Amazon startet neuen Vorstoß für Wiederzulassung seiner Lobbyisten im EU-Parlament
Der Tech-Konzern signalisiert Bereitschaft, einen ranghohen US-Manager vor europäischen Abgeordneten auftreten zu lassen – allerdings ausschließlich per Zuschaltung.
US-Technologiekonzern Amazon unternimmt einen neuen Anlauf, seinen Lobbyisten wieder Zugang zum Europäischen Parlament zu verschaffen – und bietet dafür an, einen ranghohen US-Manager per Videoschalte von den Abgeordneten befragen zu lassen. Das geht aus einem Euractiv vorliegenden Schreiben hervor.
Seit Jahren steckt Amazon in einem Patt mit EU-Abgeordneten, die das Unternehmen zur Behandlung seiner Beschäftigten in den Logistikzentren befragen wollen, bislang aber von der geringen Hierarchieebene der entsandten Vertreter enttäuscht waren.
In einem neuen Schreiben vom 7. November bietet Amazons Leiter für EU-Public-Affairs, James Waterworth, nun an, einen in den USA ansässigen Senior Vice President vor dem Ausschuss aus der Ferne sprechen zu lassen.
„Ich möchte unsere Bereitschaft bekräftigen, mit Ihnen und weiteren Ausschussmitgliedern in einen Austausch zu treten. Für diesen Austausch schlagen wir die Teilnahme zweier hochrangiger europäischer Führungskräfte sowie die Teilnahme eines in Seattle ansässigen US-Senior-Vice-President per Videolink vor“, schrieb Waterworth an Li Andersson, eine linksgerichtete EU-Abgeordnete und Vorsitzende des Beschäftigungsausschusses.
„Darüber hinaus möchte ich erneut unsere Einladung aussprechen, dass Ausschussmitglieder eine Amazon-Betriebsstätte besuchen, um unsere Abläufe aus erster Hand kennenzulernen und Mitarbeitende zu treffen“, so Waterworth weiter.
Das Parlament hatte Amazon Anfang 2024 den Zugang zum Gebäude eingeschränkt, weil der Konzern sich geweigert hatte, Vertreter zu Befragungen zu Arbeitsbedingungen zu entsenden, die bis ins Jahr 2021 zurückreichen.
Auch im Juni dieses Jahres lehnte Amazon erneut ab, einen hochrangigen Manager zu einer Anhörung zu Arbeitsbedingungen in Amazon-Lagern zu schicken.
Parlamentspräsidentin Roberta Metsola hatte im vergangenen Monat in Washington Spitzenvertreter des Konzerns getroffen.
Die Mitglieder des Beschäftigungsausschusses wollen das Schreiben am 3. Dezember prüfen, bevor die Konferenz der Präsidenten – das Gremium der Fraktionschefs – eine endgültige Entscheidung trifft.
„Ich sehe das als Erfolg für den EMPL-Ausschuss. Jetzt werden wir natürlich die Vorbereitungen für das kommende Jahr treffen“, sagte Ausschusschefin Li Andersson, eine linke Abgeordnete aus Finnland.
„Wir nehmen den Austausch mit politischen Entscheidungsträgern in Brüssel … äußerst ernst und bleiben entschlossen, einen konstruktiven Weg der Zusammenarbeit mit dem Parlament zu finden“, erklärte ein Amazon-Sprecher gegenüber Euractiv.
Claudie Moreau und Anupriya Datta haben zur Berichterstattung beigetragen.
(jp, jl)