Russische Trainingslager für den Umsturz in Moldau

Moldauische Bürger wurden in Moskau sowie in Bosnien und Serbien ausgebildet, um ihr eigenes Land zu destabilisieren, teilten die nationalen Sicherheitsbehörden in Chișinău mit. Unter anderem seien hierbei auch Wagner-Kämpfer beteiligt gewesen.

EURACTIV.ro
Daily Life Moldova 2023
In den Camps wurde ihnen beigebracht, wie man bei Protesten Unruhen schürt und sich der Strafverfolgung widersetzt. [[Pierre Crom/Getty Images]

Moldauische Bürger wurden in Moskau sowie in Bosnien und Serbien ausgebildet, um ihr eigenes Land zu destabilisieren, teilten die nationalen Sicherheitsbehörden in Chișinău mit. Unter anderem seien hierbei auch Wagner-Kämpfer beteiligt gewesen.

Laut einer gemeinsamen Erklärung der moldauischen Polizei, des Sicherheits- und Nachrichtendienstes (SIS) und der Staatsanwaltschaft, hätten mehr als 300 Personen, in Gruppen von je rund 20 Personen, an Trainingslagern in Russland teilgenommen.

In den Camps wäre ihnen beigebracht worden, wie man bei Protesten Unruhen schürt und sich der Strafverfolgung widersetzt, sagte Viorel Cernăuțeanu, Leiter der Generalinspektion der Polizei, auf einer Pressekonferenz am Donnerstag (17. Oktober).

Die Pressekonferenz fand nur wenige Tage vor einem Referendum über eine Verfassungsänderung statt, bei der die Bemühungen eines EU-Beitritts Moldau verankert werden soll. Den parallel laufenden Präsidentschaftswahlen liegt laut Umfragen die amtierende Präsidentin Maia Sandu in Führung.

Die Republik Moldau beantragte im März 2022 die EU-Mitgliedschaft, bekam im Juni 2022 den Kandidatenstatus und erhielt im November 2023 von der EU-Kommission die Empfehlung, Beitrittsverhandlungen aufzunehmen. Jüngste Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Moldauer Verfassungsänderungen unterstützt, um den Weg für den EU-Beitritt Moldawiens zu ebnen.

Destabilisierungslager

Der Finanzier hinter diesen Operationen ist angeblich Ilan Șor, ein moldauischer Oligarch mit russischer Staatsbürgerschaft, der derzeit in Moskau lebt, nachdem er in Moldau wegen Korruption verurteilt wurde.

Die Ausbildungen begannen im Juni 2024 und fanden regelmäßig in Russland statt. Im Rahmen des Trainingslagers wurden kleine Teams von 20 Personen in die Außenbezirke von Moskau geschickt, wo sie in Protesttaktiken unterwiesen werden, darunter wie man die Strafverfolgungsbehörden provoziert, Sicherheitsabsperrungen durchbricht, Gegenstände oder Waffen von Beamten beschlagnahmt und sich schnell in Menschenmengen zurückzieht, erklärte Generalinspekteur Cernăuțeanu.

Am Mittwoch (16. Oktober) führten Beamte und Staatsanwälte landesweit 88 Durchsuchungen durch, die zur Verhaftung von vier Personen führten.

Darüber hinaus wurde Berichten zufolge eine weitere Gruppe in Guerilla-Lagern in Bosnien-Herzegowina und Serbien ausgebildet, deren Reise von Ilan Shor unter dem Deckmantel der NGO Eurasia finanziert wurde, so Alexandru Musteață, Direktor des Geheim- und Sicherheitsdienstes.

„Diese Lager wurden von ausländischen Ausbildern geleitet, die mit Einheiten in Verbindung stehen, die mit der privaten Militärgruppe Wagner und einer anderen Gruppe namens ‚Ferma‘ in Kontakt sind, die zuvor von Jewgeni Prigoschin gegründet wurde. Obwohl sich die Führung von Prigoschin geändert hat, sind diese Einheiten weiterhin aktiv“, so Musteață.

Shor war auch an Wahlkaufprogrammen beteiligt und soll Wählern, die beim Referendum über die EU-Mitgliedschaft mit ‚Nein‘ stimmen würden, Geld angeboten haben.

In diesen Trainingslagern ausgebildete Provokateure hatten die Aufgabe, Proteste zu organisieren und während der Wahlen gewalttätige, radikale und sogar extremistische Aktionen durchzuführen.

Die mit den Wagner- und Ferma-Gruppen verbundenen ausländischen Staatsangehörigen gehören zu den Koordinatoren dieser Aktionen, so die Geheimdienste.

Darüber hinaus haben die Behörden elf ausländische Staatsangehörige identifiziert, die als Ausbilder in den Trainingslagern in Bosnien-Herzegowina und Serbien tätig waren, fügte Musteață hinzu.

[Bearbeitet von Kjeld Neubert]