Bericht: Kaum Fortschritte beim ökologischen Bauen in der EU [DE]

Die EU-Länder hätten die Regelungen zur Verbesserung der Energie-Effizienz von Gebäuden nur langsam umgesetzt und viele der neueren EU-Mitgliedstaaten sähen sich mit grundlegenden Problemen konfrontiert, geht aus einem neuen Bericht von RICS, der Royal Institution of Chartered Surveyors, eines britischen Berufsverbands von Immobilienfachleuten, hervor.

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Die EU-Länder hätten die Regelungen zur Verbesserung der Energie-Effizienz von Gebäuden nur langsam umgesetzt und viele der neueren EU-Mitgliedstaaten sähen sich mit grundlegenden Problemen konfrontiert, geht aus einem neuen Bericht von RICS, der Royal Institution of Chartered Surveyors, eines britischen Berufsverbands von Immobilienfachleuten, hervor.

Im Vergleich zum letzten Jahr sei der grundsätzliche Trend bei der Umsetzung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD) wesentlich vielversprechender, geht aus dem RICS-Bericht hervor.

Insgesamt sei aber nur ein geringer Fortschritt zu verzeichnen. Bisher gebe es noch immer eine Reihe von EU-Ländern, die der Europäischen Kommission nicht einmal einen Plan hätten vorlegen können, wie sie vorzugehen gedächten, um die EPBD umzusetzen, wird in dem Bericht erklärt.

Die EPBD, die seit Januar 2006 in Kraft ist, legt eine gemeinsame Vorgehensweise zur Berechnung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden und für die Entwicklung von Mindeststandards für die Gesamtenergieeffizienz in den einzelnen Mitgliedstaaten vor. Die Richtlinie ist auf neue Gebäude anzuwenden sowie auf bereits bestehende Gebäude, an denen umfangreiche Renovierungsarbeiten vorgenommen werden (siehe EURACTIV LinksDossier)

Während einige Mitgliedstaaten wie Dänemark, Deutschland und Österreich die EPBD vollständig umgesetzt haben, hängen andere Staaten hinterher und sorgen wegen der entstehenden Verzögerung für Frustration in Brüssel. Frankreich und Lettland beispielsweise waren im Oktober 2007 bereits Gerichtsverfahren angedroht worden, weil sie der Kommission nicht die notwendigen Nachweise hatten vorlegen können, aus denen hervorgegangen wäre, dass die beiden Länder die erforderlichen Maßnahmen zur Umsetzung der EPBD ergriffen hätten (EURACTIV vom 18. Oktober 2007)

Am weitesten zurück liegen einige er neuen EU-Mitgliedstaaten, die sich weiterhin grundlegenden Problemen gegenüber sehen, die größtenteils in ihrer Vergangenheit begründet liegen. Aus früheren Zeiten seien noch viele höchst ineffiziente Plattenbauten übrig, wie aus dem 55-seitigen Bericht hervorgeht, der Zahlen und Informationen bereitstellt, die sich auf den Fortschritt bei der Umsetzung des EPBD in jedem der 27 EU-Mitgliedstaaten beziehen. 

Experten sind sich einig, dass eine Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden, die für bis zu 40% der gesamten CO2-Emissionen in der EU verantwortlich sind, einen großen Erfolg für die Bemühungen der EU zur Abschwächung der Auswirkungen des Klimawandels bedeuten würde. Doch die tatsächlichen und die empfundenen hohen Kosten, das Fehlen von technischen Qualifikationen und Fachwissen, widersprüchliche nationale Maßnahmen und geringe Akzeptanz bzw. geringes Bewusstsein der Öffentlichkeit verzögerten den Fortschritt, meint Ursula Hartenberger, Vorsiztende des RICS-Teams für EU-Angelegenheiten in Brüssel.

Obgleich es einige Jahre dauern könne, bis man über genügend qualifizierte Experten für ökologische Bauweisen verfüge und bis die Öffentlichkeit sich der Notwendigkeit verbesserter Energieeffizienz von Gebäuden stärker bewusst sei, seien die Sorgen vor hohen Kosten unangebracht, geht aus verschiedenen kürzlich veröffentlichten Studien hervor.

Die Gemeinsame Forschungsstelle der Kommission (GFS) hat beispielsweise herausgefunden, dass eine Vielzahl von Modernisierungsmaßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz von Wohngebäuden auf lange Sicht die Kosten vollständig ausgleicht oder sogar noch einen Gewinn generieren kann, wenn die bestehenden Technologien genutzt werden.

Das McKinsey Global Institute veröffentlichte letzte Woche (10. September 2008) ähnliche Ergebnisse, die sich auf geplante Verbesserungen bei der Energieproduktivität und -effizienz der EU-Wirtschaft beziehen. Im August 2007 veröffentlichte der World Business Council for Sustainable Development (Unternehmensrat für nachhaltige Entwicklung; WBCSD) Ergebnisse einer Umfrage, die ergeben hatte, dass die meisten Immobilienfachleute die Kosten für den Bau energieeffizienter Gebäude um bis zu 300% überschätzen (EURACTIV vom 23. August 2007)