Autoemissionen: Tschechien fordert Überprüfung der CO2-Grenzwerte

Tschechien plant bei den EU-Grenzwerten für Autoemissionen auf die Bremse treten. Ebenso wolle man auf europäischer Ebene auf eine vorgezogene Überprüfung des geplanten Verbots von Verbrennern und eine Anpassung der Emissionsgrenzwerte für Neuwagen hinarbeiten.

EURACTIV.cz
Congestion On The M5 Motorway
Tschechien hat bereits Kontakt zu anderen EU-Staaten aufgenommen, die ähnliche Bedenken teilen. [Anna Barclay/Getty Images]

Tschechien plant bei den EU-Grenzwerten für Autoemissionen auf die Bremse treten. Ebenso wolle man auf europäischer Ebene auf eine vorgezogene Überprüfung des geplanten Verbots von Verbrennern und eine Anpassung der Emissionsgrenzwerte für Neuwagen hinarbeiten.

Ministerpräsident Petr Fiala und Verkehrsminister Martin Kupka (beide ODS, EKR) kündigten am Freitag (4. Oktober) an, dass ihr Land sich verstärkt dafür einsetzen werde, Mechanismen zur Überwachung des europäischen Automobilmarktes in die EU-Strategie aufzunehmen.

„Einige der Ziele des Green Deal haben sich als unrealistisch erwiesen. Wir müssen sie anpassen, um die Zukunft der europäischen Automobilindustrie zu sichern“, erklärte Fiala. Ohne Änderungen drohe die Branche ins Hintertreffen zu geraten.

Tschechien hat bereits Kontakt zu anderen EU-Staaten aufgenommen, die ähnliche Bedenken teilen. Gemeinsam mit Deutschland und Italien arbeitet das Land an einer Initiative gleichgesinnter Staaten, um die Auswirkungen des geplanten „de-facto“ Verbots von Neuwagen mit Verbrennungsmotoren ab 2035 kritisch zu überprüfen.

Die Überprüfung ist derzeit für das Jahr 2026 angesetzt, doch Fiala und seine Verbündeten, darunter auch Italien, fordern, diesen Termin vorzuziehen. Die Elektromobilität entwickle sich langsamer als erwartet, weshalb eine frühere Neubewertung der Ziele notwendig sei.

Ein weiteres Anliegen der tschechischen Regierung ist die geplante Verschärfung der CO2-Grenzwerte für Pkw im Jahr 2025. „Die Realität sieht anders aus, als von der EU prognostiziert. Wenn die Grenzwerte unverändert bleiben, riskieren europäische Autohersteller drastische Strafzahlungen und einen weiteren Verlust an Wettbewerbsfähigkeit“, warnte Fiala.

Verkehrsminister Kupka ergänzte, er habe in Zusammenarbeit mit dem tschechischen Automobilverband AutoSAP bereits einen Vorschlag für eine gemeinsame Erklärung erarbeitet. Diese solle in den kommenden Wochen den EU-Verkehrsministern vorgelegt und schließlich der Europäischen Kommission präsentiert werden.

Auch Martin Jahn, Präsident von AutoSAP und Vorstandsmitglied von Škoda Auto, sieht dringenden Handlungsbedarf: „Unter den aktuellen Marktbedingungen ist es nahezu unmöglich, die Emissionsziele für Neuwagen einzuhalten. Deshalb ist es unerlässlich, die CO2-Vorgaben früher zu überprüfen“, forderte er.

[Bearbeitet von Jeremias Lin/ Kjeld Neubert]