Airbus leitet erste Schritte Richtung emissionsfreie Luftfahrt ein
Airbus hat angekündigt, bis Mitte des Jahrzehnts ein Wasserstofftriebwerk zu testen. Damit will der weltgrößte Flugzeughersteller sein Ziel erreichen, bis 2035 ein emissionsfreies Flugzeugmodell zu entwickeln.
Airbus hat angekündigt, bis Mitte des Jahrzehnts ein Wasserstofftriebwerk zu testen. Damit will der weltgrößte Flugzeughersteller sein Ziel erreichen, bis 2035 ein emissionsfreies Flugzeugmodell zu entwickeln.
Der Flugzeugbauer plant, einen Superjumbo A380 mit einem Wasserstoffantrieb auszustatten – einem Kraftstoff, der völlig kohlenstoffneutral ist, wenn er mit Ökostrom produziert wird.
Das neuartige Wasserstofftriebwerk wird in den Flugzeugrumpf eingebaut, während vier herkömmliche Düsenturbinen unter den Flügeln verbleiben.
Diese Spitzentechnologie wird in Zusammenarbeit mit dem Turbinenhersteller CFM International entwickelt, einem Unternehmen, das General Electric sowie dem französischen Unternehmen Safran Aircraft Engines gehört.
Der Testflug wird voraussichtlich im Jahr 2026 stattfinden.
„Dies ist der bedeutendste Schritt, den Airbus seit der Vorstellung unserer ZEROe-Konzepte im September 2020 unternommen hat, um eine neue Ära des wasserstoffbetriebenen Fliegens einzuläuten“, sagte Sabine Klauke, Chief Technical Officer von Airbus.
Emissionsfreies Fliegen gilt als der Heilige Gral für die Luftfahrtbranche, die von den Regulierungsbehörden zunehmend unter Druck gesetzt wird, die Verschmutzung durch den Flugverkehr einzudämmen. Innerhalb der EU ist der Luftverkehr für etwa 3,8 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich.
Wasserstoff ist zwar deutlich klimaschonender als Kerosin, steht aber im Vergleich zu fossilen Brennstoffen noch vor einer Reihe von Herausforderungen.
Damit Wasserstoff in flüssigem Zustand verbleibt, muss er bei extrem niedrigen Temperaturen – etwa -252 Grad Celsius – gelagert werden, was eine kryogene Lagerung erfordert.
Außerdem ist Wasserstoff voluminöser als Kerosin, was zur Folge hat, dass dem Treibstofflager im Flugzeug mehr Raum gewidmet werden muss. Der A380, das größte Passagierflugzeug der Welt, wird für den Testflug mit vier kryogenen Tanks zur Lagerung von flüssigem Wasserstoff ausgestattet, die sich im hinteren Teil des Rumpfes befinden.
Bevor der Wasserstoff verbrannt wird, wird er von flüssiger Form in Gas umgewandelt. Da Wasserstoffgas beim Verbrennen höhere Temperaturen erzeugt als Kerosin, muss das Flugzeug so angepasst werden, dass es der extremen Hitze standhält.
Der Hersteller mit Sitz in Toulouse strebt zwar an, bis 2035 ein emissionsfreies Flugzeug auf den Markt zu bringen, doch nach Angaben des Unternehmens werden wasserstoffbetriebene Maschinen frühestens erst ab 2050 weit verbreitet sein.
Airbus bezweifelt auch die Tauglichkeit der neuen Technologie für Langstreckenflüge und erklärt, dass Wasserstoff aufgrund von Speicherproblemen eher für Regional- und Kurzstreckenflugzeuge infrage käme.
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Die Zukunft der emissionsfreien Luftfahrt?
Da Wasserstoff- und Elektroflugzeuge noch Jahrzehnte entfernt sind, bis diese breitflächig erhältlich werden, setzen sowohl die Industrie als auch die EU-Gesetzgeber:innen auf nachhaltige Flugkraftstoffe (SAF), um die Emissionen kurzfristig zu senken.
Nach den Vorschlägen, die die EU-Kommission im Juli vorgelegt hat, sollen alle Flugzeuge, die in der EU betankt werden, Kerosin mit einem bestimmten Anteil an grünem Kraftstoff vermischt werden. Dieser Prozentsatz soll im Laufe der Zeit erhöht werden und bis 2050 einen Anteil von 63 Prozent am Treibstoffmix erreichen.
SAF sind bei den Fluggesellschaften beliebt, da sie ohne Änderungen am Triebwerk in aktuelle Flugzeugmodelle eingebaut werden können. Anpassungen sind nur bei sehr hohen Anteilen erforderlich, wenn der SAF-Anteil über 50 Prozent liegt, so die Branche.
Doch was „nachhaltigen“ Flugzeugtreibstoff ausmacht, ist umstritten.
Kurzfristig wird die Nachfrage nach SAF wahrscheinlich durch die Raffinierung von Altölen, wie beispielsweise Altspeiseöl, gedeckt werden. Umweltschützer:innen haben davor gewarnt, dass der Import großer Mengen von Altspeiseöl aus Asien, dem Hauptlieferanten der EU, zu Betrug führen könnte, da teils verbotene Rohstoffe wie natives Palmöl verwendet werden, um die Mengen zu erhöhen.
Umweltschützer:innen bevorzugen grüne E-Treibstoffe, da diese theoretisch unbegrenzt skalierbar sind, wenn sie mit erneuerbarem Strom hergestellt werden. Derzeit sind E-Treibstoffe jedoch nur in winzigen Mengen verfügbar und sind extrem kostspielig, was sie für Fluggesellschaften unattraktiv macht.
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[Bearbeitet von Frédéric Simon]