Befördert die Ölpest Obamas Öko-Agenda?

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko könnte die Mentalität der Amerikaner nachhaltig ändern, meint US-Botschafter Philip D. Murphy. Die Chancen für Barack Obamas versprochene Energiewende steigen - neue Atomkraftwerke inbegriffen.

US-Präsident Barack Obama will weg vom Öl. Foto: dpa.
US-Präsident Barack Obama will weg vom Öl. Foto: dpa.

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko könnte die Mentalität der Amerikaner nachhaltig ändern, meint US-Botschafter Philip D. Murphy. Die Chancen für Barack Obamas versprochene Energiewende steigen – neue Atomkraftwerke inbegriffen.

Der US-Botschafter in Deutschland bemüht eine vertraute Wendung, um die Folgen der Katastrophe zu beschreiben. "Nichts wird wieder wie früher", sagt Philip D. Murphy. Er redet über den Untergang der BP-Bohrplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko. "Wir haben die Quittung für unsere Fehler bekommen", so Murphy diese Woche vor Studenten in Berlin.

Das Ausmaß der Katastrophe wird immer deutlicher. Die Menge des täglich austretenden Öls sei doppelt so groß wie zunächst angenommen, schätzt heute die US-Geologiebehörde. US-Präsident Barack Obama gehen die Wörter aus, um seine Wut präsidial auszudrücken. Er hätte BP-Chef Tony Hayward längst gefeuert, so Obama in dieser Woche. Er wisse jetzt, wem er "in den Arsch" treten muss. Händler spekulieren bereits auf eine Insolvenz des Ölkonzerns in Folge der zu erwartenden Entschädigungszahlungen.

Je länger der Alptraum dauert, desto häufiger wird in den USA eine Energiewende gefordert, eine industrielle Revolution, eine Abkehr vom Öl. All dies hatte Obama bereits im Wahlkampf versprochen, es geriet in der Finanzkrise aber in den Hintergrund.

Die "Deepwater Horizon" markiert nun den wirklichen Wendepunkt in der US-Energiepolitik, meinen die Kommentatoren. Der Unfall setzt dem Erfolg des Öl-Lobbyismus in den USA ein Ende, sagt auch Botschafter Murphy.

Obama: Atomkraft ist saubere Alternative

Die Regierung will den Umstieg auf Elektroautos forcieren, die öffentlichen Verkehrsmittel stärken, die Energieeffizienz im American Way of Life verankern. 150 Milliarden Dollar sollen Obamas Wahlversprechen nach in den kommenden 10 Jahren in grüne Technologien investiert werden. 5 Millionen Arbeitsplätze sollen so entstehen. Das alles ist nicht neu, aber nach dem Untergang der "Deepwater Horizon" könnte Obama seine Agenda sehr viel besser vermitteln. Die Mentalität der Amerikaner ändert sich, sagt Murphy. "Die Auto-Kultur ist nicht mehr so stark wie früher." Kalifornien und New York City treiben den Wandel an.

Jeder Energieträger außer Öl scheint Obama derzeit recht. Die Regierung setzt auch auf ’sauberen‘ Kohlestrom, Erdgas und Atomenergie. Es sei ein Vorurteil, dass man gegen die Atomenergie sein müsse, wenn man für die Umwelt kämpft, sagt Obama. Sie sei eine saubere Alternative.

Dominieren also bald Elektroautos Amerikas Straßen, die mit Atomstrom fahren? Ein Schritt in diese Richtung ist getan. Obama kündigte im Februar die Förderung eines neuen Reaktors im Bundesstaat Georgia an. Es wäre der erste neue Meiler seit 1979. Schon heute sind die Amerikaner nicht nur im CO2-Ausstoß führend, sie betreiben auch die meisten Atomkraftwerke weltweit, nämlich 104.

edo