Allianz-Chefvolkswirt: "Problem Griechenland ist lösbar"
Der Chef-Volkswirt der Allianz, Michael Heise, hält die griechischen Probleme für lösbar. "Wenn die Reformen durchgezogen werden, kommt es auch wieder zu Wachstum", sagte Heise am Donnerstag in einem Pressegespräch bei "EURACTIV.de" in Berlin zur Stabilität der Euro-Zone. Die wirtschaftlich gesündesten Länder der Euro-Zone sind Heise zufolge Deutschland, Luxemburg und Österreich. EURACTIV.de bietet den Euro Monitor zum Download.
Der Chef-Volkswirt der Allianz, Michael Heise, hält die griechischen Probleme für lösbar. „Wenn die Reformen durchgezogen werden, kommt es auch wieder zu Wachstum“, sagte Heise am Donnerstag in einem Pressegespräch bei „EURACTIV.de“ in Berlin zur Stabilität der Euro-Zone. Die wirtschaftlich gesündesten Länder der Euro-Zone sind Heise zufolge Deutschland, Luxemburg und Österreich. EURACTIV.de bietet den Euro Monitor zum Download.
Deutschland steht nach Berechnungen des Allianz-Chefvolkswirts in der Euro-Zone wirtschaftlich am gesündesten da, gefolgt von Luxemburg und Österreich. Seit mehreren Jahren liege in Deutschland die Binnennachfrage über dem Durchschnitt der Euro-Länder.
Auf den letzten Plätzen der Euro-Länder finden sich die Schuldensünder Spanien, Portugal, Irland und Griechenland. Frankreich, nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum, liegt in dieser Rankingliste nur auf Platz acht.
Die Allianz-Experten entwickelten einen aus 15 Indikatoren bestehenden
Euro-Monitor, der beobachtet, wie solide die Konjunkturentwicklung in der Währungsunion ist.
Marshall-Plan statt Schuldenschnitt
Im Falle Griechenlands warnte Heise vor einem Schuldenschnitt, der die Krise weiter ausbreiten und die deutschen Steuerzahler treffen würde.
Heise plädierte betreffend Griechenland für eine Art Marshall-Plan mit einem strategischen Investitionsprogramm, das entsprechende Rahmenbedingungen für private Investoren und Anschübe durch die Gemeinschaft vorsieht. So könnte Griechenland besser mit Energienetzen in Europa verknüpft werden und seine enormen Ressourcen an Solarenergie als Exportprodukt viel wirksamer aufbauen. Auch im Tourismusbereich sieht Heise ungenutzte Potenziale und große Entwicklungsmöglichkeiten, die auch ausländischen Investoren gute Renditechancen bieten würden, sowie in Projekte in Verkehr, in Schifffahrt und anderen Bereichen.
Zwar habe die Rezession Griechenland seit drei Jahren erreicht, doch könne es seine Stabilisierungsziele erreichen und das Defizit über die Jahre auf unter drei Prozent bringen. "Wenn Griechenland, wenn auch mit Verzögerung, sein Ziel erreicht, braucht man auch kein Wachstum von 10 Prozent, sondern ein reales Wachstum von 1,5 bis 2 Prozent." So könne die Verschuldensquote von 160 in den nächsten zehn Jahren in Richtung 140 zurückgefahren werden. Dazu sei kein gigantisches Wachstum nötig.
Wachstum möglich
Heise schätzt sogar die Annahmen von 1,5 bis 2 Prozent als relativ konservativ ein. "Denn wenn eine so kleine Volkswirtschaft aus einem so tiefen Tal heraus wieder in einen Wachstumsprozess kommt, kann das durchaus ein paar Jahre lang auch mit höheren Wachstumsraten einhergehen." Heise hält es für möglich, ein Wachstum von nominal 4 bis 4,5 Prozent zu erzeugen und die Konsolidierungspläne einzuhalten. "Dann ist das Thema lösbar."
Dass Griechenland bei der Aufnahme in Euro-Zone geschwindelt und Europa bei bestimmten Daten die Augen zugedrückt habe, sei jetzt nicht mehr rückgängig zu machen. "Wir müssen jetzt in die Zukunft blicken." Eine Insolvenz hätte für Banken und für andere Länder viele Gefahren. Deshalb gehe die Politik seiner Ansicht nach das Instrument voll zu Recht nicht an.
Auch die griechische Regierung selbst wolle nicht die Insolvenz herbeiführen, sondern sage, sie werde aus der Krise herauskommen und entschlossen handeln. Auch wenn es länger dauere als erwartet, es werde zurückgezahlt. "Warum soll man den Griechen den Wind aus den Segeln nehmen, wenn sie die schmerzhaften Reformen durchziehen? Da sollte man ihnen Rückendeckung geben. Und das tut die Politik."
Die andere Variante – den Griechen zu sagen: Es hat sowieso keinen Sinn, was ihr da macht – nehme der Akzeptanz der Reformen jeglichen Wind.
"Wenn die Reformen durchgezogen werden, wird es auch wieder zu Wachstum kommen", sagte Heise. Außerdem sei ein Land so lange nicht insolvent, solange es noch über ein enormes Vermögen verfügt, betonte der Chefvolkswirt im EURACTIV.de-Pressegespräch.
ekö
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Allianz: Euro-Monitor 2011