Belgien will Gaslieferungen nach Deutschland verdoppeln

Belgien und Deutschland haben sich auf dem ersten belgisch-deutschen Energiegipfel in Zeebrügge darauf geeinigt, ihre Wasserstoffnetze zu verbinden, den Gastransit nach Deutschland zu verdoppeln und eine Studie zum Bau einer zweiten Gleichstromleitung zwischen den Ländern durchzuführen.

Euractiv.com
German chancellor visits LNG terminal in Zeebrugge, Belgium
Der belgische Premierminister Alexander De Croo empfing Bundeskanzler Olaf Scholz am Dienstag (14. Februar) in Zeebrügge, wo sich der größte LNG-Terminkomplex Europas befindet. [EPA-EFE/YVES HERMAN / POOL]

Belgien und Deutschland haben sich auf dem ersten belgisch-deutschen Energiegipfel in Seebrügge darauf geeinigt, ihre Wasserstoffnetze zu verbinden, den Gastransit nach Deutschland zu verdoppeln und eine Studie zum Bau einer zweiten Gleichstromleitung zwischen den Ländern durchzuführen.

Der belgische Premierminister Alexander De Croo empfing den deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz am Dienstag (14. Februar) in Seebrügge, wo sich der größte LNG-Terminal-Komplex Europas befindet.

Die beiden Regierungschefs trafen sich im Rahmen des ersten belgisch-deutschen Energiegipfels.

Seebrügge spielt eine Schlüsselrolle bei der Sicherstellung der deutschen Gasversorgung. Vor dem Krieg in der Ukraine war Deutschland in hohem Maße auf Gas aus Russland angewiesen – im Gegensatz zu Belgien, das nur sehr wenig russisches Gas importierte (6,6 Prozent seiner Versorgung im Jahr 2020).

Seit dem Beginn des Krieges und der Unterbrechung der Gaslieferungen musste Deutschland jedoch nach Alternativen suchen.

Die belgischen Exporte nach Deutschland steigerten sich, und die LNG-Ströme aus Belgien trugen dazu bei, das Gas auszugleichen, das einst durch Nord Stream 1 kam.

Bis vor kurzem hatte Deutschland keine Infrastruktur für den Import von verflüssigtem Erdgas (LNG). Mittlerweile hat es jedoch Anlegepunkte für schwimmende LNG-Terminals gebaut und plant, seine Kapazität durch den Bau permanenter Terminals zu erweitern.

Deutschland wird jedoch noch einige Zeit auf Importe über Belgien angewiesen sein und drängt daher darauf, die Gaseinfuhren aus diesem Land weiter zu erhöhen.

Neben der Stärkung der Energieunabhängigkeit war es das Ziel der Treffen, den Übergang zu erneuerbaren Energien zu beschleunigen und die Zukunft der belgischen und deutschen Industrie zu sichern.

Bei einem Pressetermin im Anschluss an den Gipfel betonte De Croo, dass „es sinnvoll ist, wenn die Industrien miteinander verbunden sind, auch die Energieinfrastruktur miteinander zu verbinden“.

Er fügte hinzu, dass die Staats- und Regierungschefs über langfristige Investitionen diskutierten, die zwar nicht ausreichen würden, um zu verhindern, dass Unternehmen Produktion aus Europa heraus verlagern, aber dennoch wichtig seien. Der Zugang zu Energie, Finanzierungsmöglichkeiten und Innovationen seien ebenfalls entscheidend.

Im Anschluss an die Gespräche kündigte De Croo an, dass die beiden Länder planen, den Gastransit nach Deutschland zu verdoppeln (die Arbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen), ihre Wasserstoffnetze zu verbinden und eine Studie für den Bau einer neuen Stromverbindungsleitung in Angriff zu nehmen.

Belgien und Deutschland verfügen derzeit über ein Erdkabel als Gleichstromverbindung zwischen den beiden Ländern, welches 2020 gebaut wurde – ALEGRO. Auf dem Pressetermin kündigte De Croo die Schaffung einer zweiten Version von ALEGRO an. Diese neue Verbindungsleitung könnte eine Kapazität von 1 Gigawatt haben und bereits 2028 in Betrieb genommen werden.

„Heute haben wir der Energiezusammenarbeit einen neuen Impuls gegeben. Belgien ist ein europäischer Energieknotenpunkt. Heute für Gas für Deutschland und morgen für die Energie der Zukunft: erneuerbare Energien und grüner Wasserstoff“, sagte die belgische Energieministerin Tinne Van Der Straeten.