Berater bestätigt: Tschechien hat versucht, mehr Impfstoff zu erhalten

EURACTIV.cz
Covid-19,Vaccine,In,Researcher,Hands,,Female,Doctor,Holds,Syringe,And
Aus Sicht von Prymula sollten auch Vakzine von russischen und chinesischen Herstellern geprüft werden, die (bisher) nicht in den EU-Einkaufsabkommen enthalten sind. [<a href="https://www.shutterstock.com/de/image-photo/covid19-vaccine-researcher-hands-female-doctor-1854498166" target="_blank" rel="noopener">Shutterstock/ Viacheslav Lopatin</a>]

Die tschechische Führung hat zwei Impfstoffhersteller kontaktiert und versucht, auf eigene Faust weitere Anti-COVID-Impfstoffe zu kaufen. Dies war „ein Versuch zu schauen, ob es möglich ist, das System zu umgehen“, bestätigte Roman Prymula, der Ex-Gesundheitsminister und jetzige Berater des tschechischen Ministerpräsidenten, im Interview mit Novinky.cz.

Allerdings hätten die beiden besagten Unternehmen die Deals abgelehnt, so Prymula weiter.

Während Prymula nicht verriet, welche Unternehmen kontaktiert worden waren, gab er zu, dass beide Firmen zuvor bereits Vorkaufsvereinbarungen mit der Europäischen Kommission unterzeichnet hatten.

Um so schnell wie möglich ausreichend Impfstoff für die tschechischen Bürgerinnen und Bürger zu sichern, so Prymula, sollten des Weiteren jetzt auch Vakzine von russischen und chinesischen Herstellern geprüft werden, die (bisher) nicht in den EU-Einkaufsabkommen enthalten sind. „Wir diskutieren darüber,“ erklärte er und deutete an, dass die tschechischen Behörden dem ungarischen Beispiel folgen und entsprechende Impfstoffe separat und unabhängig vom Rest der EU zulassen könnten.

Ministerpräsident Babiš betonte seinerseits, er ziehe es vor, „dass der Impfstoff von der europäischen [Arzneimittel-] Agentur genehmigt wird.“ Sollte die Impfung mit russischen oder chinesischen Impfstoffen in Ungarn aber tatsächlich starten, „werden wir das natürlich aufmerksam verfolgen und die Entwicklungen beobachten“, räumte Babiš ein.

Sein aktueller Berater Prymula war im Spätherbst 2020 von seinem damaligen Posten als Gesundheitsminister zurückgetreten, nachdem er gegen die von ihm selbst erlassenen Lockdown-Maßnahmen verstoßen hatte.

Tschechische Medien spekulierten am Sonntag, Prymula könnte das Gesundheitsministerium gegebenenfalls bald erneut leiten. Babiš wies dies allerdings als „reine Spekulation“ zurück.

[Bearbeitet von Tim Steins]