Albanien kämpft mit der Abwanderung von medizinischem Personal

Albanien sieht sich mit einem anhaltenden Problem der Auswanderung einheimischer Arbeitskräfte konfrontiert, das sich insbesondere im medizinischen Bereich bemerkbar macht, sagte Gesundheitsministerin Ogerta Manastirliu.

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Albanien hat die niedrigste Zahl von Ärzten und Krankenschwestern pro Kopf in Europa, wie Daten aus dem Jahr 2020 zeigen. Im Jahr 2019 arbeiteten 18 Prozent des medizinischen Fachpersonals im Ausland. [Shutterstock/Nikita Burdenkov]

Albanien sieht sich mit einem anhaltenden Problem der Auswanderung einheimischer Arbeitskräfte konfrontiert, das sich insbesondere im medizinischen Bereich bemerkbar macht, sagte Gesundheitsministerin Ogerta Manastirliu.

Seit dem Ende des Kommunismus im Jahr 1991 haben rund 1,4 Millionen Albaner das Land verlassen, in den letzten zehn Jahren waren es rund 700.000. Davon sollen etwa 3.000 Ärzte das Land verlassen haben, von denen mehr als die Hälfte nach Deutschland gegangen ist.

Albanien hat die niedrigste Zahl von Ärzten und Krankenschwestern pro Kopf in Europa, wie Daten aus dem Jahr 2020 zeigen. Im Jahr 2019 arbeiteten 18 Prozent des medizinischen Fachpersonals im Ausland.

Auf einer Pressekonferenz am Dienstag sagte Manastirliu, die Abwanderung von medizinischem Personal sei ein Problem, das eine vielschichtige Lösung erfordere, die die Stärkung der Humanressourcen, der Arbeitsbedingungen und der Spezialisierungsmöglichkeiten umfasse.

„Der Umgang mit diesem Phänomen ist ein täglicher Kampf, es gibt keine Patentrezepte oder magische Lösungen, es ist in vielerlei Hinsicht eine tägliche Aufgabe“, sagte die Ministerin.

Sie fügte hinzu, dass im Jahr 2022 etwa 355 Ärzte und 100 Fachärzte sowie 900 Krankenschwestern und -pfleger in das staatliche Gesundheitssystem aufgenommen wurden. Im Hinblick auf das Jahr 2023 sagte die Ministerin, dass es Programme geben werde, um albanische Ärzte zur Rückkehr in ihr Heimatland zu ermutigen, denn „es liegt in unserem Interesse, so viele Ärzte wie möglich zurückzuholen und natürlich die Ärzte, die wir hier haben, zu halten.“

Zu den Hauptgründen für die Abwanderung des medizinischen Personals in Albanien, gehören die niedrigen Gehälter, der Mangel an Medikamenten und die schlechten Bedingungen in den Krankenhäusern. Besonders belastet sind die Fachbereiche. So ist beispielsweise die Zahl der Psychiater pro Kopf der Bevölkerung mit nur einem pro 100.000 Patienten die niedrigste in Europa.

Sowohl die regierende Sozialistische Partei als auch die oppositionelle Demokratische Partei weisen sich gegenseitig die Schuld an der derzeitigen Situation zu. Beide Seiten bedienen sich hierbei denselben Argumenten: man hätte mehr für die Verbesserung des Gesundheitswesens und der Bedingungen für das medizinische Personal tun müssen.

Albanien leidet aber auch unter einem gravierenden Mangel an innovativen Arzneimitteln und Therapien. Nur 3 Prozent der in den letzten drei Jahren von der Europäischen Union zugelassenen Medikamente sind vor Ort erhältlich, was die Apotheker dazu veranlasst hat, die Art und Weise zu verbessern, wie Medikamente auf den Markt gebracht werden.

Zwischen 2017 und 2020 wurden von 160 in der EU zugelassenen Medikamenten für seltene Krankheiten und Krebs nur fünf in Albanien zugelassen und keines wurde in die Liste der staatlich subventionierten Auszahlungen aufgenommen.

„Das Medikament wird nutzbar, wenn es in die Erstattungsliste aufgenommen wird. Albanien verfügt über einen Erstattungsfonds für Medikamente von nur 100 Millionen Dollar pro Monat, während die Länder der Region und Europas bis zu zehnmal mehr zur Verfügung haben“, erklärte der Apothekerverband gegenüber Monitor.