Autoindustrie schlägt beim Ausbau der E-Ladesäulen die Alarmglocken

Deutschland hinkt beim Ausbau der E-Autoladeinfrastruktur hinterher und wird nach derzeitigem Tempo das 2030 Ziel bei Weitem verpassen, so der VDA. Auch die EU-Regeln müssten angezogen werden.

Euractiv.de
Innogy solar powered fast charging park in Duisburg
Deutschland wird womöglich das E-Ladesäulenziel bei Weitem verpassen, warnt der VDA. EPA-EFE/FRIEDEMANN VOGEL

Deutschland hinkt beim Ausbau der E-Autoladeinfrastruktur hinterher und wird nach derzeitigem Tempo das 2030 Ziel bei Weitem verpassen, so der VDA. Auch die EU-Regeln müssten angezogen werden.

Die neue Bundesregierung hat für 2030 ein ambitioniertes E-Mobilitätsziel im Koalitionsvertrag festgeschrieben. 15 Millionen E-Autos sollen auf deutschen Straßen rollen, unterstützt von 1 Million Ladesäulen. Ab 2035 will die EU den Verbrennungsmotor ganz verbieten.

Allerdings schlägt der VDA, der Verband der Automobilindustrie bei den Ladesäulen nun Alarm. Statt der 2000 Ladesäulen pro Woche, die nötig wären, um das 2030-Ziel einzuhalten, liegt Deutschland bei 250 pro Woche. 

“Die Lücke wird größer, nicht kleiner. Eine Lücke, die uns den Erfolg kosten kann,” so Hildegard Müller, die Präsidentin des VDA, beim Jahresauftakt des Verbands am 9. Februar.

“Wenn Deutschland sein aktuelles, bescheidenes Tempo beibehält, haben wir 2030 gerade einmal rund 160.000 Ladepunkte – nicht einmal ein Sechstel der angestrebten 1 Million.”

Laut Müller sei das 15 Millionen E-Auto Ziel grundsätzlich jedoch realistisch. Denn “die Autoindustrie kann Autos bauen”, aber letztendlich ist deren Abnahme vor allem von der Ladeinfrastruktur abhängig, fügte sie hinzu.

In Deutschland liegt die Lösung laut dem VDA klar auf dem Tisch. Ein Ladegipfel müsse einberaumt werden, so Müller.  “Die Bundesregierung sollte schnellstmöglich zu einem gemeinsamen Gipfel einladen und die Akteure alle an einen Tisch holen.”

Aber auch beim Thema Strom hat der VDA Bedenken, denn ein E-Auto ist nur so gut wie der Strom, den es tankt. “Nur wenn E-Autos mit 100 Prozent Ökostrom getankt werden, leisten sie ihren Beitrag zu klimaneutraler Mobilität,” erklärt Müller.

Die Herausforderungen für die Bundesregierung sind daher aus der Sicht des VDAs enorm.

Neben dem Ausstieg aus der Atomkraft und der Kohleverstromung muss die Bundesregierung den Netzausbau beschleunigen und das Stromnetz auf 100 Prozent erneuerbare Energien umstellen.

Die breitere EU-Dynamik könnte zum Problem werden

Trotz des Alarmismus aus dem VDA ist Deutschland allerdings immer noch ein Musterschüler im europäischen Vergleich, was den Ausbau der Ladeinfrastruktur anbelangt.

Denn bereits im letzten Jahr warnte der Europäische Rechnungshof, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur nicht schnell genug vor sich geht. Allerdings sind ausreichend Ladesäulen im europäischen Ausland kritisch für die Akzeptanz von E-Autos.

Für Deutsche, die durch Europa mit dem Auto in den Urlaub fahren wollen, ist beispielsweise die Ladeinfrastruktur in Österreich von hoher Wichtigkeit.

In Österreich wird die “Ladeinfrastruktur zu diesem Zeitpunkt [2030] noch nicht flächendeckend verfügbar sein”, so Christian Pesau, Chef der Arbeitsgruppe der österreichischen Auto-Importeure, im Dezember.

Und auch der Rest der EU hinkt noch ungemein hinterher, warnt Müller.

Deutschland, Frankreich und die Niederlande sind gemeinsam für 70 Prozent der errichteten Ladesäulen verantwortlich, obwohl die drei Länder lediglich ein Drittel der EU-Bevölkerung besitzen.

Letztendlich bedrohe das die Akzeptanz für die neue Form der Mobilität. Ein E-Auto, welches nur in Deutschland mehr oder weniger ohne Probleme benutzt werden kann, allerdings in anderen EU-Ländern wie Tschechien nahezu nutzlos ist, wird sich mit der Akzeptanz schwertun.

Abhilfe schaffen soll eine EU-Verordnung. Die sogenannte AFIR (“Alternative Fuels Infrastructure Regulation”), die derzeit noch im europäischen Gesetzgebungsprozess steckt, soll entlang der europäischen Verkehrswege Ladesäulen für die EU-Länder verpflichtend machen.

Derzeit will die Kommission Ladesäulen für PKW alle 60 Kilometer und für Nutzfahrzeuge alle 150 Kilometer anordnen, für Müller geht das allerdings nicht weit genug.

Der VDA “glaubt natürlich, nicht dass die Vorgaben der Europäischen Union da wirklich ausreichend sind in diesem Bereich”, so Müller auf Nachfrage von EURACTIV. Statt 60 Kilometer Abstand will der VDA 40 Kilometer für PKW, während für Nutzfahrzeuge 100 Kilometer verlangt werden.