auf Lagarde festgelegt. Wichtig sei die Besetzung mit einem europäischen Kandidaten. Merkel selbst sagte am Freitag, sie schätze Lagarde schon länger sehr. 

Die IWF-Führung soll kommenden Montag ein Thema sein, wenn Merkel mit Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker in Berlin zusammentrifft.

Ob Berlin doch noch einen eigenen Bewerber ins Rennen schickt, bleibt offen. Zuletzt war Deutschland bei der Besetzung des Chefpostens der Europäischen Zentralbank (EZB) leer ausgegangen. Neuer EZB-Chef wird der Italiener Mario Draghi. Der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber verzichtete auf eine Kandidatur. Beobachtern zufolge vermisste Weber den Rückhalt der Kanzlerin. 

Seibert reagierte leicht gereizt auf den Vorwurf, Deutschland würde bei der Besetzung von internationalen Spitzenposten immer wieder ins Hintertreffen geraten. Der deutsche Einfluss in internationalen Gremien sei so groß, wie er sein müsse. Es sei ein Fehler, pauschal über internationale Stellenbesetzungen der vergangenen Jahre zu urteilen, dass Deutschland immer nur den Mund gespitzt aber nicht gepfiffen habe. "Jeder Fall liegt anders", so Seibert. Ex-Bundesbankchef Weber habe selbst entschieden, nicht für weitere Ämter zur Verfügung zu stehen. Auf die Frage, ob es nicht an der Zeit wäre, dass Deutschland wieder einen Spitzenposten erhalte, sagte der Regierungssprecher: "Der Tag wird kommen."

Beeinträchtigt wird Lagardes mögliche Kandidatur durch einen drohenden Prozess wegen Amtsmissbrauchs.

awr

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