Bananenbauern auf La Palma fordern EU-Unterstützung bei Wiederaufbau nach Vulkanausbruch

Nach dem verheerenden Vulkanausbruch auf der spanischen Insel La Palma vor einem Jahr haben Bananenbauern weiterhin mit den Folgen zu kämpfen und fordern mehr Unterstützung seitens der Regierung, aber auch der EU beim Wiederaufbau der Produktion.

EFE Agro
Cumbre Vieja volcano erupts in La Palma
Insgesamt belaufen sich die durch den Vulkanausbruch verursachten Schäden am Bananensektor nach Berechnungen von Asprocan auf 100 Millionen Euro, einschließlich der Einkommensverluste der Bauern. [EPA-EFE/Jesus Diges]

Nach dem verheerenden Vulkanausbruch auf der spanischen Insel La Palma vor einem Jahr haben Bananenbauern weiterhin mit den Folgen zu kämpfen und fordern mehr Unterstützung seitens der Regierung, aber auch der EU beim Wiederaufbau der Produktion.

Im Herbst 2021 entfielen von den mehr als 1.200 Hektar, die von den Lavaströmen des Vulkans von La Palma bedeckt waren, zwanzig Hektar auf Bananenplantagen.

Diese Ackerfläche wollen die Landwirt:innen mithilfe der Behörden wiederherstellen und erneut bewirtschaften, um einen der wichtigsten Wirtschaftszweige der Kanarischen Insel La Palma vollständig wiederzubeleben.

Der Sektor beschäftigt 11.000 Menschen direkt und indirekt auf einer Insel mit insgesamt 85.000 Einwohnern und bringt der Insel nach Angaben der Erzeuger:innen jährlich 135 Millionen Euro an Einnahmen.

La Palma, dessen Produktion vor dem Ausbruch 140 Millionen Kilo pro Jahr betrug – fast ein Drittel der kanarischen Bananenproduktion – musste aufgrund der Auswirkungen des Vulkanausbruchs einen Rückgang seiner Exporte um 53 Millionen Kilo hinnehmen.

Von den 7.300 Erzeugern des Archipels sind 5.300 auf der Insel ansässig, und die Anbaufläche beträgt 2.747 Hektar von den insgesamt 8.600 Hektar auf dem gesamten Archipel.

Doch fast zehn Prozent dieser Fläche wurde von Lavaströmen verschlungen.

„Die Erschließung von Land auf der Lava zum Anbau von Kulturpflanzen ist tief in der Geschichte der Kanarischen Inseln verwurzelt und ist unter dem Begriff Sorribar bekannt. Das hat man in den 1950er und 1960er Jahren mit den Lavaströmen des San Juan-Vulkans gemacht, und das kann man auch jetzt machen“, sagt Domingo Martín Ortega, Präsident des Verbands der Organisationen der Erzeuger Kanarischer Bananen (Asprocan).

Wiederaufbau auf der Lava

Die Flächen müssen zunächst gepflügt werden, damit das Gießwasser abfließen kann, sie müssen eingeebnet werden, Mauern oder Hänge müssen errichtet werden, um Terrassen zu bilden, und eine 60 bis 70 Zentimeter dicke Schicht Erde muss in den Ackerboden eingearbeitet werden.

„Das größte Hindernis ist die Suche nach verfügbarem Ackerland, und es scheint einiges zu geben“, so Domingo Martín.

„Das Gebiet, in dem die Fläche erworben wird, muss in einem angemessenen Erhaltungszustand belassen werden, um keine ökologischen Schäden zu verursachen. Es werden ungefähr 1,5 Millionen Kubikmeter Anbaufläche benötigt“, so der Vorsitzende der kanarischen Bananenproduzenten.

Dieses Vorhaben könnte rund 100 Millionen Euro kosten und Asprocan möchte die Verwaltungen, einschließlich der EU, in die Finanzierung dieses Wiederaufbaus einbeziehen, da es darum gehe, eine bereits bestehende wirtschaftliche Aktivität zu ersetzen, die durch eine Naturkatastrophe zerstört wurde.

Die Kosten allein stellen jedoch nicht das einzige Hindernis dar: So muss eine rechtliche Lösung für die Erschließung und die Bündelung der Grundstücke gefunden werden, es müssen Verhandlungen mit den Grundbesitzern geführt werden und es muss der Widerstand derjenigen überwunden werden, die alle Lavaströmen schützen wollen.

Aber alle Lavaströme zu konservieren, so die Bananenbauern, wäre „überflüssig.“

„Es handelt sich um eine sehr große Fläche, mehr als 1.200 Hektar“, und wir sprechen hier von kaum mehr als 200 Hektar für eine landwirtschaftliche Tätigkeit, die direkt oder indirekt 30 Prozent der Wirtschaft einer Insel ausmacht, die kaum Alternativen hat, argumentiert Domingo Martín.

Seinen Berechnungen zufolge würde im besten Fall der gesamte Sorriba-Prozess vier oder fünf Jahre in Anspruch nehmen. Derzeit führt das regionale Landwirtschaftsministerium eine technische und rechtliche Machbarkeitsstudie durch, die im März 2023 abgeschlossen sein soll.

Dies dürfte der komplizierteste und langwierigste Teil der Rückgewinnung von zerstörten Flächen nach der Vulkankatastrophe sein. Es handelt sich um „langfristige“ Schäden, von denen etwa 500 Landwirt:innen betroffen sind.

Engpässe und Preissteigerungen

„Kurzfristige“ Schäden traten außerhalb des Ausbruchsgebiets auf, vor allem durch den unaufhörlichen Ascheregen, der sich drei Monate lang hinzog. Die Asche schädigte das Aussehen und die Qualität der Bananen und brachte zahlreiche Gewächshäuser zum Einsturz. Diese Einschränkung wird jedoch mit der neuen Ernte, die jetzt beginnt, korrigiert werden.

Zusätzlich gab es auch „mittelfristige“ Schäden an etwa 300 bis 400 Hektar, die nicht von der Lava bedeckt waren, aber durch die Lavaströme isoliert wurden und aufgrund von beschädigten Leitungen ohne Straßenzugang oder Bewässerung auskommen mussten. Von dieser Situation sind etwa 450 Erzeuger:innen betroffen.

Seit dem Ende des Ausbruchs im Dezember laufen die Arbeiten weiter, insbesondere der Zugang zu Bewässerung, sodass diese Betriebe innerhalb von ein bis zwei Jahren wieder voll betriebsfähig sein dürften.

Bis dahin werden 90 Prozent des Produktionsvolumens von vor der Katastrophe wiederhergestellt sein, bis die übrigen 10 Prozent durch den Wiederaufbau der von der Lava bedeckten Plantagen erreicht werden.

Der durch den Vulkan verursachte Produktionsrückgang hat auch zu Lieferengpässen im Handel geführt, die die Verbraucher:innen verärgert hätten, räumt Domingo Martín ein. Der Mangel an kanarischen Erzeugnissen ließ die Preise in den Supermarktregalen in die Höhe schnellen und führte dazu, dass die Bananen ihren Marktanteil vergrößern konnten.

In diesem Winter, wenn sich die Produktionsleistung langsam wieder erholt, dürften auch die Preise wieder sinken, wenn auch wohl noch nicht bis auf ihr früheres Niveau.

Bananenexporte machen Importe auf die Insel möglich

Aus diesem Grund besteht Domingo Martín darauf, dass alle von der Lava bedeckten Ländereien wieder aufgebaut werden müssen.

Es gebe keine alternativen Flächen für neue Plantagen und die Banane sei für La Palma und für den Aufschwung aus sozialer und wirtschaftlicher Sicht von strategischer Bedeutung. Außerdem gleichen laut Martín die Exportvolumen bei Bananen auch die Importpreise für Waren aus, die auf die Insel gebracht werden, aus.

„Alles, was exportiert wird, hält die Transportkosten stabil“, sagt Martín Ortega. Wenn Schiffe Güter auf die Insel bringen und keine Exporte möglich sind, steigen die Transportkosten und damit die Importkosten.

Insgesamt belaufen sich die durch den Vulkanausbruch verursachten Schäden am Bananensektor nach Berechnungen von Asprocan auf 100 Millionen Euro, einschließlich der Einkommensverluste der Landwirt:innen.

Obwohl bei denjenigen, die am direktesten betroffen sind, „die Nerven aufgrund der Ungewissheit blank liegen“, scheint die Bereitstellung der durch die Behörden geleisteten Beihilfen in Höhe von bisher 13,5 Millionen Euro ohne Probleme zu verlaufen.