Albanischer Premier: Gespräche mit NATO über neuen Marinestützpunkt

NATO-Chef Jens Stoltenberg und der albanische Premierminister Edi Rama wollen diese Woche unter anderem über die Umwandlung eines albanischen Hafens an der Adriaküste in einen NATO-Marinestützpunkt und den bereits im Bau befindlichen Luftwaffenstützpunkt sprechen.

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Albanien ist seit 2009 Mitglied der NATO und arbeitet seither hart daran, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Während die Verteidigungsausgaben ab 2020 bei 1,5 Prozent liegen, beherbergt das Land die NATO-Mission Defender 2021 und hat sich angesichts des andauernden Krieges in der Ukraine schnell auf die Seite der Allianz geschlagen.

NATO-Chef Jens Stoltenberg und der albanische Premierminister Edi Rama wollen diese Woche unter anderem über die Umwandlung eines albanischen Hafens an der Adriaküste in einen NATO-Marinestützpunkt und den bereits im Bau befindlichen Luftwaffenstützpunkt sprechen.

Rama wird sich am Mittwoch (13. Juli) mit dem NATO-Chef in Brüssel treffen, um über das Projekt zu beraten, das er Anfang des Monats auf einer Pressekonferenz angekündigt hatte.

Der geplante Hafen liegt in Durres, 40 Minuten von der Hauptstadt Tirana entfernt, und soll einen kommerziellen Teil sowie einen militärischen Marinestützpunkt umfassen. Die Finanzierung soll sowohl vom albanischen Staat als auch von der NATO übernommen werden.

„Wir werden bald nach Brüssel zurückkehren, um die Gespräche über unseren Vorschlag für die Einrichtung eines NATO-Marinestützpunkts im neuen Hafen von Durres fortzusetzen“, sagte Rama.

Im Mai hatte Rama erklärt, seine Regierung habe der NATO den Marinestützpunkt Pashaliman südlich von Tirana angeboten. Der rund 200 Kilometer von Durres entfernte Stützpunkt südlich von Vlore war in den 1950er Jahren der einzige Stützpunkt der Sowjetunion im Mittelmeer. Damals war das kommunistische Regime Albaniens mit Moskau verbündet.

Nach dem Zusammenbruch des Sowjetregimes wurde der Stützpunkt mithilfe der Türkei wieder aufgebaut, die sich das Recht auf seine Nutzung vorbehielt. Heute nutzt die albanische Marine den Stützpunkt noch für einige Operationen und Übungen.

Außerdem plant die NATO die Umwandlung des ehemaligen kommunistischen Militärstützpunkts in Kucova, der früher als Stalinstadt bekannt war. Zurzeit sind auf dem 350 Hektar großen Areal zahlreiche nicht mehr genutzte sowjetische und chinesische Flugzeuge des Typs MiG, Antonov und Yak-18 stationiert.

Im Januar wurde mit dem 50 Millionen Euro teuren Wiederaufbau des Stützpunkts begonnen, der 2023 in Betrieb genommen werden soll. Der Stützpunkt wird als Munitionslager und Betankungszentrum dienen, wobei neue Lagereinheiten gebaut, die Start- und Landebahn saniert sowie der bestehende Kontrollturm renoviert werden sollen.

Der ursprüngliche Stützpunkt war unter dem kommunistischen Diktator Enver Hoxha unter Einsatz von Gefängnisarbeiter:innen errichtet worden. Nach fast 50 Jahren der Isolation wandte sich Albanien dem Westen zu, trat 2009 der NATO bei und hofft auf den Beitritt zur Europäischen Union.